MARTIN GERBER: Senior mit dem Feuer eines Juniors

Martin Gerber: Das Alter nimmt zu, aber die Leistung nicht ab. Der Langnauer ist mit 38 neben Jonas Hiller (Anaheim) und Tobias Stephan (Servette) unverändert der beste Schweizer Torhüter.

Presse • • von Wochen-Zeitung, Werner Haller


Martin Gerber war beim Deutschlandcup in München mit einer Abwehrquote von 96,2 Prozent und einem Gegentordurchschnitt von 1,50 der herausragende Torhüter des Turniers. Für die Schweizer Nationalmannschaft war er gegen Vizeweltmeister Slowakei (3:2) einer der Matchwinner und gegen Kanada sorgte er ebenfalls für den entscheidenden Unterschied. Nach zwei Dritteln führten die Schweizer bloss mit 2:1. Gerber wehrte jedoch in den letzten zwanzig Minuten 24 Schüsse ab und ermöglichte damit den klaren 6:1-Sieg. Nur 48 Stunden danach führte der Emmentaler in der schwedischen Elitserien auch Rögle mit einer Abwehrquote von 96,9 Prozent zu einem 4:1-Erfolg gegen AIK Stockholm.



Ein Kandidat für die WM 2013
Kenny Jönsson, der Assistenztrainer von Rögle, wundert sich nicht, dass sich Gerber beim Deutschlandcup als ernsthafter Kandidat für die WM 2013 in Stockholm in Erinnerung gerufen hat: «Sein Siegeswille ist ungebrochen. Mit 38 ist er zwar bereits ein Eishockeysenior, aber er geht noch immer mit dem gleichen Feuer aufs Eis wie vor zwanzig Jahren als Junior. Er fiebert jedem Spiel entgegen, als wäre es das erste oder das letzte seiner Karriere.» Jönsson weiss, wovon er spricht. Er gehört zu den besten und erfolgreichsten schwedischen Verteidigern aller Zeiten. 1994 und 2006 wurde er Olympiasieger, 2006 unter dem ehemaligen Langnauer Headcoach Bengt-Ake Gustafsson auch noch Weltmeister. Als 1.-Rundendraft des Jahres 1993 bestritt er für Toronto und die New York Islanders in zehn NHL-Saisons 705 Spiele. In seiner schwedischen Heimat spielte Jönsson nur für einen einzigen Klub, für Rögle. Wegen seiner Klubtreue und Weltklasse ist er eine Legende. Jetzt ist er bei Rögle Assistenztrainer und als ehemaliger Verteidiger verantwortlich für die Abwehr inklusive Torhüter Gerber.
Jönsson ist wie Gerber 38. Er weiss demnach wie kein Zweiter, was es braucht, um in diesem Alter auf höchstem Niveau noch Spitzenleistungen erbringen zu können. «Fragen Sie mich nicht nach einem Geheimnis», sagt Jönsson. «Es gibt einfach keines.» Die Konstanz, mit welcher Gerber seit vielen Jahren Klasseleistungen zeige, sei in erster Linie der Ausdruck seines nie nachlassenden Trainingsfleisses, der Konsequenz und Disziplin, mit welcher er seinen Beruf ausübe. Er habe noch immer Spass, jeden Tag die Goalieausrüstung anzuziehen und so viele Schüsse wie möglich abzuwehren. Und was im zunehmenden Alter von entscheidender Bedeutung sei: «Er trägt Sorge zu seinem Körper und er weiss haargenau, was er tun muss, um zu jedem Training und zu jedem Spiel mit der nötigen Frische anzutreten.» Am ersten Trainingstag anfangs August testeten die Trainer von Rögle die physische Verfassung und die Athletik sämtlicher Kadermitglieder: «Sie ahnen es», schmunzelt Jönsson, «Gerber, der Älteste, war einer der Besten.»



Der Vergleich mit den Weltbesten
Seit vielen Jahren schon entscheidet Gerber immer nach dem gleichen Prinzip über seine sportliche Zukunft. Er wählt konstant den schwierigsten Weg, er nimmt stets das Angebot der besten Mannschaft in der besten Liga an. «Das ist», sagt Jönsson, «ein weiteres typisches Merkmal für einen Sportler der Extraklasse. Gerber sucht den ständigen Vergleich mit den Besten der Welt. Sie zwingen ihn zu kämpfen, sie treiben ihn Tag für Tag an so hart zu trainieren, dass er mit ihnen mithalten kann.»




