Ultimatum: Nur noch ein Wunder kann Tomas Tamfals Job in Langnau retten

Schade, dass es so gekommen ist

Gemäss der Aargauer Zeitung hat Tomas Tamfal noch zwei Spiele Zeit, das Ruder herum zu reissen. Nicht nur die Resultate stimmen nicht. Auch die Art und Weise, wie das Team spielt, passt nicht nach Langnau. Ohne Speed, nahezu ohne Körpereinsatz, mit groben Mängeln im defensiven Verhalten, und zuletzt halt völlig verunsichert – das waren die meisten der bisherigen Auftritte der SCL Tigers in der NLB.

Blog • • von Bruno

Als wohl grösster Fehler erweist sich der Verzicht auf einen Assistenten, bzw. die viel zu lange anhaltende «Weigerung» von Heacoach Tomas Tamfal, einen zu benennen. Dies ist vor allem auch deshalb von Belang, weil in Langnau auch der Sportchef fehlt. Der Sportchef und vor allem der Assistent sind in der Regel wichtige Ansprechpersonen für die Spieler. Der Coach entscheidet, der Assistent analysiert, assistiert, ist in der Regel näher an den Spielern dran, vermittelt zwischen Coach und Team. Ob ein zusätzlicher Ansprechpartner hätte verhindern können, dass sich die Mannschaft oder zumindest einige Spieler nach den beiden Startsiegen masslos selbst überschätzten, ist unsicher. Aber als es danach abwärts ging, wäre ein Trostspender und Aufrichter von Nöten gewesen. Eine Person allein kann sich nicht um alles kümmern. Auch tomas Tamfal kann das nicht. Zumindest nicht in der geforderten Qualität. Auch der 50 Prozent – Job von Urs Bärtschi als neuer Assistent wird wohl nicht mehr viel bewirken. Begleitet Bärtschi das Team an den Spieltagen, so ist sein Pensum bereits weitgehend aufgebraucht. Ein Rätsel, wie er mit einer Halbtagsstelle zusätzlich noch analysieren, assistieren und für die Spieler Ansprechpartner sein soll.

 

Tomas Tamfal ist geprägt von seinen Erfahrungen in Kloten. Dort gaben ihm die Medien von Anfang an kaum Kredit. Dies hing allerdings weniger an seiner Person als am Umstand, dass er ausgerechnet Felix Hollenstein, das überaus beliebte Urgestein der Flyers beerbte. Dieser Umstand «vernebelte» einigen (Fan-)Sportjournalisten etwas die Sichtweise, mit der Folge, dass sie Tamfal wenig bis gar keine Zeit gewährten, und seine Handlungsweise von Anfang an weitaus kritischer beurteilten, als dies normalerweise der Fall war. Tamfal hat in Kloten auch keine guten Erfahrungen mit seinem Assistenten gemacht. Dies erklärt, weshalb ein Assistent vom Kaliber eines Alfred Bohren nicht in Frage kam. Dabei interpretiert Bohren – vom Typ her zwar ein Headcoach – auch die Rolle des Assistenten erfolgreich. Dies tat er auch schon in Langnau. Und zwar unter Bengt Ake Gustafsson und später unter Vassili Tichonov, den er im November 2001 als Headcoach beerbte.

 

Doch es liegt nicht nur am Coach. Schmerzlich die Erfahrung, dass den SCL Tigers vor allem in der Verteidigung Spielertypen für den ersten und zweiten Block fehlen. Aus der letztjährigen Mannschaft sind Marc Popovic, Jörg Reber, Simon Lüthi, Christian Moser, Valentin Lüthi und auch Bryce Lampman nicht mehr dabei. In die Bresche sprangen Spieler, die zuvor im dritten und vierten Block gespielt haben, die es aber bisher nicht schafften, ihre Rolle in ausreichender Qualität zu interpretieren. Die individuellen Fehler und Fehlentscheide haben sowohl mit dem vorhandenen Talent, wie auch zuerst mit der Selbstüberschätzung und danach mit der Verunsicherung zu tun. Es ist hart, zu erkennen, wie die Realität ist, und sich nach hoch fliegenden Träumen wieder danach ausrichten zu müssen. Abstürze nach Phasen der Selbstüberschätzung sind oft nicht von heute auf morgen zu verarbeiten.

