Eishockeyfreie Ferienzeit

oder das lange Warten auf Martin Plüss

Wo unterschreibt Martin Plüss? Das war nicht die einzige Frage, die mich auf unserer Ferienreise durch Frankreich, Spanien und Portugal umtrieb. Sondern auch: wann unterschreibt er? Ich hatte oft tagelang kein Internet.

Blog • • von Bruno Wüthrich

Die Berner Fans wissen, was Martin Plüss wert ist. Bild: ZVG

 

Es wäre einer der wichtigsten Transfers der SCL Tigers der letzten Jahre. Martin Plüss nach Langnau. Das wäre was. Doch noch immer ist nicht klar, wohin es den Ex SCB-Star und Leader diverser Berner Meistermannschaften zieht. Dabei hoffte ich doch, den Transfer noch vor Beginn meiner Ferienreise kommentieren, und wenn es ganz gut läuft, gar als einer der ersten publizieren zu dürfen, was für eine Einzelperson halt schon ziemlich schwierig und fast nur dank eines Tipps von aussen zu bewerkstelligen ist. Doch daraus wurde vorerst nichts.

 

Mehr noch: Nach der gestrigen Rückkehr ist noch immer nicht klar, wo der junge 40-Jährige seine Karriere fortsetzen wird. Der Entscheid scheint noch nicht definitiv gefallen. Die Tiger können noch hoffen.

 

Die Ferienreise führte meine Partnerin (und FANTIGER-Fortografin) Sue Bärtschi und mich per VW Bus T3 Caravelle durch Frankreich, Spanien und Portugal. Und zwar wenn immer möglich fernab von den grossen Städten. Wir suchen unsere Ziele fast ausschliesslich nach dem Zufallsprinzip, geben sie im Navi ein, auf welchem Autobahnen und Mautstrassen vermieden werden, aber der jeweils kürzeste Weg auf Hauptstrassen, Nebenstrassen und Feldwegen gesucht und gefunden werden soll. Dies kann zumindest in Südeuropa zu tollen, aber manchmal auch zu bedenklichen Abenteuern führen. Dies ist ein Geheimtipp, den möglichst nicht viele befolgen sollten, denn sonst ist es auf diesen Wegen plötzlich ebenso touristisch wie an den schnöden Sandstränden in den elenden Touristenghettos (wobei wir auf unserer Reise an einem wunderschönen Atlantik-Sandstrand einen spektakulär schönen Sonnenuntergang völlig allein geniessen durften. Weit und breit war niemand zu sehen, was allerdings nicht ganz unverständlich war, denn an diesem Abend blies ein bissiger und sehr kühler Wind. Wir fotografierten sozusagen bibbernd). Am besten vergesst ihr jedoch den letzten Abschnitt gleich wieder. So zu reisen ist wirklich nicht für jede/n. Und für etwas sind ja auch die Badestrände gut.

 

 

Da hat sich das Frieren am Atlantik gelohnt.

 

Aber eben: Zurück zu Martin Plüss. Vierundzwanzig Tage waren Sue und ich unterwegs. Die meisten davon waren geprägt von der Sorge, die SCL Tigers (oder ein Journi, dessen Name mir gerade entfallen ist) könnte den Plüss-Transfer vermelden, und der FANTIGER ist irgendwo in der Pampa ohne Netz und weiss deshalb von nichts. Einer der wichtigsten Transfers ever hätte dann sozusagen ohne FANTIGER stattgefunden – ein schier unglaubliches Szenario. So gesehen ist es ein Segen (zumindest für dieses Portal) das Martin Plüss mit seinem Entscheid zugewartet hat. Vielen Dank Martin schon mal dafür. Wenn du jetzt noch nach Langnau wechselst, sei dir jeder Fehlpass verziehen. Versprochen! Obwohl: Fehlpässe sind ja sowieso nicht so dein Ding.

 

Er würde die SCL Tigers weiter bringen: Martin Plüss. Bild: scb.ch

 

Nicht so recht gefallen will mir die bisherige Kommunikation der SCL Tigers. Man habe dem Martin Plüss gesagt, die Kaderplanung in Langnau sei zwar abgeschlossen, aber für ihn hätte es einen Platz frei. Und man warte jetzt auf seinen Entscheid. Da bleibt zu hoffen, dass dies wirklich nur die Kommunikation für die Presse und die Fans war. Denn andernfalls wäre dies fatal. Einer wie Plüss kommt nicht deswegen, weil für ihn ein Platz frei ist. Sondern weil er eine dominante Rolle spielen kann und soll. Wer den SCB zum Meistertitel führen kann, der will und wird auch in Langnau ein Leader sein. Martin Plüss' Leadership und seine Skills würden die SCL Tigers weiter bringen, ihnen helfen, den Anschluss ans Mittelfeld zu finden und sich für die Playoffs zu qualifizieren. Die SCL Tigers mit Martin Plüss wären nicht zu vergleichen mit den SCL Tigers ohne ihn. Plüss muss spüren, dass den Verantwortlichen in Langnau dieser Umstand klar ist. Er muss spüren, dass man ihn braucht und will, um den Weg nach vorne konsequent fortzusetzen und zu beschleunigen. Martin Plüss muss ebenfalls spüren, dass man sich im Emmental darüber im Klaren ist, dass einer wie er dem Team und der Organisation zu noch mehr Ausstrahlung verhelfen wird. Ich habe absichtlich die Wörter «noch» und «mehr» gebraucht, weil mit Sicherheit auch Martin Plüss weiss, dass die Tiger für einen Klub aus der hinteren Tabellenregion über enorm viel Ausstrahlung verfügen. Und doch ist diese so wichtige Ausstrahlung noch steigerungsfähig. Plüss könnte auch da helfen.