Kräftiger Motivationsschub für die Zukunft
Sechs Spieler der SCL Young Tigers haben mit vier verschiedenen Schweizer Junioren-Nationalmannschaften zum Teil erstklassig besetzte Nachwuchsturniere und Länderspiele bestritten. Für die U20-Auswahl war das „World Challenge“-Turnier in Yarmouth (Ka) bereits die Hauptprobe für die WM vom 26. Dezember bis 6. Januar in Ufa (Russ). Für den im Juli erst 18-jährig gewordenen Langnauer Simon Sterchi war es der erste Leistungsvergleich auf dem höchsten Nachwuchsniveau. «Die Teilnahme an diesem Turnier im eishockeyverrückten Kanada ist für mich ein kräftiger Motivationsschub für die Zukunft», erzählt der Stürmer, der in dieser Saison auch schon sechs NLA-Spiele bestritten hat. Das Städtchen Yarmouth mit nicht einmal 10 000 Einwohnern stand während einer Woche ganz im Zeichen des Turniers mit einem Teil der weltbesten U20-Junioren. Fünf freiwillige Helfer und Helferinnen erfüllten den Schweizern rund um die Uhr jeden Wunsch. Die Organisatoren stellten ein über 100-seitiges Rekordbuch zusammen mit allen Statistiken der bisherigen «World Challenge»-Turniere und den Porträts sämtlicher Spieler. Voller Begeisterung blickt Simon Sterchi auf seine erste Reise nach Kanada zurück: «Erst jetzt weiss ich richtig, was es heisst, Eishockey nicht nur zu spielen, sondern mit der entsprechend grossen Leidenschaft auch zu leben.» Er habe immer Ziele gehabt, sagt der Langnauer Elitejunior aus Wichtrach. Das Turnier in Yarmouth aber habe ihm neue Visionen eröffnet. «Ich habe gesehen, dass noch einiges mehr möglich ist und dass es sich lohnt, dafür noch härter zu trainieren.»



• U20-Turnier in Yarmouth (Ka). 1. USA. 2. Kanada West. 3. Schweiz 4. Kanada Ost. 5. Russland. 6. Tschechien. Resultate der Schweizer: USA 3:4; Kanada Ost 3:4; Viertelfinal: Russland 4:1; Halbfinal: USA 4:7; Spiel um die Bronzemedaille: Kanada Ost 6:0. Die Bilanzen der SCL Young Tigers: Valentin Lüthi (Verteidiger), fünf Spiele, ein Powerplaytor; Simon Sterchi (Stürmer), fünf Spiele, kein Skorerpunkt.
• U18-Turnier in Ann Arbour (USA): 1. USA. 2. Schweden. 3. Schweiz. 4. Finnland. Resultate der Schweizer: Schweden 4:5 n.V.; USA 5:4 n.P.; Finnland 1:5; Spiel um die Bronzemedaille: Finnland 5:2. Die Bilanzen der SCL Young Tigers: Yannick Rathgeb (Verteidiger) vier Spiele, drei Powerplaytore; Patrick Bandiera (Stürmer), vier Spiele, ein Tor, zwei Assists.
• U19-Turnier in Norwegen: 1. Slowakei 6 (12:9 Tore). 2. Schweiz 6 (9:7). 3. Norwegen 3. 4. Deutschland 3. Resultate der Schweizer: Deutschland 3:1; Norwegen 2:0; Slowakei 4:6. Bilanz des SCL Young Tigers: Yannick Albrecht (Stürmer) drei Spiele, ein Tor, ein Assist.
• U16-Länderspiele in Tschechien: Tschechien - Schweiz 2:1, 3:6, 2:5. Bilanz des SCL Young Tigers: Fabian Haberstich (Stürmer) drei Spiele, ein Tor, ein Assist. Headcoach Alfred Bohren; Assistent Samuel Balmer (siehe auch Bericht auf Seite ??).

 

 

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