SCL Tigers - HC Ambri-Piotta 3:4 (1:2, 0:1, 2:1)

Langnau verliert in Extremis und ohne Torhüter

Weil nur ein voller Punktgewinn eine kleine Hoffnung auf den 10. Rang belassen hätte, kassieren die SCL Tigers bei unetswchiedenem Spielstand 3 Sekunden vor Spielende noch den treffer zum 3:4. Zuvor holten die Langnauer einen Zweitore-rückstand auf.

Spielbericht • • von Bruno Wüthrich

Es war des Öftern viel Verkehr vor Ivars Punnenovs Tor. Bild: Marcel Bieri

Weil der HC Lausanne den EHC Biel bezwang, wäre für die SCL Tigers nur bei einem Sieg nach 60. Minuten eine kleine Hoffnung geblieben, den die vorzeitige Rettung bedeutenden 10. Rang nach 56 Runden noch zu erreichen. Die Langnauer versuchten alles. Sie holten im Schlussdrittel einen Zweitore-Rückstand auf und versuchten zum Schluss ohne Torhüter, den Sieg in den regulären 60 Minuten doch noch zu erkämpfen. Es ging schief, denn drei Sekunden vor Schluss erzielte Marc Gautschi für die Tessiner das siegbringende 3:4. Damit ist klar, dass die SCL Tigers und der EHC Biel den Playout-Final bestreiten werden. Der HC Lausanne und der HC Ambri-Piotta sind gerettet.

Viele Zuschauer und auch Medienvertreter ärgerten sich über den verschenkten Punkt und den Entscheid von Benoît Laporte, 48 Sekunden vor Schluss bei unentschiedenem Spielstand den Torhüter heraus zu nehmen. Doch aus sportlicher Sicht wird damit dem Coach Unrecht getan. Die Rettung nach 56 Spielen war noch möglich. Also versuchte er alles. Er schaute nicht nach hinten auf den EHC Biel, sondern nach vorne auf den 10. Rang. Recht so! Alles andere wäre in einem Sport, in dem es ums Gewinnen geht, unwürdig. Dass es schief gehen würde, war indes zu erwarten. Die Möglichkeit, ohne Torhüter noch einen Treffer zu kassieren ist grösser, als einen zu erzielen.

Doch zuvor sahen die 5'514 Zuschauer in der Ilfishalle ein weitgehend unterhaltsames Spiel, in welchem die SCL Tigers im ersten und im letzten Drittel optisch die bessere Mannschaft waren. Evgeni Chiriaev in der 53. Minute auf Zuspiel von Lukas Haas und Thomas Nüssli in der 54. Minute erzielten auf spektakuläre Weise das 2:3 und den 3:3 – Ausgleich. Und es wären durchaus Möglichkeiten zum Siegterffer für die Langnauer vorhanden gewesen. Es sollte nicht sein.

Trotz 1:2 ein gutes Startdrittel

Was haben wir uns in dieser Saison schon über die Startdrittel geärgert, welche die SCL Tigers schon fast reihenweise verloren, und sich so um so manche gute Ausgangslage brachten. Auch heute lagen die Langnauer bereits nach weniger als acht Minuten mit 0:2 im Rückstand, und Coach Benoît Laporte sah sich nach 7,28' genötigt, bereits sein Timeout zu nehmen.

Doch für einmal täuscht das Resultat über die Geschehnisse hinweg. Denn dieses Startdrittel war mit anderen Spielen, und insbesondere mit jenem von vor drei Tagen gegen den EHC Biel nicht vergleichbar. Damals wirkten die Langnauer wie unter Schlaftabletten, voller Missverständnisse und Fehler, dafür ohne jeden Speed. So überliessen sie den Seeländern quasi ohne nennenswerte Gegenwehr die ersten 20 Minuten, lagen zur ersten Pause bereits mit 0:2 zurück und brachten es danach trotz deutlicher Leistungssteigerung wie so oft nicht mehr fertig, das Spiel noch zu drehen.

Gegen Ambri starteten DiDomenico & Co wie die Feuerwehr, so dass Sandro Zurkirchen im Ambri-Tor gleich zu Beginn ein viel beschäftigter Mann war. Bereits in der 2. Minute kam Yannick-Lennart Albrecht zu einer Grosschance, nachdem der aus Kanada zurück gekehrte Chris Didomenico ausgezeichnete Vorarbeit geleistet hatte.

