SCL Tigers - Lausanne HC 2:1 n.P. (0:0, 1:1, 0:0)

Sieg und zwei Punkte zum Jubiläum

Die SCL Tigers gewannen zu ihrem 70-Jahr-Jubiläum gegen den HC Lausanne mit 2:1 nach Penaltys. Es war ein hart umkämpftes Spiel und nach drei Niederlagen die dringend notwendige Reaktion der Mannschaft. Es war jedoch auch ein Geschenk an die Zuschauer.

Spielbericht • • von Bruno Wüthrich

Die tolle Choreo der Langnauer Fans zum 70-Jahr-Jubiläum der SCL Tigers (bzw. SC Langnau). Bild: Susanne Bärtschi.

 

Heute genau vor 70 Jahren ging aus einer Fusion des Eislaufvereins und des HC Langnau der SCL hervor. Zu diesem Zeitpunkt ahnte noch niemand, dass welche Entwicklung dieser Verein nehmen würde. Kein Wunder: Das erste halboffizielle Spiel fand heute vor 67 Jahren, also ebenfalls an einem 30. Januar statt. Gegner des damals noch wild spielenden SC Langnau war aus der Serie A (heute 1. Liga) der EHC RotBlau Bern. Die damals noch nicht mit dem Tiger-Logo spielenden Langnauer gewannen sensationell mit 10:4 Toren. Zum heutigen Jubiläum stand der HC Lausanne als Gegner gegenüber, und die Partie fand nicht als Freundschafts- sondern als Meisterschaftsspiel statt. Es war für beide Mannschaften ein äusserst wichtiges Spiel. Für die Lausanner geht es derzeit um die Qualifikation für die Playoffs. Die Waadtländer befinden sich mit dem SC Bern und Ambri-Piotta (alle drei Teams weisen vor dieser Runde 58 Punkte auf) in einem Dreikampf um die zwei letzten Playoffplätze. Etwas anders präsentiert sich die Lage für die SCL Tigers. Nachdem sie im Verlauf des Januars vier Siege in Serie aneinander reihten, kamen plötzlich auch sie wieder für die Playoffs in Betracht. Wer hätte dies gedacht, dass die Langnauer zu diesem Zeitpunkt noch Playoff-Kandidat sein könnten. Die folgenden drei Spiele holten die Emmentaler aber wieder auf den Boden zurück. Gestoppt wurden sie zuerst von Ambri (0:2), danach kassierten sie die beiden herben Niederlagen gegen den HC Davos (3:7) und den HC Lugano (2:6). Es war also höchste Zeit, die negative Serie wieder zu stoppen, damit das zuvor gewonnene Selbstvertrauen nicht vollends im Keller entsorgt werde. Was konnte da schöner sein, als ein Sieg zum Jubiläum?

 

Er hatte grossen Anteil an diesen zwei Punkten zum Jubiläum: Ivars Punnenovs. Man beachte auch das schöne Jubiläums-Dress. Bild: Susanne Bärtschi.

 

Dass die Lausanner es den Langnauern nicht leicht machen würden, war jedoch von vornherein klar. Es war denn auch das hart umkämpfte Spiel, wie dies erwartet werden musste. Es war auch das Duell zweier starker Torhüter, welches erst im Pensaltyschiessen, dort jedoch klar, entschieden wurde. Tigers-Coach Benoît Laporte gab erneut Ivars Punnenovs den vorzug, obwohl er ihn gestern im Spiel gegen den HC Lugano nach 20 Minuten beim Stande von 0:5 auswechselte. Die Massnahme, ihn erneut zu bringen, erwies sich als richtig, denn Punnenovs spielte eine stärke Partie. Wie übrigens auch Cristobal Huet auf der Gegenseite.

 

Wenn die SCL Tigers eine Siegchance haben wollen, müssen sie die Startminuten unbeschadet überstehen (was leider keine Selbstverständlichkeit ist) und das Skore möglichst lange mindestens ausgeglichen gestalten. Gelingt ihnen dies, wachsen von Minute zu Minute die Chancen, Punkte zu realisieren. Denn die Tiger sind eine Mannschaft, die sich im Verlaufe einer Partie steigern kann. Zuletzt aber ging die Startphase in Lugano bös in die Hose. Bereits nach 65 Sekunden lagen sie da mit 0:2 im Rückstand. «Solche Teams können Dinge, die wir nicht können. Da kann es halt manchmal sein, das wir gegen eine solche Mannschaft schlecht aussehen», analysierte Thomas Nüssli im Nachhinein die Niederlage. «Doch das müssen wir jeweils akzeptieren, abhaken und nach vorne schauen.» Auch die Lausanner übernahmen gleich zu Spielbeginn das Zepter in die Hand, doch heute hielten die Tiger bedeutend besser dagegen. Der HC Lausanne ist jedoch nicht der HC Lugano.

