SCL-Tigers-Torhüter Thomas Bäumle und sein ganz besonderes «Extra»

Thomas Bäumle ist der neue Nummer-1-Torhüter der SCL Tigers. Er hat in den vergangenen Jahren mit Ambri mehrere ganz kritische Situationen gemeistert.

Presse • • von Wochen-Zeitung, Werner Haller

Thomas Bäumle ist nach Benjamin Conz und Robert Esche bereits der dritte Startinggoalie in der dritten Saison unter der Führung des Trainerduos John Fust/Alex Reinhard. Die SCL Tigers bieten dem 28-jährige Grenchner beste Voraussetzungen. Neben Reinhard wird Bäumle auch noch von Andy Jorns, seinem Lehrmeister und langjährigen Vertrauten, unterstützt. Der Torhüter der letzten Aroser Meistermannschaft von 1982 und Olympiateilnehmer von 1976 kennt Bäumle seit dessen Novizenzeiten beim SC Bern. Vor zwei Jahren hatte er nach 45 Jahren Eishockey genug. Doch jetzt gab er seinen Rücktritt vom Rücktritt: «Thomas hat ein schwieriges Jahr in Ambri hinter und in Langnau eine schwierige Meisterschaft vor sich», begründet Jorns sein Comeback. «Er hat sich auch sehr darum bemüht, dass ich ihm bei seinem neuen Anlauf zusammen mit Reinhard nochmals helfe. Einmal pro Woche werde ich ihn trainieren und ihn auch bei einem Spiel beobachten.» Bäumle spricht von einem ganz besonderen «Extra», wenn er über die Mitarbeit von Jorns spricht: «Keiner kennt mich so gut und so lange wie er. Ich schätze es ausserordentlich, dass er für mich nochmals ins Eishockey zurückgekehrt.»


Unterstützung wie bei Conz
Junior Benjamin Conz, Ausnahmetalent und Publikumsliebling, übertraf in der Saison 2010/11 sämtliche Erwartungen und führte die Langnauer mit fünf Shutouts und 14 «gestohlenen» Punkten erstmals ins Playoff. Robert Esche, mit nahezu 400 Spielen in der NHL, der russischen KHL und fürs Team USA ein «alter Hase», war letzte Saison, abgesehen von der Playoutserie gegen Ambri, mit nur einem Shutout, acht «gestohlenen» Punkten und zu grossen Leistungsschwankungen nicht der erhoffte Rückhalt. Ein Rückblick auf die beiden letzten Meisterschaften bestätigt im Grunde nur, was bekannt ist: Eine Mannschaft der unteren Tabellenhälfte, und zu diesen gehören die SCL Tigers nach wie vor, kommt ohne einen sehr starken oder sogar überdurchschnittlichen Torhüter nicht aus. Dieser wiederum ist auf ein diszipliniertes Defensivverhalten der Mannschaft angewiesen. Aber gerade das Verhindern von Gegentoren und die Unterstützung des Torhüters waren letzte Saison zu oft ungenügend – kein Vergleich zur Saison mit Conz im Tor. Bäumle ist ein Goalie, der seinem Team in vielen Spielen eine echte Chance für Punktgewinne gibt und für den Unterschied zwischen Sieg und Niederlage sorgen kann. Aber für «gestohlene» Punkte und Siege braucht er die Mannschaft genauso wie ihn die Mannschaft braucht.


Bäumle bringt aus seinen sieben Saisons mit Ambri einen grossen Vorteil mit ins Emmental: Keiner weiss aus eigener Erfahrung besser als er, was auf ihn zukommt. Er kennt praktisch nichts anderes, als für ein Team zu spielen, das um jeden einzelnen Punkt kämpfen muss. Mit den Leventinern qualifizierte er sich nur gerade in der ersten Saison für die Playoffs. Danach kämpfte er Jahr für Jahr um den Verbleib in der NLA.


Reinhard führt Jorns’ Arbeit weiter
Thomas Bäumle war entscheidend daran beteiligt, dass Ambri seit nunmehr 28 Saisons ohne Unterbruch der NLA angehört. In diese stiegen die «Biancoblu» 1985 auf, mit dem Langnauer Aufstiegstrainer Köbi Kölliker in der Verteidigung und mit Andy Jorns im Tor. Dieser ist der kompetenteste Torhütercoach der Schweiz. Von 1993 bis 2006 war er vom Eishockeyverband für die verschiedenen Junioren-Nationalmannschaften angestellt, die mit dem heute 61-jährigen Berner 1997 Bronze an der U18-EM, 1998 Bronze an der U20-WM und 2001 Silber an der U18-WM gewannen. Jorns formte Marco Bührer zum SCB-Meistergoalie und förderte Leonardo Genoni, David Aebischer, Tobias Stephan, Daniel Manzato, Thomas Bäumle und Matthias Schoder. Zu seinem Nachfolger als Coach der Torhütertalente wurde... Alex Reinhard bestimmt.

Bäumle und Jorns – auf ewig «Biancoblu»
Thomas Bäumle und Andy Jorns haben verblüffende Gemeinsamkeiten. Beide hüteten während sieben Saisons das Tor von Ambri. Und beide eroberten mit Siegen in Lugano auf ewig die Herzen der «Biancoblu»-Fans. Der 22. November 1986 ist der Tag, an welchem Ambri erstmals in seiner Klubgeschichte ein NLA-Derby in der Resega von Lugano gewinnt. Vor 8400 Zuschauern schlägt der Aussenseiter mit Andy Jorns im Tor den Kantonsrivalen dank einem wahren Spielrausch im Mitteldrittel (5:1) mit 8:4. Nicht ganz zwanzig Jahre später, am 6. Januar 2006, liegt Ambri in Lugano nach dem ersten Drittel scheinbar hoffnungslos mit 1:4 im Rückstand. Headcoach Pekka Rautakallio ersetzt Simon Züger durch Thomas Bäumle. Dieser wehrt in 40 Minuten alle 24 Schüsse ab und ist mit seinem Shutout klar an der Wende zum 5:4 beteiligt.

 

 

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