 

Auch die Spielweise der Langnauer gibt zu reden. Wären die SCL Tigers ein Lauf- und Spektakelteam, würden wohl der fehlende Körpereinsatz (nicht aber der ungenügende Kampfgeist) sogar verziehen. Die Tiger hoben sich jedoch in den Spielen gegen die beiden Tabellenletzten EHC Visp und EHC Basel in läuferischer Hinsicht in keiner Weise von ihren Gegnern ab, und gegen den damaligen Leader GCK Lions waren sie in dieser Hinsicht sogar benachteiligt. Dies erstaunt vor allem deshalb, weil die «Klotener Schule» auf das läuferische Element sehr grossen Wert legt und aus der Nachwuchsabteilung der Zürcher Unterländer immer wieder läuferisch hervorragend ausgebildete junge Spieler in die NL wechseln. Tomas Tamfal kommt aus eben dieser Schule, hat sie auch mit geprägt. Insofern ist der Schreibende enttäuscht, was die Emmentaler in dieser Hinsicht abliefern. Dass es anders möglich wäre, bewies seinerzeit Christian Weber. «Chrigu» brachte zwar nie in die NLA-Playoffs nach Langnau, aber er lehrte die zuvor behäbig spielenden Tiger das Laufen. Unter Christian Weber waren die SCL Tigers ein Spektakelteam, Tore am Laufmeter schoss (und leider auch erhielt), das sein Publikum bestens unterhielt. Und bezüglich Körpereinsatz: Dieser gehört einfach nach Langnau. Es kann doch nicht sein, dass dem Publikum ein derartig körperloses «Pussyhockey» angetan wird. Es darf auch rumpeln in Langnau.

 

Weshalb es der Coach und die Sportkommission zugelassen haben, dass der Fitnessstand des Tschechen Josef Straka derart unterirdisch ist, entzieht sich dem Vorstellungsvermögen des Schreibenden. Straka wurde als Leaderfigur, Vorbild, Reisser, Assistgeber und Vollstrecker geholt. Er wird seiner Rolle überhaupt nicht gerecht. Dass mit Juraj Kolnik der wichtigste Leistungsträger langzeitverletzt ausfällt, kann mit einigem Goodwill (Kolnik galt und gilt als verletzungsanfällig und fiel auch in der letzten Saison lange Zeit aus) als Pech bezeichnet werden. Aber die Verfassung von Josef Straka ist nicht Pech. Hier handelt es sich um mangelhafte Einstellung. Und darüber hätten weder der Coach noch die Sportkommission derart lange hinweg sehen dürfen.

 

Die Entscheidungsträger der SCL Tigers sind (wie wohl wir alle) in einem weiteren Lernprozess. Nachdem wir die Verhältnisse, die Gegebenheiten und die Prozesse in der NLA auf schmerzliche Art und Weise erfahren mussten, folgt nun der Lernprozess in der NLB. Auch dieser Prozess ist schmerzhaft. Schade, dass es so gekommen ist, denn ganz offensichtlich wurde durch den Abstieg der Ehrgeiz bei den Verantwortungsträgern so richtig geweckt. Die Zielformulierung, möglichst rasch wieder in die NLA aufzusteigen, steht. Fehler sind erlaubt und unvermeidbar. Die Frage ist, wie darauf reagiert wird. Anders als in der letzten Saison werden die Verantwortlichen diesmal viel früher aktiv. Die Spielzeit ist noch jung. Korrekturen können noch angebracht und das Schiff auf den richtigen Kurs gelenkt werden. Zwar ist es schade um die schöne Euphorie. Es werden wohl über ein paar Heimspiele hinweg weniger Würste und Bier konsumiert. Aber die Euphorie wird mit den Siegen wieder kommen. Persönlich würde ich es Tomas Tamfal wünschen, wenn er die Kurve noch erwischen würde. Doch dafür braucht es ein Wunder. Denn die nächsten beiden Gegner sind der EHC Olten und der HC Red Ice Martigny. Die Oltener, Tabellennachbar der Emmentaler, haben bisher die Erwartungen ebenfalls nicht erfüllt und sind ihrem Publikum etwas schuldig. Die Unterwalliser sind stark in die Saison gestartet. Grosse Herausforderungen also für Tomas Tamfal. Der Nachfolger steht bereit.

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