SC Bern - SCL Tigers 4:1 (3:1, 1:0, 0:0)

SCL Tigers im Derby ohne Siegchance!

1:4 in Bern! Der SC Bern kaufte im zweiten Berner Derby der Saison den Langnauern bereits im Startdrittel den Schneid ab. Die in allen Belangen, aber insbesondere im läuferischen Bereich klar überlegenen Berner liessen ihrem Kantonsrivalen nicht den Hauch einer Chance.

Spielbericht • • von Bruno Wüthrich

Viel zu selten vermochten die SCL Tigers SCB-Hüter Leonardo Genoni zu beschäftigen. Bild: Susanne Bärtschi

Heinz Ehlers gilt als Taktik-Künstler. Gespannt durfte die Langnauer-Anhängerschaft deshalb auf das Berner Derby sein. Würde die Überlegenheit der Berner diesmal, dank Ehlers Taktik, nicht mehr ganz so krass ausfallen? Immerhin hatten die Tiger ihre letzten beiden Spiele gewonnen. Doch es kam anders. «Wir waren schlecht, Das hat man bei den Gegentoren klar gesehen. Und dies muss besser werden. Wir müssen aber auch die Leistung des Gegners respektieren. Der SCB war heute sehr gut», fasste Ehlers die Partie zusammen.

Lediglich 25 Sekunden dauerte es, bis der SC Bern gegen die SCL Tigers in Führung ging, und damit Ehlers Taktik frühzeitig bröckeln liess. Dabei kam Ramon Untersander, von Marc Reichert angespielt, völlig frei zum Abschluss, hatte genügend Zeit und liess sich die Chance mit einem platzierten Schuss nicht entgehen.

Gut vier Minuten später war der Fehlstart wieder ausgeglichen. Pascal Berger, letzte Saison noch im Dress der Berner, sah in der 5. Minute nur noch SCB-Hüter Genoni und einen ehemaligen Mitspieler vor sich. Genoni war durch seinen Mitspieler für einen Moment die Sicht versperrt, als Berger abdrückte und den Puck haargenau in die hohe Ecke spedierte. Alles schien wieder offen.

Doch die Berner schlugen im Startdrittel ein hohes Tempo an. Sie wussten ja aus der ersten Begegnung zum Saisonbeginn, dass dies bei den Langnauern Wirkung zeigen könnte. Denn damals führten die Berner ebenfalls schon nach der Startminute mit 1:0, und das erste Drittel ging mit 4:1 zu ihren Gunsten aus. Und das Tempo des SCB sollte die Tiger erneut überfordern. Ein schnell ausgeführter Konter führte lediglich gut eine Minute nach dem Ausgleich zur erneuten Berner Führung. Von Simon Bodenmann steil geschickt kamen Tristan Scherwey und Martin Plüss zu einer Zwei gegen Eins – Situation, welche die beiden (Torschütze Plüss) eiskalt ausnützten. Zu schnell ging es den Langnauern auch in der 9. Minute. Denn da fiel bereits das 3:1 für die Gastgeber, wobei diesmal beim Abschluss von Marc Arcobello auch Tigers-Hüter Damiano Ciaccio keine glückliche Figur machte. Aber was für ein Abend bisher füt Tristan Scherwey und noch viel mehr für Simon Bodenmann, der heute nach ausgestandener Verletzung sein erstes Saisonspiel absolvierte. Beide realisierten zwei Assists. «Meinen Spielern ging es heute zu schnell», gab Heinz Ehlers zu. Und auf die Frage, ober die Unterschiede beim Tempo mit Taktik wett gemacht werden können, antwortete er: «Das hoffe ich doch.»

