Gegen Thurgau:

Leidenschaft, oder erneut Dienst nach Vorschrift?

Am 30 November, im Heimspiel gegen den EHC Olten, blieb der HC Thurgau letztmals punktelos. Die letzte Niederlage datiert vom 10 Dezember (3:4 n.P. in Visp). Zuletzt feierten die Ostschweizer vier makellose Siege in Serie. Und plötzlich grüsst der HCT von Rang 5. Nun kommen die SCL Tigers.

News • • von Bruno Wüthrich

 

Und Christian Weber ist halt doch ein guter Coach. Wie bereits aus den SCL Tigers hat er auch aus dem HC Thurgau eine ernst zu nehmende Truppe geformt, die gegenwärtig vor Selbstvertrauen nur so strotzt. Der HCT liegt nach überzeugenden Leistungen im Dezember neu auf dem 5. Rang, lediglich noch 7 Punkte hinter den SCL Tigers. Die Löwen freuen sich auf die Tiger. Denn wenn jetzt nicht der Moment ist, die Langnauer zu schlagen – wann dann? Völlig unbemerkt ist Derek Damon in der NLB-Skorerliste mit 41 Punkten (16 Tore, 25 Assist) auf die Position des Co-Leaders vorgestossen. Und auch Dany Irmen, der zweite Ausländer bei den Thurgauern ist mit 14 Toren, 20 Assists und 34 Punkten in den Top Ten der Skorer angekommen. Nicht weit hinter ihm folgt Thomas Nüssli mit 29 Punkten (11 T. 18 A.). Zuletzt fegte Chrigu Webers Truppe die EHC Basel Sharks gleich mit 8:1 aus deren eigener Eishalle. Lediglich zwei Tage zuvor erging es dem HC Ajoie in Pruntrut nicht viel besser, auch wenn das Resultat (4:2) knapper ausfiel. Gegen beide Gegner verloren die SCL Tigers zuletzt.

 

Im Team der Langnauer ist es höchste Zeit, dass die Protagonisten endlich merken, dass mit Potential allen auch in der NLB kein Blumentopf zu gewinnen ist. Denn 1.) ist mittlerweile klar geworden, dass sich andere Teams in dieser Beziehung keinesfalls verstecken müssen, und zudem 2.) mit deutlich mehr Leidenschaft und Engagement fighten als die überheblichen SCL Tigers. Mittlerweile haben – 3.) - nun fast alle Teams den zu Beginn der Saison übergrossen Respekt vor Moggi & Co. richtigerweise abgelegt. Jeder Spieler in der NLB weiss inzwischen, dass die Langnauer schlagbar sind. Und zwar von jedem Gegner dieser Liga.

 

Auf die SCL Tigers wartet also bis zum Jahresende noch ein happiges Programm. Heute Samstag gegen Thurgau, das neben dem EHC Olten derzeit stärkste Team der Liga, und am Sonntag gegen den SC Langenthal. Es wäre keine Überraschung, wenn die Tiger in diesem Jahr mit 0 Punkten aus den letzten drei Spielen Silvester feiern müssten. Dass es letztes Jahr genau umgekehrt war, und die Langnauer aus den Spielen gegen Ambri (4:0), Bern (2:1) und ZSC Lions (3:0) gleich das Punktemaximum holten, danach jedoch im Frühjahr abstiegen, mag diejenigen, die an Omen und dergleichen glauben, freuen und hoffnungsfroh stimmen. Im Umfeld der Ilfishalle wird man sich jedoch je länger desto mehr damit befassen müssen, dass dieses Team – gute Omen hin, schlechte Resultate zum Jahresende her – in den Playoffs nicht viel reissen wird.

 

Doch wer weiss: Vielleicht ist jetzt in Langnau endlich fertig mit Kuschelkurs und Ferientripp. Leistungen wie zuletzt im Heimspiel gegen den EHC Visp sind ab sofort weder in der Ilfishalle noch auswärts akzeptierbar. Jeder Zuschauer hat in diesem Spiel gesehen, dass die SCL Tigers das Engagement und die Leidenschaft der Walliser nicht einmal zur Hälfte mitgegangen sind. Leider war es nicht das erste Mal in dieser Saison, dass die Fans in Langnau derart schändlich hintergangen und beschissen wurden. Da kommen über 5'000 Zuschauer in die Ilfishalle, und die überhebliche Truppe leistet Dienst nach Vorschrift. Nach dem Motto, ja keinen Schritt und keine Bewegung zu viel, wie eine Horde verstaubter Hinterzimmerbeamte eines städtischen Grundbuchamters in den 1950er-Jahren. Das kann es wirklich nicht sein.

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