Nur noch die Liga kann Kloten retten

Wenn die Liga ihre Gesetze nicht ändert, kann der Unternehmer Hans-Ulrich Lehmann die Kloten Flyers nicht retten. Noch nie hatte die Liga ein politisch und juristisch so heikles Problem zu lösen.

Presse • • von 20 Minuten-online, Klaus Zaugg

Eigentlich sind für die in unbekannter Millionenhöhe verschuldeten Kloten Flyers alle Probleme gelöst: Der alte Präsident und Besitzer Jürg Bircher ist bereit, abzutreten und die Kloten Flyers zu verkaufen. Mit Mobilezone-Mitgründer und SVP-Politiker Hans-Ulrich Lehmann gibt es einen Retter, der dazu in der Lage ist, den Spielbetrieb der Kloten Flyers in Zukunft zu sichern und das Unternehmen zu führen.

Aber es gibt ein grosses Problem: In der NLA kann nur mitspielen, wer von der Liga eine Lizenz erhält. Wer diese Lizenz hat, kann sie nicht verschenken oder verkaufen. Das hat seinen Grund: Alle NLA-Unternehmen sind Aktiengesellschaften. Könnte die Lizenz verschenkt oder verkauft werden, dann gäbe es keine Schulden mehr: Die alte AG würde einfach in Konkurs gesprengt, die Lizenz auf eine neue AG übertragen und schon könnte alles wieder von vorne beginnen. So wie sich eine Schlange häutet, so könnten sich die Hockeyunternehmen in regelmässigen Abständen von allen Schulden befreien.

Imageschaden muss vermieden werden

Der Imageschaden wäre gewaltig und würde unser Klubhockey zerstören: Jeder Konkurs lässt ja Gläubiger zurück, die Geld verlieren. Wenn in einer Stadt ein Hockeyunternehmen Konkurs geht, Gläubiger zu Schaden kommen, aber das Geschäft einfach am nächsten Tag unter neuer Flagge weiter geht – dann hätte ein solches Hockeyunternehmen in kürzester Zeit keine politische und soziale Akzeptanz mehr.

Die Liga verbietet also die Übertragung einer Lizenz von einer Firma auf die nächste mit gutem Grund. Die Liga erlaubte es beispielsweise dem EHC Chur im Frühjahr 2002 nicht, die Lizenz auf eine neue AG zu übertragen. Die Folge war ein Zwangsabstieg in die 1. Liga.

Ausnahme möglich?

Die Kloten Flyers werden nur gerettet, wenn die Liga nun eine Ausnahme macht. Hans-Ulrich Lehmann bekräftigt gegenüber 20 Minuten Online unmissverständlich: «Ich werde keinesfalls die alte Kloten Flyers AG übernehmen. Das ist absolut ausgeschlossen. Die alte Kloten Flyers AG ist zu toxisch. Entweder bekomme ich die Lizenz für die neuen Kloten Flyers. Oder ich steige nicht ein.»

Der Entzug der Lizenz und die Übertragung der Spielbewilligung an die neuen Kloten Flyers zieht den Untergang der alten Kloten Flyers mit sich. Die alten Kloten Flyers sind ohne Lizenz wertlos. Es gibt letztlich auch keine rechtliche Möglichkeit, den Wechsel der Spieler zu den neuen Kloten Flyers zu verhindern. Es wird dann abzuklären sein, ob es sich bei der Lizenzübertragung von den alten auf die neuen Kloten Flyers um eine Betriebsübernahme (im Sinne des OR 333) handelt – in diesem Falle müsste die neue Kloten Flyers AG die schönen Spielerverträge der alten Kloten Flyers AG übernehmen.

Sitzung mit den Betroffenen geplant

Liga-Geschäftsführer Ueli Schwarz bestätigt 20 Minuten Online: «Unsere Reglemente erlauben es nicht, die Lizenz der Kloten Flyers auf eine Nachfolgefirma zu übertragen.» Wie kann die Lizenz trotzdem von der alten Kloten Flyers AG auf die neue übertragen werden? Ueli Schwarz hat Jürg Bircher und Hans-Ulrich Lehmann zu einer Sitzung am Donnerstagabend aufgeboten – im Anschluss an die ausserordentliche Liga-Versammlung. Um dieses Problem zu erörtern. Schwarz sagt, man werde an der Liga-Versammlung das Problem Kloten wohl ansprechen – aber es sei zu spät, um an dieser Versammlung konkrete Anträge zu stellen.

Es gibt in dieser Sache nur eine politische Lösung: Eine weitere Vollversammlung der Nationalligaklubs mit entsprechenden Fristen zur Einreichung von Anträgen. Die Klubs müssen die Reglemente abändern bzw. eine Ausnahmeregelung für die Kloten Flyers bewilligen. Dafür wird voraussichtlich eine Dreiviertelsmehrheit notwendig sein. Ob diese Mehrheit zustande kommt, ist ungewiss.

Ueli Schwarz fasst das Dilemma so zusammen: «Es liegt im Interesse der Liga, die Kloten Flyers zu retten und diese Hockeykultur am Leben zu erhalten. Aber wir dürfen dabei nicht ein Präjudiz schaffen, das uns in Zukunft bei ähnlich gelagerten Fällen in Schwierigkeiten bringt.» Noch nie hatte die Liga ein politisch und juristisch so heikles Problem zu lösen.

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