Ein Gleichnis

Reto von Arx wie Jeremias Gotthelf?

Langnaus Sportchef Jörg Reber arbeitet an seinem bisher spektakulärsten Transfergeschäft. An der Verpflichtung von Reto und Jan von Arx.

News • • von Klaus Zaugg

 

 

In ihrer ganzen Geschichte (seit 1946) haben die Langnauer nie einen Schweizer Spieler mit der Erfahrung, dem Leistungsausweis und dem Charisma von Reto von Arx geholt. Wobei es sich in diesem Falle um eine Rückkehr handelt. Reto und Jan von Arx haben Langnau im Sommer 1995 verlassen und in Davos die Hockeywelt zu erobern.

 

Nach wie vor ist offen, ob es bei Verhandlungen bleibt oder ob der Transfer tatsächlich gelingt. Ob nun Reto von Arx kommt oder nicht – es ist eine Gelegenheit, über Sinn und Unsinn eines so grossen Transfers zu debattieren. Am besten zeigen wir mit einem Gleichnis, was ein Spieler wie Reto von Arx auslösen kann. Mischen wir ein wenig die Zeiten und die Welten und stellten die Frage: Was wäre, wenn die Sekundarschule Langnau Jeremias Gotthelf als Deutschlehrer verpflichten könnte? Das Schulhaus ist frisch renoviert, mit den Lehrern sind sind alle zufrieden und das Tagesgeschäft läuft – so ist es ja nach dem Neubau des Hockeytempels und dem Aufstieg der SCL Tigers.

 

Nun gibt es also die Möglichkeit, Jeremias Gotthelf, der als Bildungsdirektor des Kantons Graubünden meisterhafte Arbeit leistet, ins Emmental zurückzuholen und als Deutschlehrer zu verpflichten. Die Bedenken wären gross. Ganz ähnlich wie jetzt beim «Deal» mit Reto von Arx. Was das wieder kostet! Den berühmten Gotthelf müsste man sicherlich über die kantonale Lehrerbesoldungsordnung hinaus noch extra entschädigen! Was sagen dann die anderen Lehrer? Die fühlen sich womöglich durch diesen weltberühmten Kollegen zurückversetzt! Wie ist es dann mit dem Frieden im Lehrerzimmer? Wir haben doch schon gute Lehrer und einer aus der Lehrerschaft, der Aebi Res hat ja ebenfalls ein Buch geschrieben. Sein Werk «Hände hoch! - Spurensuche in der Schule» gehört zwar nicht gerade zur Weltliteratur. Aber ein Buch ist ein Buch. Da brauchen wir doch nicht noch den Gotthelf!

 

Das ist alles richtig. Tatsächlich würde Reto von Arx die aktuelle Lohnhierarchie schon ein wenig sprengen. Aber stellen wir uns einmal vor, um bei unserem Gleichnis zu bleiben, was einer wie Jeremias Gotthelf als Deutschlehrer an der Sekundarschule Langnau auslösen würde. Der Unterricht wäre schlagartig aufgewertet und besser. Die Schüler würden dem Dicherfürsten an den Lippen hängen und bald lieber mit ihm Aufsätze schreiben als Gamen. Und erst der Ruf der Sekundarschule als pädagogische Einrichtung! Nebenbei könnte der Gotthelf etwas für die Schulkasse tun und ab und zu in der Kirche predigen. Die Kirchgemeinde wäre froh, wenn sich das Gotteshaus so wieder füllen würde dafür noch so gerne etwas in die Sekundarschulkasse bezahlen.

 

Was Jeremias Gotthelf bei der Sekundarschule Langnau, das würde Reto von Arx bei den SCL Tigers auslösen. Es ginge ein Ruck durch alle Abteilungen. Nicht nur die jungen Spieler könnten von diesem berühmten Spieler viel lernen. Darüber hinaus könnte der Trainer viel von der Erfahrung und den Führungsqualitäten dieses Spielers profitieren. Auch neben dem Eis könnte der Rückkehrer helfen, die SCL Tigers noch besser zu vermarkten. Die übrigen Spieler würden vielleicht ein wenig murren, dann aber bald einsehen, dass der neue Leitwolf auch ihnen hilft. Natürlich kostet Reto von Arx ein wenig mehr als die gewöhnlichen Spieler. Aber das lässt sich wieder hereinholen. Ich mache mal eine Milchbüchlein-Rechnung: Kommt Reto von Arx, dann können zusätzliche 200 Saisonkarten verkauft werden. 200mal tusigsächshundert Schtutz ergibt schon mehr als eine Viertelmillion.

 

Aber eben: Noch wissen wir ja nicht, ob der Transfer gelingt. Aber das Gotthelf-Gleichnis zeigt, dass eine Verpflichtung von Reto von Arx Sinn machen würde.

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