Kloten macht Tamfal zum Clown

Tomas Tamfal ist ein flotter Kerl, aber am falschen Ort. Und jetzt wird ihm übel mitgespielt.

Presse • • von Blick, Angelo Rocchinotti

Gewohnt ruhig und konzentriert leitet Flyers-Coach Tomas Tamfal (46) das Training. Auf den ersten Blick erinnert nichts an die Unruhen der letzten Tage.

 

Doch der Schein trügt. Tamfal wirkt im Gespräch mit BLICK angeschlagen. Auf die Frage, wie es ihm gehe, antwortet er: «Ja, ja.» Der sonst so fröhliche Trainer spricht mit leiser Stimme, versucht erst, seine Gefühlslage zu vertuschen. «Ich bin schlecht gelaunt.» Das sagt er aber nicht wegen seiner ungewissen Zukunft in Kloten. Tamfal: «Ich habe Zahnweh.»

 

Dem tschechisch-deutschen Doppelbürger ist klar: Seine Zeit als Flyers-Trainer neigt sich dem Ende zu. Früher oder später wird ihm Sportchef André Rötheli auf die Schulter klopfen – und ihm die Entlassung verkünden. Rötheli steht in regelmässigem Kontakt mit Kultfigur und Nachfolger Felix Hollenstein, streitet dies gegenüber seinem aktuellen Trainer aber ab.

 

Klar ist: Tamfal ist ein exzellenter Ausbildner, bei den Profis aber am falschen Ort. Die Flyers-Cracks stehen ohne Führung da – und coachen sich praktisch selbst. Als Rötheli im November sein Amt antrat, flog Tamfal auf. Doch reagiert hat der Sportchef nicht.

 

Dafür sagte Rötheli nach vier Pleiten in Serie am Freitag im BLICK: «Es ist klar, dass ich mich nach einem Trainer umschaue.» Verständlich zwar, doch mit dieser Aussage demontierte er seinen Trainer – und machte ihn zum Clown. Jetzt ist Tamfal eine lahme Ente, die nichts mehr bewegen kann.

 

Die Flyers-Cracks halten sich bedeckt, verstehen aber nicht, wie man so mit Menschen umgehen kann.

 

Die Klubführung, die im Sommer Tamfal wollte, spielt ihm nun übel mit. Auf einen Ausländer wartet er noch immer. «Ich bin auch angeschlagen und arbeite mit Hochdruck daran», sagt Rötheli.

 

«Ich kämpfe bis zum letzten Atemzug, mache meinen Job und brauche mir keine Vorwürfe zu machen. Ich bin zwar kein Roboter, aber ich arbeite. Jetzt folgen ein paar Spiele, dann schauen wir weiter», gibt sich Tamfal kämpferisch.

 

Nach zwei Siegen aus den letzten drei Spielen und dem Saisonziel Playoffs vor Augen fehlen der Klubleitung die Argumente, um den Trainerwechsel schon jetzt zu vollziehen. Doch mit jeder Pleite steigt der Druck auf Tamfal weiter.