FANTIGER fordert:

Meisterspieler von 1976 unters Hallendach

Es gibt Fans, die fordern, dass die Nr. 61 von Adrian Gerber unter das Dach der Ilfishalle gehängt und nie mehr vergeben werden soll. Dort hängt unter anderem die Nr. 17 von Daniel Aegerter. Aber kein Einziger aus dem Meisterteam von 1976.

Blog • • von Bruno Wüthrich

Die Schweizermeister von 1976. Sie bescheren dem SC Langnau, was Servette, Lausanne, Ambri und Gottéron bis heute nicht haben: Den Titel auf höchster Ebene im Schweizer Eishockey!

 

 

Kennen Sie Rolf Tschiemer? Er spielte 352 Spiele für den SC Langnau und ist einer der Schweizermeister von 1976. Rolf Tschiemer schlug seinerzeit aus Klubtreue sogar ein lukratives Angebot des grossen SCB aus und blieb zu bescheidenen Konditionen dem SC Langnau treu. Zum Meistertitel steuerte er in 28 Spielen 24 Tore und 10 Assists bei. Rolf Tschiemer trug die Nummer 8.


Kennen Sie Fritz Lehmann? Er spielte zwischen 1962 und 1980 für den SC Langnau und war Captain des Meisterteams von 1976. In 18 Saisons, in welchen er nur für seinen Klub auflief, brachte er es auf 383 Spiele. Zum Meistertitel steuerte er in 28 Spielen 11 Tore und 5 Assists bei. Fritz Lehmann trug die Nummer 12, die heute wegen Todd Elik unter dem Hallendach hängt.


Kennen Sie Michael Horisberger? Auch er ist einer aus dem Langnauer Meisterteam von 1976. Der Pferdemetzger mit eigener Metzgerei an der Güterstrasse (kaum 50 Meter von der Ilfishalle entfernt) absolvierte zwischen 1971 und 1988 in 15 Saisons insgesamt 397 Spiele für die Langnauer. Zum Titel 1976 trug er 16 Tore und 8 Assists bei. Michael Horisberger trug die Nummer 9.


Kennen Sie Simon Schenk? Ja, den kennen Sie bestimmt. Möglicherweise aber auch nur als der Manager, der das Stadtzürcher Eishockey und damit den ZSC rettete, und diesen nach Jahrzehnten wieder zu Meistertiteln führte (2000 und 2001). Oder vielleicht kennen Sie «Simu» als den, der mit den GCK Lions die schweizweit erfolgreichste Nachwuchsorganisation im Eishockey aufgebaut hat. Oder wer weiss: Vielleicht ist Schenk besser bekannt als ehemaliger, erfolgreicher Nationaltrainer, oder – bei politisch Interessierten – als Nationalrat. Doch Simu Schenk hat in erster Linie auch eine grosse Vergangenheit als Langnauer Eishockeyaner. Zudem war er als Coach, Sportchef und Co-Geschäftsführer in der ersten Hälfte der 1990er-Jahre einer der Hauptverantwortlichen für die erste Rettung des SC Langnau. Ohne Schenk hätten anderthalb Jahrzehnte später Peter Jakob und seine Crew die tiger nicht mehr retten müssen, weil es sie schon gar nicht mehr gegeben hätte. In der NLA spielte Schenk nur für den SC Langnau und absolvierte zwischen 1964 und 1980 insgesamt 334 Spiele für die Emmentaler. Zum Titelgewinn steuerte der wohl bekannteste Meisterspieler von 1976 in 28 Spielen 12 Tore und 10 Assists bei. Simon Schenk trug die Nummer 13.


Wir könnten noch viele Spieler aus der damaligen Aera aufzählen. Zum Beispiel Res Meyer und Ernst Lüthi, die damals über Jahre das beste Verteidigerpaar der Liga bildeten. Oder den Spektakel-Verteidiger Peter Lehmann. Oder auch Peter Wüthrich, den Center zwischen Rolf Tschiemer und Simon Schenk. Oder Werner (Sössu) Lengweiler. Oder Hans (Gstabi-Hans) Wüthrich, der seine Tore vorzugsweise aus den unübersichtlichsten Situationen heraus erzielte. Oder, oder, oder. Sie alle waren langjährige Teamstützen des SC Langnau und wesentliche Faktoren bei Titelgewinn.