Doch die kalte Dusche folgte wenig später. Beim ersten nennenswerten Angriff erwischte Jesse Zgraggen Tiger-Hüter Ivars Punnenovs aus spitzem Winkel. Die erste halbe Torchance Ambris führte also bereits zum ersten Tor.

Eine gute Minute später traf Kevin Clark lediglich den Pfosten, und die Langnauer setzten weiterhin Druck auf. Doch in der 8. Minute entwischte Elias Bianchi der aufgerückten Langnauer Verteidigung und blieb auch gegen Ivars Punnenovs Sieger. Eineinhalb, Torchancen, zwei Tore, während Langnau weiterhin mit leeren Händen dastand. Dies auch nach 13 Minuten, als nacheinander Sven Lindemann und Chris DiDomenico zu ausgezeichneten Tormöglichkeiten kamen. Doch in der gleichen Minute traf auf der andern Seite Alexandre Giroux nur den Pfosten.

Noch etwas war im Spiel der Langnauer vorerst besser als in den Partien zuvor. Das Powerplay. Bereits bei der Strafe gegen Elias Bianchi in der 15. Minute rochen die Langnauer nach passablem Überzahlspiel am Torerfolg. Noch besser bei der Strafe, die in der 17. Minute gegen Marc Gautschi ausgesprochen wurde. Ville Koistinen zog an der blauen Linie ab, Sven Lindemann fälschte ab, Tor! Mit diesem 1:2 – Rückstand ging es in die erste Pause.

Nachlassen im Mitteldrittel

Insgesamt drei Mal konnten die Langnauer im Mitteldrittel in Überzahl spielen. Was sie zu zeigen vermochten, war längst nicht mehr so gut wie im Startdrittel. Dazwischen machte Ambri mehr Druck. Die ganz grossen Tormöglichkeiten bleiben auf beiden Seiten weitgehend aus. Eine Ausnahme auf Seiten der Langnauer bildete die gute Möglichkeit von Chris DiDomenico bei Powerplay Langnau in der 32. Minute. Kurz nachdem die Leventiner wieder vollzählig waren, liess sich Thibaut Monnet nicht mehr vom Puck trennen, bis sich dieser im Langnauer Tor wieder fand. Insgesamt fanden die Tiger im zweiten Abschnitt nicht zu der Intensität, die sie in den ersten 20 Minuten gezeigt hatten.

 

SCL Tigers - HC Ambri-Piotta 3:4 (1:2, 0:1, 2:1)

 

Ilfishalle, 5'514 Zuschauer. SR: Fischer/Stricker, Flury/Tscherrig. Tore: 4. Zgraggen (Kamber) 0:1. 8. Bianchi (Gautschi, Kamber) 0:2. 19. S. Lindemann (Koistinen, DiDomenico, Ausschluss Gautschi) 1:2. 33. Monnet 1:3. 53. Chiriaev (Haas, Hecquefeuille) 2:3. 54. Nüssli (DiDomenico, Clark) 3:3. 60. (59.57) Gautschi (Hall, ins leere Tor) 3:4. Strafen: 2-mal zwei Minuten gegen die SCL Tigers, 7-mal zwei Minuten gegen Ambri.

 

SCL Tigers: Punnenovs; Hecquefeuille, Ronchetti; Koistinen, Weisskopf; Zryd, A. Gerber; K. Lindemann, Müller; Bucher, C. Moggi, DiDomenico; Clark, Albrecht, Nüssli; Haas, Chiriaev, S. Lindemann; N. Berger, Sterchi, Wyss.

 

HC Ambri-Piotta: Zurkirchen; Mäenpää, S. Berger; Zgraggen, Gautschi; Chavaillaz, Fora; Truntz; Giroux, Emmerton, Monnet; Lauper, Hall, Pestoni; Bianchi, Kamber, Grassi; Lhotak, Fuchs, Duca; Bastl.

 

Bemerkungen: SCL Tigers ohne Wilson, Gustafsson, Bärtschi, Stettler, S. Moggi, T. Gerber, Murray (alle verletzt), Gossweiler (überzählig). Ambri ohne Flückiger (verletzt), Hauser, Sidler, Stucki, Nordlund, Birbaum (alle überzählig). 5. Pfostenschuss Clark. 7.28: Timeout SCL Tigers. 13. Pfostenschuss Giroux. 35. Lattenschuss Kamber. SCL Tigers von 59.12 - 59.58 ohne Torhüter.

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