Auf der Suche nach Leadership

Mental überfordert

Langnaus Eishockeyaner sind derzeit meilenweit von ihren eigenen Ansprüchen entfernt. Es ist deshalb keine Respektlosigkeit vor dem HC Ajoie, wenn wir für einmal auf eine Vorschau zugunsten einer sportlichen Ist-Analyse verzichten.

Blog • • von Bruno Wüthrich

 

Claudio Moggi 2Die SCL Tigers liegen auf dem zweiten Tabellenrang, punktgleich mit dem Leader. Eigentlich weiss man nicht so genau, weshalb die Equippe von Bengt-Ake Gustafsson so weit vorne liegt. Denn die Leistungen entsprechen der Rangliste nicht. Oder anders ausgedrückt: Den Spitzenrang haben die Langnauer ihren Gegnern, und weniger sich selbst zu verdanken. Eigentlich spielten sie lediglich im Heimspiel gegen den HC La Chaux-de-Fonds über ein ganzes Spiel hinweg wirklich gut. Schauen wir zurück auf die einzelnen Spiele:

 

Spiel 1: 4:2 - Heimsieg gegen Red Ice Martigny: Verdienter Sieg. Viele Chancen gehabt und zu viele davon vergeben. Dem Gegner zu viele Chancen zugestanden. Trotzdem gewonnen. 3 Punkte

 

Spiel 2: 4:5 n.P - Auswärtsniederlage gegen den HC Thurgau: Miserable Leistung. Den Gegner komplett unterschätzt. Doch dem einen gewonnenen Punkt konnten die Tiger wirklich fast nicht ausweichen. 1 Punkt.

 

Spiel 3: 5:1 - Heimsieg gegen den HC Ajoie: Ajoie spielte intensiv, war jedoch offensiv zu harmlos. Langnau spielte weder besonders gut, noch schlecht. Konnte dem Sieg nicht ausweichen, ohne das Gesicht zu verlieren. 3 Punkte.

 

Spiel 4: 2:1 - Auswärtssieg in La Chaux-de-Fonds: Ein erkämpfter, aber verdienter Sieg ohne spielerisch zu brillieren. Starke Torhüterleistungen auf beiden Seiten. Das Spiel hätte auch auf die andere Seite kippen können. 3 Punkte.

 

Spiel 5: 3:6 – Heimschlappe gegen den EHC Visp: Die SCL Tigers waren dem intensiven Spiel der Oberwalliser nicht gewachsen. Sie verloren aus denselben Gründen, wie sie bereits den Playoff-Final 2014 verloren hatten. 0 Punkte.

 

Spiel 6: 5:2 Heimsieg gegen La Chaux-de-Fonds: Tadellose Leistung. Absolut verdienter Sieg. Die SCL Tigers, die von A – Z voll durch spielten, waren nie in Gefahr, das Spiel zu verlieren. 3 Punkte

 

Spiel 7: 4:5 Auswärtsniederlage in Langenthal: Die SCL Tigers knüpften zwei Drittel lang an die Leistung vom Spiel gegen den HCC an. Waren fast noch besser. Wurden aber nach dem 3:4 – Anschlusstreffer zum Pankorchester und erhielten Sekunden vor Schluss der regulären Spielzeit und der Verlängerung je ein Tor. 1 Punkt.

 

Spiel 8: 6:3 Auswärtssieg gegen die GCK Lions: Die jungen Löwen winkten zu Beginn die Tiger einfach durch. Doch fast schien es im letzten Drittel, als könnte es den Langnauern gelingen, diesen drei Punkten noch auszuweichen. Erneut ungenügendes Schlussdrittel. 3 Punkte.

 

Spiel 9: 2:5 Heimschlappe gegen den EHC Olten. Das Spiel blieb erstaunlich lange offen. Doch trotz Chancenplus war vielen Langnau-Fans rasch klar, dass es auch diesmal nichts werden würde. Die Tiger haben Angst vor Mäusen. 0 Punkte.

 

Fazit: Die SCL Tigers sind weit entfernt davon, ein gutes Team zu sein. Und sie sind weit entfernt davon, die Hände an den Kübel legen zu können. Trotzdem: Es ist gut, dass die Zielsetzung bleibt, wie sie ist. Denn die SCL Tigers haben die Pflicht, sich hohe Ziele zu stecken, und sich an denen messen zu lassen. Doch derzeit zeigt sich eindrücklich, dass die Mannschaft von den wirklich starken Gegnern noch einiges entfernt ist. Die Differenz liegt vor allem in den Köpfen. Der Glaube daran, Olten und Visp schlagen zu können, fehlt weitgehend. Lippenbekenntnisse bedeuten eben nicht, dass die innere Überzeugung da ist. Dabei geht es vor allem um die Spiele gegen Olten und Visp. Die Niederlagen gegen Thurgau und gegen Langenthal waren zwar ärgerlich. Doch jede Mannschaft hat gelegentlich solche Aussetzer. Das hat auch etwas mit Arroganz zu tun. Doch deswegen geschieht letztendlich nichts. Aber die Arroganz wirkt lächerlich, wenn es dann nicht gelingt, gegen die starken Gegner die beste Leistung abzurufen.

 

In dieser Beziehung sind vor allem die Teamleader gefordert. Von ihnen war vor allem im Spiel gegen Olten rein gar nichts zu sehen. Für Coach Bengt-Ake Gustafsson ist es eine Herkulesaufgabe, seinen Spielern das Selbstvertrauen einzuhauchen, das nötig ist, auch die Stärksten zu schlagen. Am spielerischen Potential liegt es nicht. Am mentalen Potential jedoch schon. Klaus Zauggs Analyse von der Unterforderung (auf Watson) zielt einerseits teilweise in die richtige Richtung, trifft jedoch andererseits voll daneben. Was das Talent betrifft, sind die Langnauer Liga-Spitze und durchaus in der Lage, in einer Ligaqualifikation den NLA-Vertreter herauszufordern. Doch mental sind die SCL Tigers eher überfordert statt unterfordert. Sie sind derzeit meilenweit davon entfernt, in die Nähe einer Ligaqualifikation zu kommen. Vom Stamm der Abstiegsmannschaft der Saison 2012/13 sind immer noch Martin Stettler, Kim Lindemann, Lukas Haas, Claudio und Sandro Moggi, Tobias Bucher und Adrian Gerber mit dabei. Nicht alle haben wohl diesen Abstieg einwandfrei verdaut und verkraftet.

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