 

Zum Jubiläum wurde auch etwas geschmust. Bild: Susanne Bärtschi.

 

Die Waadtländer haben nicht den Speed wie beispielsweise die ZSC Lions, der HC Davos oder der HC Lugano, gegen welche die SCL Tigers, wenn das Spiel wirklich schnell wird, regelmässig überfordert sind. Zwischen dem HC Lausanne und den SCL Tigers besteht spielerisch keine grosse Differenz. Das Team von Coach Heinz Ehlers kann die Langnauer zwar dominieren, aber eben nicht überfordern. So sahen die 6'000 Zuschauer im ausverkauften Ilfisstadion zwar überwiegend ein Lausanne, das versuchte, aufs Tempo zu drücken und welchem es zeitweise eindrücklich gelang, die Langnauer einzuschnüren. Doch sie schossen, inklusive Penaltyschiessen, eben nur ein einziges Tor. Dieser Umstand ist einerseits in der hervorragenden Torhüterleistung von Ivars Punnenovs geschuldet, andererseits aber auch der disziplinierten Defensivleistung des ganzen Teams. «Wir wollten heute unbedingt den Sieg, nicht nur, aber auch wegen dem Fest», gab Thomas Nüssli zu Protokoll. Verständlich. Morgen Sonntag findet in und rund um die Ilfishalle das grosse Jubiläumsfest statt, an welchem auch die Spieler teilnehmen. Keiner will da als Verlierer dastehen.

 

Nachdem die Langnauer das Startdrittel torlos gestalten konnten, übernahmen sie zu Beginn des Mitteldrittels die Initiative und gingen durch einen von Kevin Clark abgelenkten Schuss von Anton Gustafsson in der 27. Minute in Führung. Doch kurz darauf verloren die Tiger an der gegnerischen blauen Linie den Puck und die beiden Lausanne-Finnen Harri Pesonen und Ossi Louhivaara tauchten vor Ivars Punnenovs auf, und Letzterer schoss lediglich 75 Sekunden nach der Langnauer Führung den Ausgleich. Es sollte die einzigen Treffer sein in dieser Partie, in welcher Lausanne in den regulären 60 Minuten die bessere Mannschaft war. Dies änderte sich in der Verlängerung, denn in dieser hatten die Tiger zwei grosse Möglichkeiten zum Sieg. Aufgeschoben ist jedoch nicht aufgehoben. Die Langnauer stellten durch je einen Treffer von Thomas Nüssli (mit einem zuvor noch unbekannten weiteren «Nüssli-Spezal») und Kevin Clark den Sieg sicher. Punnenovs killte alle vier gegnerischen Penaltys. Sollte der gebürtige Lette durch das gestrige Spiel mental etwas angeschlagen gewesen sein, so war a) ihm dies heute nicht anzumerken, und b) hat er heute viel dazu getan, dies gleich wieder zu korrigieren. An diesen zwei Punkten hatte er massgeblichen Anteil.

 

Thomas Nüssli verwandelte seinen Penalty souverän und auf sehenswerte Weise. Er, der mehrere eindrückliche und sehenswerte Tricks auf Lager hat, wartete ab, bis Christobal Huet im Lausanne-Tor reagierte, und schbste dann den Puck zwischen dessen Beinen ins Tor. Bild: Susanne Bärtschi.

 

Und weil es so schön ist, präsentieren wir Ihnen auch noch den Penalty von Kevin Clark. Bild: Susanne Bärtschi

 

SCL Tigers - Lausanne HC 2:1 n.P.  (0:0, 1:1, 0:0)

 

Ilfishalle, 6'000 Zuschauer (ausverkauft). SR: Mollard/Piechaczek, Borga/Progin. Tore: 27. Clark (Gustafsson) 1:0. 29. Louhivaara (Pesonen) 1:1. Strafen: 5-mal zwei Minuten gegen die SCL Tigers, 6-mal zwei Minuten gegen Lausanne.

 

SCL Tigers: Punnenovs; Koistinen, Ronchetti; K. Lindemann, Weisskopf; A. Gerber, Zryd; Müller; Nüssli, Wilson, DiDomenico; Bucher, Gustafsson, Clark; S. Lindemann, Chiriaev, Haas; C. Moggi, Albrecht, S. Moggi; Wyss.

 

Lausanne HC: Huet; Stalder, Trutmann; Genazzi, Lardi; Leeger, Gobbi; Fischer, Nodari; Deruns, Froidevaux, Danielsson; Pesonen, Mieville, Louhivaara; Fischer, Hytönen, Wlasky; Kneubühler, Savary, Roberts.

 

Bemerkungen: SCL Tigers ohne Berger, Murray, Stettler, Bärtschi, T. Gerber (alle verletzt), Hecquefeuille, Gossweiler (beide überzählig). Lausanne ohne Leblanc, Rytz, Herren, Antonietti, Ryser, Conz. 64.56: Timeout Lausanne.

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