Berner Zeitung, Philipp Rindlisbacher

Schrecken mit Ende – «Mister Langnau» verlässt die Tigers

Geschäftsführer Wolfgang Schickli verlässt die SCL Tigers mehr oder weniger freiwillig. Der charismatische Zürcher genoss im Verein zuletzt nicht mehr uneingeschränkt Rückendeckung. Ein Nachfolger steht bereit.

Presse •

 

Das Kommen und Gehen in Langnau nimmt kein Ende. Vier Trainer respektive Assistenzcoachs wurden bei den SCL Tigers in den vergangenen anderthalb Jahren freigestellt, ein Sportchef musste gehen, ein Geschäftsführer wurde entlassen. Gestern gab der NLB-Verein den nächsten Abgang bekannt: Wolfgang Schickli hat auf Ende April seine Kündigung eingereicht.

 

Der Zürcher, welcher vor Jahresfrist mit der Arbeit als Geschäftsführer begonnen hatte, lässt via Medienmitteilung verlauten, dass er das Geschehene bedauere. Unterschiedliche strategische Auffassungen respektive Unstimmigkeiten in der Unternehmungsführung seien für die Trennung ausschlaggebend gewesen. Dies ist jedoch nur die halbe Wahrheit.

 

Die Differenzen mit Jakob

Schicklis Demission überrascht nur bedingt. Mit Verwaltungsratspräsident Peter Jakob hatte er kein gutes Verhältnis; nach Schicklis Aussagen in einem Interview mit dieser Zeitung im Januar wurden die Differenzen unüberbrückbar. Der 50-Jährige meinte damals, man habe in der Planungsphase der sanierten Ilfishalle zu euphorisch kalkuliert, zudem sei er vom Verwaltungsrat gebeten worden, in seiner Arbeitsweise «Tempo rauszunehmen».

 

Jakob verneint nicht, dass es «gewisse Differenzen» gab. «Persönliches hat aber nicht erste Priorität, für mich zählt vor allem das wirtschaftliche Überleben des Klubs.» Jakob will keine dreckige Wäsche waschen, lobt gar Schicklis «kreative Ideen». Ob Schickli seiner Entlassung zuvorkam? «Nein», sagt Jakob, der auf das entsprechende Gerücht nicht weiter eingehen mag. «Wir wollen jetzt vorwärtsschauen.» Es ist quasi ein Ende mit Schrecken, statt (für beide Seiten) ein Schrecken ohne Ende.

 

Wolfgang Schickli seinerseits will sich vorerst nicht äussern. Er liess ausrichten, dass er dem Klub alles Gute wünsche. Der Zürcher versuchte, Veränderungen einzuleiten, die Unternehmung zu professionalisieren. Einige Mitarbeiter hatten zunächst Mühe mit seiner forschen Art bekundet – «es herrscht nicht immer Friede-Freude-Eierkuchen-Stimmung», konstatierte er im Januar. Doch es entspricht nicht dem Naturell Schicklis, es allen recht machen zu wollen.

 

Er gab zu, dass er zu schnell zu viel wollte, zu Beginn die Emmentaler Mentalität nicht verstanden hatte. Er handelte richtig, als er bereits im Oktober den überforderten Coach Tomas Tamfal freistellte. Allerdings war er treibende Kraft bei der Verpflichtung des Tschechen gewesen, der zu seinem Freundeskreis zählt. Vom «Blick» war Schickli nicht zuletzt dafür wochenlang scharf und teils wenig objektiv kritisiert worden.

 

Die Spontanbewerbung

Vorerst dürfte Wolfgang Schickli, der mit SCB-CEO Marc Lüthi befreundet und mit einer Bernerin liiert ist, seine Ferien geniessen und etwas Abstand gewinnen. Die Stelle des Geschäftsführers wird bei den SCL Tigers freilich neu besetzt. Laut Peter Jakob wird im Verlauf  der nächsten 14 Tage der Nachfolger präsentiert, offenbar hat sich dieser vor einigen Wochen spontan beworben.

 

Kommentar: Es braucht einen Szenekenner

 

Es heisst, Wolfgang Schickli verlasse die SCL Tigers freiwillig. Wie auch immer es ist, eine Zukunft hätte der 50-Jährige in Langnau ohnehin nicht gehabt. Das Tischtuch zwischen ihm und Vereinspräsident Peter Jakob ist schon lange zerschnitten. Die Entscheidungsträger könnten unterschiedlicher kaum sein. Hier Jakob, der harmoniebedürftig und an und für sich viel zu lieb ist fürs Hockeybusiness; dort der forsche Schickli, der viel fordert, seine Meinung auch mal mit rauem Unterton äussert. Letzterer erlangte rasch viel Einfluss, stand oft und nicht ungern im Rampenlicht – was nicht allen passte. Kurz: Schickli und nicht Millionenspender und Klubretter Jakob wurde als «Mister Langnau» betrachtet.

 

Wolfgang Schickli ist ein gewiefter Kommunikator, der Menschen für sich zu gewinnen weiss. Er suchte die Nähe zu den Fans, kam bei vielen Anhängern gut an. Seine Tätigkeit zu beurteilen, ist für Aussenstehende
kaum möglich. Die einen sagen, auf der Geschäftsstelle werde effizienter gearbeitet, das Jahresergebnis sei zufriedenstellend. Andere meinen, es mangle an Kontakten zu potenziellen Geldgebern, zudem seien zu hoch dotierte Spielerverträge abgeschlossen worden. Die Aussagen passen zum Zürcher – er polarisierte.

 

Der Abgang Wolfgang Schicklis verdeutlicht, dass es bei den SCL Tigers an Kontinuität fehlt. Der Klub sollte aus den Geschehnissen lernen, keinen Quereinsteiger, sondern einen Geschäftsführer mit Szenekenntnissen respektive Vergangenheit im Eishockeybusiness engagieren. Nach wie vor hat es nicht genug sportliche Kompetenz im Verein. Die vielen Personalwechsel sind Beleg hierfür.

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