Gus weg - was jetzt?

Kommt jetzt Arno Del Curto?

Bruno's BlogMachen Sie sich keine übertriebenen Hoffnungen, liebe Leserin, lieber Leser. Derzeit deutet nichts darauf hin, dass Arno Del Curto die Nachfolge von Bengt-Ake Gustafsson antreten könnte. Ich wollte mit diesem Titel wach rütteln. Zeigen, was nun nötig ist.

Blog • • von Bruno Wüthrich

 

Ich werde den «Personalentscheid Gustafsson» nicht kritisieren, weil wir in FANTIGER nie unternehmerische oder sportliche Entscheide kritisieren. Wir beschränkten uns in der Vergangenheit immer darauf, die Kommunikation zu beurteilen. Denn da gab es Punkte genug, die zu besprechen sich lohnten. Auch diesmal haben wir wieder ein Paradebeispiel dafür, wie man es nicht machen sollte. Doch ich lasse es. Es lohnt sich diesmal nicht, weil es um viel wichtigeres geht. Viel lieber zeigen wir auf, was nun gefordert ist.

 

Bengt-Ake Gustafsson ist ein grosser Coach. Schon als Spieler zwei Mal Weltmeister, schaffte er 2006 ein höchst bemerkenswertes Double. Im gleichen Jahr wurde er mit der Schwedischen Nationalmannschaft sowohl Olympiasieger als auch Weltmeister. Und dies mit weitgehend unterschiedlichen Teams. Während ihm nämlich an den Olympischen Spielen sämtliche NHL-Cracks schwedischer Nationalität zur Verfügung standen, war dies an den Weltmeisterschaften nicht mehr der Fall. Zuvor bewies Gustafsson bereits, dass er auch auf Klubebene Erfolge einfahren kann. Mit Färjestad gewann er die Schwedische Meisterschaft und wurde zwei Mal Vizemeister. Nun ist er mit den SCL Tigers in die NLA zurück gekehrt. Da wollte das emmentalische Eishockeyunternehmen zwar raschmöglichst wieder hin, dass dieses Unterfangen bereits zwei Jahre nach dem Abstieg klappte, kommt doch irgendwie überraschend.

 

Wie auch immer man die Verantwortung für diesen grossen Erfolg verteilen will, so kommt man dabei nicht an Bengt-Ake Gustafsson vorbei. Der Coach ist bei solchen Erfolgen immer ein zentrales Element. Gus hat demnach massgeblichen Anteil an diesem Aufstieg. Er hat sein ohnehin schon imposantes Palmares noch einmal aufgebessert. Er hat gezeigt, dass er nicht nur mit Superstars umgehen kann. Er kann auch aus einem guten NLB-Team das Maximum heraus holen und die Spieler weiter entwickeln. Welcher andere Coach hätte es gewagt, in der Serie gegen den NLA-Letzten immer auch noch seine vierte Linie laufen zu lassen? Dies war einer der Schlüssel zum Erfolg. Und dies ist Nachwuchsförderung auf hohem Niveau!

 

Nur ein grosser Coach wird an dieser Ausgangslage nicht zerbrechen

Die Fussstapfen, in welche Gustafssons Nachfolger treten muss, sind riesengross. Und sie werden durch den Verzicht auf eine weitere Zusammenarbeit sogar noch grösser. Weil nämlich der Entscheid für diesen Verzicht nicht von Gustafsson, sondern vom Verwaltungsrat der SCL Tigers kommt. Damit wird einem Nachfolger unzweifelhaft, wenn auch auf Umwegen mitgeteilt: «Pass auf, wir erwarten zwar den Erfolg. Aber es ist uns nicht egal, wie du diesen bewerkstelligst. Wir sagen dir, wie du zu funktionieren und an der Bande aufzutreten hast. Tust du nicht so, wie wir dies wollen, bist du wieder weg. Erfolg hin, erreichte Ziele her».

 

Ein normaler Coach wird an solchen Vorgaben und an einem derart grossen Vorgänger zerbrechen. Zumal völlig unbekannt ist, wie die Spieler, die jetzt erfolgreich auf Eigenverantwortung getrimmt wurden, damit zurecht kommen, dass nun wieder ein autoritärerer Ton folgen soll. Wenn selbst ein Olympiasieger und Weltmeister, der zudem in Langnau nicht enttäuschte, sondern reüssierte, nicht gut genug für die SCL Tigers sein soll, - wer ist es dann?

 

Es braucht deshalb einen grossen Coach! Einen, der das Rückgrat hat, den Tiger-Verwaltungsräten zu sagen, dass ER es ist, der etwas von Personalführung im Sport und von Eishockey versteht. Dass er nach Langnau kommt, um sein Ding durchzuziehen, und dass er sich nicht drein reden lassen wird. Auch wenn es in Langnau so viele sogar besser wissen, als ein Olympiasieger und Weltmeister.

 

Und es braucht einen grossen Coach, der am Druck, der jetzt besteht (und der durch nichts mehr klein zu reden oder zu relativieren ist) umzugehen weiss. Ein normaler Coach wird an der Aufgabe, die ihn in der Ilfishalle erwartet, zerbrechen. Nur einer mit dem Format eines Arno Del Curto kann diese Aufgabe meistern.

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