Bis heute gibt es genau 20 Eishockeyklubs die es mindestens ein Mal schafften, Schweizermeister zu werden. Mit dabei heute eher unbekannte Namen wie der HC Bellerive Vevey (3 Titel), der HC Rosey Gstaad (3), HC Les Avants (2), der HC La Villa Ouchi (1) oder der Club des Pâtineurs de Lausanne (1). Auch mit dabei mit dem EHC Arosa (9), dem EHC St. Moritz (3), dem HC Villars (2) oder dem Grasshopper Club (1) Organisationen, die es zwar noch gibt, aber die sich aus dem Spitzen-Eishockey verabschiedet haben.


Von den heute in der NLA engagierten Mannschaften haben Fribourg-Gottéron, Genf-Servette und Ambri-Piotta noch nie einen Schweizermeister-Titel erringen können. Ob wir den Lausanne HC auch zu den titellosen Organisationen dazu zählen wollen, lassen wir offen. Denn mehrere der weiter oben aufgezählten, heute unbekannten oder verschwundenen ehemaligen Meistern stammen aus der Umgebung von Lausanne.


Der 1946 gegründete SC Langnau, bzw. die heutigen SCL Tigers haben also eine lange Tradition, die vor allem in den 1970er-Jahren um einiges ruhmreicher war als zuletzt. Dies hängt vor allem auch mit den Persönlichkeiten zusammen, die damals für den SCL spielten und die mit ganz wenigen Ausnahmen aus Langnau stammten.


Umso erstaunlicher, dass es von den damaligen Cracks, die zu den besten der Schweiz zählten und die für den SC Langnau den bisher bedeutendsten und grössten Vereinserfolg errangen, kein einziger unter das Dach der Ilfishalle schaffte.


Dort hängen vier Nummern, die mit dem Meistertitel von 1976 nichts am Hut hatten. Ich bin mir nicht sicher, ob es jeder von diesen Vier in die Meistermannschaft geschafft hätte.


Daniel Aegerter und auch Adrian Gerber können mit der Anzahl der für die SCL Tigers gespielten Spiele punkten. Sie haben in dieser Beziehung deshalb Vorteile, weil in den 1960er- und 1970er-Jahren pro Saison deutlich weniger Spiele ausgetragen wurden. Die Spieler von damals waren jedoch grösstenteils Amateure, haben also zusätzlich zum Spitzensport meistens zu 100 Prozent gearbeitet.


Zurückgezogene Nummern dürfen nicht verschwendet werden. Deshalb darf diese Ehre nur ganz speziellen Spielern zuteil werden. Nachfolgend die Kriterien, die beim SC Bern für diese Ehrerweisung gelten:


- Karrierenstart (erster Profivertrag der Karriere) beim SCB

- Karrierenende beim SCB

- zwei Titel mit dem SCB

- 50 Länderspiele

- zehn Saisons beim SCB


Die Latte hängt also in Bern sehr hoch, wobei längst nicht gesichert ist, dass alle, welche diese Kriterien erfüllen, diese Ehre erfahren.


Zwei Titelgewinne (in der NLA) und 50 Länderspiele sind bei den SCL Tigers natürlich eine Utopie. Aber Res Meyer kommt auf einen Titel und 35 Länderspiele. Auch sein Verteidigerpartner Ernst Lüthi kommt neben dem Titelgewinn auf 19 Länderspiele. Flügelrakete Jürg Berger spielte gar 39 Mal für die Nati. Und Michael Horisberger lief 29 Mal für die Landesauswahl auf.


Würden wir, weil wir bescheidener sein müssen, die Kriterien für Titelgewinne auf einen und die Anzahl Länderspiele von 50 auf 30 senken, dann würden heute die Nummern von Jürg Berger und Res Meyer, und sonst keine anderen (!!!) unter dem Dach der Ilfishalle hängen.


FANTIGER fordert deshalb, dass bei Rücktritten aus der 1. Mannschaft der SCL Tigers so lange keine Nummern mehr unters Hallendach gehängt oder zurückgezogen werden, bis nicht mindestens zwei Spieler aus der Meisterschaft stellvertretend für alle Beteiligten an diesem Grosserfolg dort hängen. Es ist ein Unding, dass diejenigen, die es am meisten verdienen, nicht auf diese Weise gewürdigt werden.

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