Berner Zeitung, Philipp Rindlisbacher

Standpunkt: Tamfals Anstellung war ein Fehler

Tomas Tamfal muss bereits gehen, Bengt-Ake Gustafsson kommt – der Schwede ist der fünfte Trainer der SCL Tigers innert gut zehn Monaten. Ohnehin fehlte es in der Unternehmung zuletzt an Eishockeykompetenz.

Presse •

Tomas Tamfal muss nach zehn Spielen gehen, Bengt-Ake Gustafsson kommt – der Schwede ist der fünfte Langnauer Trainer innert gut zehn Monaten! Der erschreckend hohe Wert verdeutlicht, dass bei den SCL Tigers zuletzt vieles schief gelaufen ist. Weil der Absteiger die letzten zwei Spiele gewonnen hat, mag die Freistellung auf den ersten Blick überraschen. Die Tigers liegen aber nur auf Rang 5; die Verantwortlichen glauben offenbar nicht mehr daran, mit dem Tschechen auf Touren zu kommen. Tamfal ist ein intelligenter, netter Mensch; ihm mangelt es jedoch an Durchsetzungsvermögen und Führungsqualität. Bei den Profis hat er noch keine Erfolge vorzuweisen.

 

Tamfals Anstellung war ein Fehler. Geschäftsführer Wolfgang Schickli hat sich mit der Verpflichtung eines guten Freundes angreifbar gemacht. Er trägt die Haupt- aber nicht die alleinige Schuld, der Verwaltungsrat segnete das Engagement von Tamfal im Frühling schliesslich ab. Der engagierte und an vielen Fronten wirbelnde Schickli hatte immerhin den Mumm, das Missgriff zu korrigieren. Tamfal jedoch hätte er nicht derart viel Macht übertragen dürfen, man denke an die Ausländerflops Kurka und Straka. Ohnehin fehlte es in der Unternehmung der SCL Tigers zuletzt an Eishockeykompetenz. Schickli und Präsident Peter Jakob sind in unternehmerischer Hinsicht fähige Leute, und es ehrt sie, geben sie zu, nicht viel von Eishockey zu verstehen. In die Entscheidungsfindung jedoch sind sie trotzdem eingebunden. Es war ein heikler Entschluss, in der NLB aus Kostengründen auf einen Sportchef zu verzichten, verfügte in der Sportkommission bis anhin doch einzig der Nachwuchsverantwortliche Konstantin Kuraschew über ein weitgespanntes Beziehungsnetz. Mit dem Einbezug Alfred Bohrens hat der Verein nun eine Kurskorrektur vorgenommen.

 

In Langnau entstand in den letzten Jahren der Eindruck, die Verantwortlichen gingen den Weg des geringsten Widerstandes, suchten die bequeme Lösung. So war es unter anderem beim Trainerwechsel von John Fust zu Alex Reinhard und bei der Ernennung von Köbi Kölliker zum Sportchef. «Vetterliwirtschaft» könnte man den Emmentalern nun erneut vorwerfen, kommt mit Bengt-Ake Gustafsson doch ein alter Bekannter an die Ilfis zurück, der erst noch seinen Sohn trainieren darf. Man kann es aber auch so sehen: Der neue Tiger-Dompteur wurde als Trainer nicht nur schwedischer Meister, sondern führte Schweden 2006 sowohl zu WM- als auch zu Olympiagold. Dass er bei seinen letzten drei Engagements früh scheiterte, ist für Langnau mehr positiv als negativ – Gustafsson wird alles daran setzen, seine Karriere wieder in Schwung zu bringen.

 

Das Ziel bleibt das Gleiche: Spästens in drei Jahren sollen die Langnauer in die NLA zurückkehren. Es war richtig, diese Ambition unmittelbar nach dem Abstieg zu kommunizieren, weniger geschickt jedoch waren Aussagen wie «In der NLB sind wir der kleine SCB» und «Wir wollen B-Meister werden» – damit wurden sehr hohe Erwartungen geweckt. Mittlerweile krebsen die Verantwortlichen zurück, sagen, das Niveau in der NLB sei höher als angenommen. Utopie ist der Gewinn der B-Meisterschaft zwar keine; in der Lage, die Liga zu dominieren, ist die Langnauer Mannschaft aber nicht. Die wenigsten Spieler haben in der Vergangenheit viel Verantwortung übernehmen müssen, viele waren Mitläufer. Hinsichtlich der nächsten Saison soll das Team massiv verstärkt werden. Es wäre sinnvoll, kümmerte sich primär Alfred Bohren darum.

 

Die SCL Tigers interessieren auch in der NLB. In den letzten Wochen war die Resonanz ausgesprochen hoch, auch in nationalen Medien. Die Emmentaler verfügen an und für sich über hervorragende Möglichkeiten; jeder Franken, der im Stadion erwirtschaftet wird, fliesst effektiv in den Verein. Von den Fans sind die wenigsten davon gelaufen (Schnitt: gut 4800), die spendablen Verwaltungsräte haben ihre finanziellen Engagements nicht verringert. Die Anzahl strategischer Fehleinschätzungen jedoch muss zwingend kleiner werden.

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