20 Minuten online, Klaus Zaugg

Langnau: Die Krise als Mutter des Aufstieges?

Die SCL Tigers segeln auf Aufstiegskurs. Im Frühjahr wird mindestens ein neuer Ausländer im Team stehen. Und ob Trainer Tomas Tamfal am Ende der Saison noch da ist, ist unsicher.

Presse •

 

Das Spiel war schlimm. Die Langnauer führten gegen Visp 3:0, hatten doppelt so viele Torschüsse und verloren doch 4:6. Aber die SCL Tigers sind halt jetzt der SCB der NLB. Titel beziehungsweise Aufstiege werden nicht im Herbst vergeben. Die Krise im Herbst ist vielmehr die Mutter des Triumphes im Frühjahr. Der SCB feuerte im Herbst 2011 Trainer Larry Huras und sein Nachfolger Antti Törmänen führte den SCB im Frühjahr 2012 bis ins Finale. Und nach einer kernigen Krise im Herbst 2012 sogar zum Meistertitel 2013.

 

Bei den SCL Tigers passt noch nichts zusammen. Aber das ist nur logisch. Sie mussten nach dem Abstieg die Mannschaft neu aufbauen. Eigentlich sind nur sechs Spieler bestandene NLA-Cracks: Philippe Rytz, Martin Stettler, Adrian Gerber, Lukas Haas, Sandro und Claudio Moggi. Es kann jetzt noch nicht funktionieren. Die Spieler haben sich noch nicht an die NLB gewöhnt. Zu viele überschätzen ihre spielerischen Möglichkeiten. In der NLA schlugen sie unter Druck die Scheibe weg und spielten einfach und risikolos. Jetzt versuchen zu viele den genialen Pass oder das spektakuläre Dribbling, kommen nicht am Gegenspieler vorbei oder öffnen mit absonderlichen Fehlpässen dem Gegner den Weg zum Konter. Zu viele überschätzen sich nach wie vor.

 

Gleich wie Lausanne?

Aber Krisen im Herbst helfen einem möglichen Aufsteiger. So gesehen segeln die SCL Tigers auf Aufstiegskurs. Lausanne hat die Rückkehr in die NLA auch erst nach einer heftigen Krise im letzten Herbst geschafft. Eine Krise, die Cheftrainer John van Boxmeer den Job gekostet hatte.

 

Aber Pleiten wie jene gegen Visp kann sich Trainer Tomas Tamfal trotzdem nicht viele leisten. Bisher kamen im Schnitt 4905 Fans in den Ilfis-Tempel. 4584 waren es gegen Visp. Die Langnauer sind auf jeden Zuschauer angewiesen. Auch wenn es erst im Frühjahr um den Aufstieg geht und die Qualifikation letztlich dazu da ist, Taktik und Spiel zu justieren – die Zuschauer wollen für ihr Eintrittsgeld während der ganzen Saison gut unterhalten sein. Noch zwei weitere Heimniederlagen wie dieses 4:6 gegen Visp und Trainer Tomas Tamfal wird ein Thema. Zumal mit Garry Sheehan (ex Lausanne und La Chaux-de-Fonds) ein erfolgreicher, kompetenter und erfahrener kanadischer Trainer auf einen neuen Job wartet.

 

Straka mit ungenügenden Leistungen

Bereits nach nur fünf Spielen steht fest, dass Josef Straka im Frühjahr nicht mehr im Team stehen wird. Der 35-jährige tschechische Center ist übergewichtig, ausser Form, nicht motiviert und deshalb nicht dazu in der Lage, auf NLB-Niveau zu dominieren. Nach fünf Partien hat er gerade mal zwei Assists produziert. Die Zuschauer werden einen Ausländer in dieser Form nicht mehr lange goutieren und ausländisches Personal mit dieser Arbeitseinstellung ist Gift für die Chemie des Teams. Ein NLB-Titel und ein Wiederaufstieg ist nur mit überdurchschnittlichem ausländischem Personal machbar. Zeit für die Suche nach einem geeigneten Ersatz ist ja noch mehr als genug. Von Vorteil ist es, nicht mehr einen tschechischen oder slowakischen Spieler unter Vertrag zu nehmen: Mit jedem Spieler aus seinem eigenen Kulturkreis macht sich Trainer Tomas Tamfal angreifbar.

 

So wie beim SC Bern der Meistertitel immer das Ziel ist und Spieler und Management mit diesem Druck leben müssen, so gibt es bei den SCL Tigers kein anderes Ziel als den NLB-Titel und den Wiederaufstieg. In Bern liesse sich mit Mittelmass die grösste Arena Europas nicht füllen und in Langnau wird es auf Dauer auch nicht möglich sein, mit NLB-Eishockey mehr als 4000 Fans anzulocken.

 

Nur Schweizer Stürmer sind gut genug

Die SCL Tigers haben jetzt noch kein Team, das die NLB-Meisterschaft gewinnen oder gar in die NLA zurückkehren kann. Dafür fehlt das ausländische Personal und dafür fehlen zwei gute Schweizer Verteidiger. Nur die Schweizer Stürmer sind gut genug für einen Wiederaufstieg. Das Management hat eine «Kriegskasse» bereitgestellt, um das Team während der Saison zu ergänzen. Manager Wolfgang Schickli sollte bald einmal auch mit seinem Freund Marc Lüthi in Bern oben telefonieren. Beim SC Bern zeichnet sich ab, dass es mindestens einen Verteidiger (beispielsweise Andreas Hänni) und mehrere Stürmer gibt, die den hohen Ansprüchen beim SCB nicht genügen, aber grad recht für Langnau wären.

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