Seltsame Retired Number – Praxis in Langnau:

Soll auch Adrian Gerbers Nr. 61 unters Hallendach?

Die Aufstiegshelden Martin Gerber und Wale Gerber hängen dort. Magic Man Todd Elik ebenfalls. Und dann ist da noch Daniel Aegerter, der wegen der Anzahl der für Langnau bestrittenen Spiele da hängt. Doch jetzt tritt mit Adrian Gerber einer zurück, der noch mehr Spiele hat.

Blog • • von Bruno Wüthrich

Bild: Bruno Wüthrich

 

Was kommt uns in den Sinn, wenn wir nach Gründen suchen, weshalb wir die Nummer eines Spielers unter das Hallendach hängen? Sportliche Erfolge? Verdienste um den Klub? Grösstmögliche Klubtreue? Spielerische Klasse? Liebe Leserin, lieber Leser, mit Verlaub, - das ist alles zweitrangig. Es spielt zwar eine Rolle, aber nicht die entscheidende. Der Punkt ist: Wir wollen uns an diesen Spieler immer erinnern.

 

Todd Elik

Natürlich hat es immer einen oder sogar mehrere Gründe, weshalb wir uns an einen Spieler immer erinnern wollen. Mit Todd Elik hatten wir, gemessen an dem, was wir heute darunter verstehen, keinen Erfolg. Aber er bereitete uns magische Momente. Erinnert ihr euch noch an die Pässe, mit denen er seine Mitspieler bediente? Um einen guten Pass zu spielen, musste er nicht zuerst drei Runden im gegnerischen Drittel drehen mit der Gefahr, den Puck an dümmster Stelle zu verlieren, wie zuletzt der von vielen ebenfalls geschätzte Chris DiDomenico. Zwar war auch Elik ein genialer Dribbler, keiner deckte den Puck so gut ab wie er. Aber er behielt die Scheibe trotzdem selten lange, sondern spielte seine Pässe schnell. Elik absolvierte für die SCL Tigers insgesamt 143 Spiele, erzielte dabei 56 Tore und 157 Assists, und realisierte damit 213 Punkte.

 

Doch streng genommen waren es eben «nur» 143 Spiele. Dann verliess der Kanadier die Tiger entweder, um bei einem anderen Klub mehr Geld zu verdienen oder mehr Erfolge zu feiern, oder aber, weil er in Langnau entlassen wurde. Schade auch irgendwie, dass die Nr. 12, die unter dem Dach der Ilfishalle hängt, nicht wegen Fritz Lehmann dort hängt. Er war der Captain des Meisterteams von 1976 und hatte massgeblichen Anteil an diesem Erfolg. Sein Leibchen könnte stellvertretend für die ganze Meistermannschaft dort hängen. Dieser Titel war bis heute der mit Abstand grösste Erfolg von Langnaus Eishockey. Doch von denen, die ihn realisierten, hängt keiner unter dem Hallendach.

 

Trotzdem: Mit Toddyboy unter dem Dach können wir wohl alle gut leben. Er ist und bleibt eben einer, den wir nicht vergessen wollen. Und dies ist ja unser hauptsächliches Kriterium.

 

Wale Gerber

Ebenfalls nicht vergessen wollen wir Walter (Wale) Gerber. Wer weiss, vielleicht wäre seine Nr. 44 nie unters Hallendach gezogen worden, wenn er im November 2012 nicht gestorben wäre. Doch obwohl er nie ein NLA-Spiel bestritt, hängt seine Nummer völlig zurecht dort. Denn das kleine, schnelle Kraftpaket mit dem riesengrossen Kämpferherzen war tatsächlich in den Herzen der Tigerfans, und zwar bereits lange vor seinem Tod. Sein Kämpferherz wurde immer wieder erwähnt, wenn man mit der Leistung der gerade aktuellen Mannschaft nicht zufrieden war. Wale wurde späteren Spielergenerationen immer wieder als Vorbild vorgehalten. Nicht vergessen wollen wer: Mit Wale Gerber stiegen die SCL Tigers zwei Mal auf. 1994 von der 1. Liga in die NLB, und 1998 von der NLB in die NLA. Wale wäre bestimmt länger in Langnau geblieben, wenn ihm Ruedi Zesiger nach dem Aufstieg auch einen Vertrag für die NLA gegeben hätte.

 

Tinu Gerber

Das «Nievergessenwollen» hat bei einem andern Aufstiegshelden etwas gebröckelt. Die Rede ist von Martin Gerber. Der Kult- und Aufstiegstorhüter von 1998 verliess die SCL Tigers nach der Saison 2000/01, um seine grosse, internationale Karriere zu starten und kehrte nur während des Lockouts in der Saison 2004/05 für 20 Spiele nach Langnau zurück. Gelitten hat sein Ansehen, weil er nach dem Abstieg der SCL Tigers in die NLB im Frühjahr 2013 nicht wie ursprünglich angenommen nach Langnau wechselte, sondern den Kloten Flyers in der NLA den Vorzug gab. Tinu sah seine internationale Karriere noch nicht abgeschlossen und wollte im Frühjahr 2014 unbedingt an die Olympischen Spiele, was bei einem NLB-Team nicht möglich gewesen wäre. Gerber wurde jedoch nicht nominiert.

