Watson, Klaus Zaugg

Rapperswil runter, Langnau rauf

Es ist Zeit, dass in diesem Frühling ein unerträglicher Zustand endlich korrigiert wird.

Presse •

Das hat es so in einer wichtigen Liga noch nicht gegeben. Die SCL Tigers führen mit 20 Punkten Vorsprung die NLB an. Siege und Niederlagen spielen bis zum Qualifikationsende praktisch keine Rolle mehr. 

 

Die Tigers surfen ausser Konkurrenz den Playoffs entgegen. Die seltenen Pleiten wie das 2:10 in Langenthal werden als Kuriosum zur Kenntnis genommen und wie ein eigenartiges vorsintflutliches Insekt untersucht. Eine hockeylogische Erklärung gibt es nicht.    

 

Die Lakers wissen seit dem ersten Spieltag, dass sie auf dem letzten Platz enden werden und den Playouts nicht entkommen können. Siege und Niederlagen spielen während der ganzen Qualifikation keine Rolle. Die Lakers surfen ausser Konkurrenz den Playouts entgegen.

 

 

Die seltenen Siege wie etwa jener vom 9. Januar gegen Tabellenführer Davos (4:3 n. V.) werden wie ein Kuriosum zur Kenntnis genommen und wie ein eigenartiges vorsintflutliches Insekt untersucht. Eine hockeylogische Erklärung gibt es nicht. 

 

Parallelen und Unterschiede 

Die SCL Tigers und die Lakers sind so gegensätzlich und doch so unheimlich ähnlich. Sie belegen in der nationalen Hierarchie die Plätze 12 und 13. Die SCL Tigers haben bisher 28 von 37 NLB-Partien gewonnen. Die Lakers sind in 37 NLA-Spielen 28-mal als Verlierer vom Eis geschlichen.

 

Beide Teams werden von antiautoritären taktischen schwedischen Bandenerziehern geführt, die nichts von schwarzer Pädagogik von Katharina Rutschky halten und als Spielerversteher lieber nach den Prinzipien von Heinrich Pestalozzi lehren (Anders Eldebrink und Bengt-Ake Gustafsson). Schwedisches Systemhockey führt zu Konstanz im Guten wie im Schlechten. Die Langnauer haben so oft gesiegt, dass sie jetzt nicht mehr wissen, warum. 

 

Die Lakers haben so oft verloren, dass sie inzwischen nicht mehr wissen, warum.

 

Diese seltsame Konstanz ist im Mannschaftssport ungewöhnlich. Sie kann die Trainer vor schier unlösbare Probleme stellen. Die «unerträgliche Leichtigkeit des Seins» macht es schwer den «Wettkampfinstinkt» im Hinblick auf die Playoffs zu schärfen. Anders herum: Wenn Niederlagen monatelang keine Krise und keine Polemik auslösen, geht der Instinkt für Sieg und Niederlage auch verloren.

 

Die Tiger haben schon monatelang den Pulverdampf vom Kampf um jeden Quadratzentimeter Eis nicht mehr in die Nase bekommen. Höchstens beim legendären Cup-Match gegen den SC Bern (1:4). Föhnfrisierte offensive Taubentänzigkeit genügt. Struppig-grimmige defensive Bissigkeit, wie sie in den Playoffs gefragt sein wird, kann in der Praxis nicht mehr wirklichkeitsnah geübt werden. 

 

 

Und niemand vermag zu sagen, ob die Torhüter wirklich etwas taugen und ob der kanadische Topskorer Chris DiDomenico am Ende nicht doch nur ein egoistischer und leicht zu provozierender Operetten-Gretzky ist.    

 

 

 

Bei den Lakers ist die Gefahr erheblich, dass sich alle ans Verlieren gewöhnen und nicht mehr davon lassen können. Lieber harmonisch untergehen als zerstritten siegen. Die Mannschaft besteht aus vier vierten Linien und vier erstklassigen Ausländern. Aber in einer Ligaqualifikation könnten nur zwei Ausländer eingesetzt werden. 

 

Bei Aufeinandertreffen ein offenes Duell

Logisch und gerecht wäre es nun, wenn am Ende von der Saison die SCL Tigers die NLB gewinnen und die Lakers die Playouts verlieren und die beiden Teams schliesslich in der Ligaqualifikation um den letzten Platz in der NLA spielen würden. 

Aber eben: Wir können es nicht oft genug wiederholen: Eishockey ist ein unberechenbares Spiel, das auf einer rutschigen Unterlage ausgetragen wird. Auf Glatteis gibt es keine Logik. 

 

Bisher haben sich die Lakers in den Playouts gegen höher eingestufte immer gerettet und sind noch nie abgestiegen. Die Ligaqualifikation ist ihnen stets erspart geblieben. Ja, die SCL Tigers haben den Abstieg im Frühjahr 2013 ausgerechnet durch eine Playout-Niederlage gegen die …Lakers eingeleitet.

 

Dass die SCL Tigers die NLB-Playoffs gewinnen werden, ist noch keineswegs sicher. Vielleicht wäre es ja gut, wenn das 2:10 von Langenthal zu einer schweren Krise und inneren Unruhen und trotz Platz 1 zu einer Trainerentlassung und einer heftigen emotionalen Entladung in den Playoffs führen würde. Doch damit ist nicht zu rechnen. 

 

Aber vielleicht bescheren uns die Hockeygötter ja doch eine Ligaqualifikation mit den SCL Tigers und den Lakers. Nichts wäre reizvoller und gerechter als eine Direktbegegnung von diesen beiden Teams, die äusserlich so verschieden und doch innerlich auf eine unheimliche Weise gleich sind. 

 

Eigentlich ist die Situation absurd. Durchschnittlich wollen noch 4348 Fans die Lakers sehen. Obwohl die Gegner HC Davos oder ZSC Lions oder Ambrì oder EV Zug oder SC Bern heissen. Im Grossraum Emmental-Oberaargau-Entlebuch lassen durchschnittlich 5063 Menschen jede Woche mehrmals alles stehen und liegen und eilen herbei um die SCL Tigers zu sehen. Obwohl die Gegner GCK Lions oder Ajoie oder Red Ice Martigny oder Hockey Thurgau heissen.

 

 

Die Lakers sind für die NLA zu schwach und die Langnauer für die NLB zu stark. Es ist Zeit, dass dieser unerträgliche Zustand im Frühjahr 2015 endlich korrigiert wird.

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