Kloten hat die Play-offs in Griffnähe

Die von Sorgen geplagten Kloten Flyers stehen dank sieben Punkten Vorsprung auf den Trennstrich vor der achten Play-off-Teilnahme in Folge. Im Ressort Technik herrscht im Verein indes die maximale Unordnung.

Presse • • von Neue Zürcher Zeitung, Jürg Vogel und Yves Tardent

So entspannt sah der Kloten-Trainer Tamfal schon lange nicht mehr aus wie am Samstagabend im engen Kabinengang der Valascia in Ambri. Eben hatte sein dezimiertes Team die Leventiner nach aufopferungsvollem Kampf 5:3 geschlagen und sich punktemässig vom Play-off-Trennstrich abgesetzt. Zehn Spiele vor Ende der Qualifikation beträgt Klotens Vorsprung auf Biel im neunten Rang sieben Punkte.

 

Tamfal lobte seine Equipe für ihren beherzten, nimmermüden Einsatz und besonders den doppelten Torschützen Marcel Jenni, der in dieser schwierigen Phase ein Leitwolf war. Jenni bewahrte als einer der wenigen trotz Rückstand die Ruhe und erzielte nach dem 3:2 auch das entscheidende 4:3. «Wir dürfen nun nicht die Nerven verlieren», sagte der bald 39-Jährige.

 

Schwierig ist die Situation für Tamfal vor allem deshalb, weil der Sportchef André Rötheli öffentlich Kandidaten für die Nachfolge des Coachs evaluiert. «Ich kämpfe wie das Team weiter», sagt Tamfal, dem in Abwehr und Sturm je zwei Internationale (Du Bois / von Gunten, Liniger/Bieber) fehlen. Er hofft, dass er bald einen neuen ausländischen Stürmer zur Verfügung hat.

 

Im neuen Jahr zeigt sich in Kloten eine alte Hypothek. Die Technik, in einem Profiverein im Idealfall eine fein parzellierte Ordnung mit Erfahrung und Know-how auf exekutiver Stufe, befindet sich in einem heiklen Zustand. Der im November installierte Sportchef Rötheli erfüllt einen undankbaren Job. Er kommt in vielen Fragen (Transfers) hinterher wie die alte Fasnacht. Und der frühere Center ist selber ein Problem: Noch nie in zwei Dezennien reüssierte ein Internationaler als Neuling im NLA-Business auf Anhieb als Sportchef. Dieses Amt erfordert eine ein- bis zweijährige Einarbeitung – mindestens.

 

Röthelis Option, den von der ersten Minute an im Team nicht anerkannten Tamfal zu entlasten, gibt wenig Sinn. Kent Ruhnke als Nothelfer zu installieren, wäre eine bizarre Lösung, die im Schoss des Personals wohl zum Aufstand führte. Und die sofortige Rückkehr des grossen Rovers Felix Hollenstein schliessen Pragmatiker aus. Die Kultfigur dürfte erst im Hinblick auf die neue Saison zum Thema werden, wenn der erfahrene Techniker die Ressourcen noch kreativ beeinflussen kann.

 

Absehbar ist, dass Kloten den Preis wird bezahlen müssen für den Fehlentscheid, im Frühsommer 2012 alle Kompetenzen im Verein in die Hände des unerfahrenen Geschäftsführers Wolfgang Schickli zu legen, der nun gekündigt hat. Es herrscht Konsens darüber, dass der nächste Winter für die Flyers heikler wird als die laufende Saison.

 

Die Flyers fliegen im Jetstream, in starken Windbändern, die jeder Flugzeugpilot fürchtet. Den Mehrheitsaktionär Philippe Gaydoul wird's kaum freuen, wenn Interna aus der Führung nach aussen dringen. Im grossen Dorf gibt es, wie in der früheren DDR nach der deutschen Wiedervereinigung, zu viele Wendehälse. Die Flyers steuern heuer einem Fehlbetrag von 3 bis 4 Millionen Franken entgegen. In der Technik fehlt die klare Linie. Elitejunioren verfügen über Profiverträge mit 6000 Franken Monatslohn, spielen aber nicht im Fanionteam. Ein Schildbürgerstreich ist auch die Massnahme, mitten im Kampf am Trennstrich das Karriereende des verdienten Goalies Ronnie Rüeger publik zu machen. Dies steht für mangelnde Hockey-Kultur in Kloten.

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