Olympische Spiele: Sotschi mit allen NHL-Spielern?

Der Schweizer Präsident des Internationalen Eishockey-Verbandes trifft sich mit der NHL. In Nordamerika rechnen alle mit einer Einigung noch im Februar.

Presse • • von Neue Zürcher Zeitung, Daniel Germann

Seit dem Wochenende steht fest, wie das Teilnehmerfeld für das olympische Eishockeyturnier in einem Jahr in Sotschi aussehen wird: Lettland, Österreich und Slowenien sicherten sich an den Qualifikationsturnieren die letzten Plätze im Zwölferfeld. Das Team des Deutschen Eishockey-Bundes, das sich bisher immer für Olympia qualifizierte, wenn es sich um einen Platz beworben hatte, scheiterte vor eigenem Publikum. Das zeigt, wie schmal der Grad zwischen Erfolg und Misserfolg im internationalen Eishockey ist. Die Schweizer behaupteten an der WM im vergangenen Frühjahr ihren Platz an Olympia gegenüber den Deutschen nur dank der besseren Tordifferenz.

 

Ab sofort geht der Blick vorwärts. Klar ist mittlerweile, wer in Sotschi dabei sein wird; offen hingegen bleibt, wie die Teams besetzt sein werden. Noch steht die Zusage der NHL aus, die Meisterschaft wie für die letzten vier Olympischen Spiele seit 1998 zu unterbrechen. Das entsprechende Dossier wurde aus den Verhandlungen um einen neuen Gesamtarbeitsvertrag zwischen der Liga und der Spielergewerkschaft (NHLPA) ausgeklammert.

 

In Nordamerika allerdings gehen die meisten Beobachter davon aus, dass die NHL einlenken und Hand zu einer erneuten Unterbrechung bieten wird. Der Druck kommt nicht allein von den Spielern, die sich grösstenteils für die Olympiateilnahme ausgesprochen haben, sondern auch vom Fernsehpartner der Liga: NBC zahlt für die Übertragungsrechte der NHL in den kommenden zehn Jahren zwei Milliarden Dollar. Das amerikanische Network ist gleichzeitig auch der Olympia-Kanal in den USA und hat für die Übertragungsrechte in Sotschi 775 Millionen Dollar bezahlt. NBC will ein olympisches Eishockey-Turnier mit den NHL-Spielern.

 

René Fasel fliegt deshalb als Präsident des Internationalen Eishockey-Verbandes (IIHF) und Mitglied des IOK nächste Woche mit guten Karten zu den Verhandlungen mit der NHL und der NHLPA nach New York. Der Freiburger gibt sich zwar unverbindlich: «Es ist alles offen.» Und doch weiss auch er, wie gross der Druck auf die NHL ist. Deren Commissioner Gary Bettman wird die nach den Spielen in Vancouver geäusserte Forderung, er wolle finanziell an den olympischen TV- und Marketing-Einnahmen beteiligt werden, nicht aufrechterhalten können. Fasel schliesst kategorisch aus, die NHL für den Meisterschaftsunterbruch zu entschädigen. Er sagt: «Darüber diskutiere ich gar nicht.» Hingegen stellt er in Aussicht, wie an den vergangenen Spielen die Kosten für die Versicherung und die Reisen der Spieler zu übernehmen. Für Vancouver hatte dies das IOK und die IIHF elf Millionen Dollar gekostet.

 

In den anstehenden Verhandlungen geht es eher um Detailfragen wie etwa um den Zugang von Funktionären zu den Partien oder die exakte Dauer des Unterbruchs. Die Eröffnungsfeier findet am 7. Februar statt, das Eishockeyturnier der Männer aber beginnt erst am 12. Die NHL wird wahrscheinlich am Wochenende des 8. und 9. Februar noch spielen, ehe sie die Meisterschaft bis zum 25. Februar unterbrechen wird. Die NHLPA wird im Gegenzug wahrscheinlich versuchen, den World Cup of Hockey, mit dem sie ihren Pensions-Fond speist und der zuletzt 2004 stattgefunden hat, ab 2016 wieder im Kalender zu installieren. Das dürfte ein Pfand sein, zu dem die IIHF Hand bietet. Möglicherweise wird es noch im Februar zum olympischen Frieden kommen.

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