 

Doch eben: Martin Gerber absolvierte für den SC Langnau und die SCL Tigers 268 Spiele, was ähnlich wie bei Todd Elik etwas wenig ist, um seine Nummer tatsächlich unter einem Hallendach hängen zu sehen. Und doch hat ihm Langnaus Eishockey sehr viel zu verdanken. Der Aufstieg wäre 1998 ohne ihn nicht möglich gewesen, ebenso wenig der Ligaerhalt ein Jahr später. Ausserdem hat seine beispiellose Karriere von der Nr. 2 in Signau zum Stanley Cup – Sieger das ganze Emmental elektrisiert und stolz gemacht. Einzigartig ist aber schon auch, dass die Nummer eines Torhüters unter dem Hallendach hängt, der danach mehrfach mit einer andern Mannschaft in dieser Halle gegen «seinen» Klub antritt. So etwas gibt es halt schon nur in Langnau!

 

Daniel Aegerter

Und dann kommen wir zur Frage, weshalb eigentlich die Nr. 17 unter eben diesem Hallendach hängt. Sie gehört nicht etwa dem ausländischen Kultverteidiger Neil Nicholson, der Ende der 1970er und in der ersten Hälfte der 1980er-Jahre sieben Saisons für den SC Langnau gespielt hat, und der während dieser Zeit sogar einmal zum besten Verteidiger der Liga gewählt wurde. Nein, sie gehört Daniel Aegerter. Er spielte 16 Saisons lang nur für den SC Langnau und die SCL Tigers und gilt somit als lebendes Beispiel lebenslanger Klubtreue. Erst als man ihn in Langnau nicht mehr wollte und nach einem zusätzlichen Wartejahr, spielte er noch eine Saison für den SC Langenthal.

 

Ein untreuer Ehemann soll sich einmal gegenüber seiner Ehefrau wie folgt geäussert haben, als diese ihm den treuen Partner ihrer besten Freundin als leuchtendes Beispiel vorhielt: «Wenn mich nie eine andere gewollt hätte, hätte ich auch kein Problem mit der Treue gehabt.» Etwas boshaft könnten wir dies auf Daniel Aegerter übertragen. Der «Stay at home – Verteidiger» wusste häufig bis weit in den Sommer hinein nicht, ob er in Langnau noch einen Vertrag erhält, und er war auch bei vielen Fans – so unter anderem auch auf dem Pinboard der SCL Tigers – heftig umstritten. Zu denen, welche die Fans nie vergessen wollen, gehört Aegerter nicht. Dem Rückzug seiner Nummer liegt wohl eher eine sentimentale Spinnerei des damaligen Präsidenten Hans Grunder zugrunde, der an Aegi einen Narren gefressen hatte und ihm nach seinem Karriereende als Spieler einen gut dotierten Vierjahresvertrag als CEO der SCL Young Tigers offerierte. Eine Aufgabe, an der Daniel Aegerter grandios scheiterte und die ihm nach rund einem Jahr mit erheblicher Kostenfolge wieder entzogen wurde.

 

Nicht vergessen wollen wir aber, dass wie Wale Gerber auch Daniel Aegerter zwei Mal aufstieg. Auch er gehörte zu den Mannschaften, mit denen die Langnauer 1994 in die NLB, und 1998 in die NLA aufstiegen. Und bevor ihm jetzt Adrian Gerber überholt hat, hielt Daniel Aegerter mit 572 den Rekord an Spielen in Langnau. Erwähnenswert ist zudem, dass «Aegi» 4-facher Nationalspieler war und insgesamt 24-mal für Nachwuchsnationalmannschaften auflief.

 

Trotzdem: Unter dem Hallendach hängt seine Nummer, weil er zum Zeitpunkt seines Rücktritts den Rekord an Spielen für die SCL Tigers hielt. Diesen Rekord hat er inzwischen nicht mehr.

 

Und jetzt Ädu Gerber?

Konsequenterweise müsste man jetzt fordern, dass die Nr. 61 von Adrian Gerber hochgezogen wird, der ja jetzt mit 661 Spielen diesen Rekord hält. Doch soll man Adrian Gerbers Nummer tatsächlich unter das Dach der Ilfishalle hängen?

 

Wir können dies nicht eindeutig beantworten. Konsequent wäre es. Denn auch Adrian Gerber ist ein Aufsteiger. Mit ihm stiegen die SCL Tigers im Frühjahr 2015 in die NLA auf. Doch mit ihm stiegen sie 2013 auch in die NLB ab. Wie Daniel Aegerter fehlt auch Adrian Gerber die spielerische Klasse, die es üblicherweise braucht, damit einem Spieler diese besondere Ehre zuteil wird. Zudem müssen die SCL Tigers schauen, dass sie diese Auszeichnung nicht verschwenden. Mit Ausnahme von Wale Gerber (44) wurden in Langnau die Nummern (12, 17, 26) «billig» zurück gezogen. Die Hürden hierfür hängen bei andern Klubs deutlich höher.

 

Kriterium sollte auch bei Adrian Gerber sein, ob die Fans sich an ihn erinnern wollen. Fragen wir sie doch in drei bis fünf Jahren mal danach, ob sie finden, dass Ädu unters Hallendach gehört. Ich denke, dann wissen wir, wie sich dies mit ihm und dem Erinnern verhält.

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