 

Dass im Navi Feldwege eingeschlossen sind, heisst nicht zwingend, dass der Weg dann auch über Feldwege führt. Wir sind – trotz eingeschlossener Feldwege – auch schon ohne diese gereist. Einfach, weil der kürzeste Weg zum Ziel damals nicht über einen solchen führte. Doch bei dieser Reise waren es viele. Und es hatte einen besonders Happigen dabei. Wir waren zuweilen etwas gar «Offroad» unterwegs. In den Pyrenäen wurden wir von unserem elektronischen Reiseleiter gar über eine knapp dreissig Kilometer lange, ausgewaschene, extrem holprige, mit tiefen Schlaglöchern übersähte und sehr schmale «ungeteerte Strasse» mit teilweise sehr engen Kurven geführt. Mehrere Male mussten wir aussteigen, um Steine aus dem Weg zu räumen oder die Durchfahrt etwas genauer zu rekognoszieren. Wenden war auf der ganzen Strecke schlicht unmöglich. Wenn – was auf früheren Reisen auch schon der Fall war – der Weg plötzlich zu Ende gewesen wäre, ein Baum oder ein Erdrutsch den Durchgang blockiert hätte, wäre uns nichts anderes übrig geblieben, als den ganzen Weg, das ganze steile Auf und Ab, im Rückwärtsgang zurück zu fahren. Nicht auszudenken, was eine Panne ausgelöst hätte. Kein Netz. Stundenlange Wanderung bis zur nächsten Behausung oder einem Ort, wo es Netz gehabt hätte. Ganz zu schweigen davon, wie der Bus hätte geborgen werden sollen. Welcher Abschleppdienst fährt an einen solchen Ort? Da kommt man schon ins Studieren. In diesem Zusammenhang kommt mir in den Sinn, dass je holpriger der Weg zum Ziel erscheint oder ist, desto mehr Mühe muss man sich geben. Zumal das Ziel absolut lohnend ist.

 

So und noch viel schlimmer sah unser Weg in den Pyrenäen aus. Auf ca. dreissig Kilometern ging es im Schnitt ungefähr im Schritttempo. Teilweise schlug unser hochbeiniger Bus sogar mit dem Unterboden auf, was jeweils ein hässliches Geräusch verursachte. Der Bus blieb jedoch glücklicherweise heil.

 

Auch im Fall von Martin Plüss ist das Ziel lohnend. Es mag sehr sympatisch wirken, dass man ihn jetzt in seinen Ferien und seinen Gedanken über die Fortsetzung seiner Karriere nicht behelligen will. Doch letztendlich wird nicht diese Sympathie entscheiden, sondern das Gesamtpaket. Und dieses muss man verkaufen. Lieber Martin Plüss. Wir Emmentaler sind sympathische «Cheibe». Wir stören wirklich nur ungerne. Aber sei dir gewiss: Wir haben nicht nur ein Plätzchen für dich frei. Nein! Es ist ganz anders: Die Karten um dich herum werden neu gemischt werden, wenn du kommst. Denn wir wissen um deinen Wert. Wir wissen, dass dein biologisches Alter höchstens dreissig ist. Wir wissen, was du bei uns bewirken könntest. Es wäre bei uns gewiss kein «Ausklingen lassen» deiner grossartigen Karriere. Vielmehr wäre es eine riesige, aber für dich zu bewältigende Aufgabe, einen Klub, eine Oganisation, die es verdient hätte, weiter zu bringen. Das Umfeld in Langnau ist einzigartig, die Infrastruktur grossartig und die Fans sind wie überall die absolut besten, die es gibt. Weisst du übrigens, dass nicht der HCD oder der SCB, und auch nicht die ZSC Lions den grössten Fanclub im Schweizerischen Eishockey stellen, sondern die SCL Tigers. Wenn das kein Argument ist.

 

Wir sind zurückgekehrt von unserer abenteurelichen Reise durch Frankreich, Spanien und Portugal. Wir mussten nicht durch das jetzt in Portugal ausgebrochene Feuer gehen, in welchem Menschen starben und noch sterben könnten. Aber wir fuhren vor etwas mehr als einer Woche durch genau dieses Gebiet. Manchmal braucht man im Leben etwas Glück, dass man eben nicht dann, wenn es brenzlig ist, an einem Ort ist, sondern vor oder nachher. Dies ist nicht planbar. Wir hatten dieses Glück und sind froh darüber. Jetzt sind wir zurück und ich kann mich wieder um den FANTIGER kümmern. Und hoffentlich bald den Transfer von Martin Plüss zu den SCL Tigers verkünden und kommentieren.

 

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