Heute war jedoch bereits nach zehn Minuten klar, dass auch diesmal für die Langnauer in Bern nichts zu holen sein würde. Auch wenn es Ende des Drittels «nur» 3:1, und nicht 4:1, wie im ersten Derby stand. Die letzten Zweifel zerstreute der SCB zu Beginn des Mitteldrittels im Powerplay. Die Strafe holte sich der Finne Ville Koistinen noch Ende des Startdrittels. In der 22. Minute, die Strafe wäre einige Sekunden später abgelaufen gewesen, realisierte Martin Plüss mit seinem zweiten Treffer des Abends auf Zuspiel von Ryan Lasch mit dem 4:1 die Entscheidung. Es blieb das letzte Tor des Abends, auch wenn der SCB noch zu einigen, und auch die Tiger noch zu ein paar wenigen Torchancen kamen.

Diesmal griff also der «Beton» des neuen Tigers-Coachs nicht. Dies lag vor allem in den läuferischen Defiziten und, wie es den Anschein machte, auch an der physischen Präsenz der Emmentaler, die gegen die Klasse und den Speed der Berner besonders deutlich zu Tage treten. Doch gerade im physischen Bereich müssen die Langnauer morgen in der Ilfishalle gegen den gleichen Gegner anders auftreten. Denn die Langnauer stellen läuferisch das klar schwächste Team der Liga. Dort wird Sportchef Jörg Reber für die nächste Saison den Hebel ansetzen müssen. Weil Davos und Gottéron bezüglich Tempo zumindest in den Spielen gegen die Langnauer nicht an den SC Bern heran kamen, griff Heinz Ehlers Taktik, und die Langnauer fuhren zwei Siege ein. Vor allem im Startdrittel, als die Berner Vollgas gaben, waren die Tiger jedoch klar überfordert. Weil die Saison läuft, und weil wir nicht davon ausgehen, dass die Defizite im läuferischen Bereich beim Training, sondern viel mehr in den Anlagen der Spieler liegen, wird Ehlers dieses Manko in dieser Spielzeit kaum beheben können. Umso mehr werden seine taktischen Künste gefordert sein, auch wenn sie diesmal gegen den amtierenden Schweizermeister nichts genutzt haben.

Das Schlusswort überlassen wir wiederum Hein Ehlers: «Es ist gut, dass wir gleich wieder gegen den SCB antreten dürfen. Morgen müssen wir es besser machen.»

 

SC Bern - SCL Tigers 4:1 (3:1, 1:0, 0:0)

PF-Arena Bern, 16'790 Zuschauer. SR: Eichmann/Kurmann, Kaderli/Castelli. Tore: 1. (0,25) Untersander (Reichert, Blum) 1:0. 5. P. Berger (Moggi) 1:1. 6. Plüss (Scherwey, Bodenmann) 2:1. 9. Arcobello (Bodenmann, Scherwey) 3:1. 22. Plüss (Lasch, Untersander, Ausschluss Koistinen) 4:1. Strafen: 2-mal zwei Minuten gegen den SC Bern, 3-mal zwei Minuten + 1-mal 10 Minuten (Koistinen, Check gegen den Kopf) gegen die SCL Tigers.

SC Bern: Geneoni; Blum, Untersander; B. Gerber, Noreau; Krueger, Kamerzin; Jobin; Moser, Arcobello, Lasch; Scherwey, Plüss, Bodermann; M. Müller, Reichert, A. Berger; Ness, Macenauer, G-A. Randegger;

SCL Tigers: Ciaccio (32. Punnenovs); F. Randegger, Stettler; Koistinen, Seydoux; Y. Müller, Weisskopf; A. Gerber, Currit; R. Gerber, P. Berger, Moggi; Nüssli, Albrecht, DiDomenico; Elo, Schremp, Kuonen; Haas, Chiriaev, Lindemann.

Bemerkungen: SC Berno ohne Kreis, Hischier, Ebbett, Ruefenacht, Meyer (alle verletzt), Dubois (Visp). SCL Tigers ohne Shinnimin, Blaser, Murray (alle verletzt), Zryd, T. Gerber, Wyss (überzählig). 31.48 Torhüterwechsel SCL Tigers (Ivars Punnenovs für Damiano Ciaccio). 31.48: Tor SCB wegen hohem Stock aberkannt.

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