Stiller Geniesser seiner Premiere

von Philipp Rindlisbacher, Berner Zeitung - Die Langnauer können doch noch gewinnen: Im ersten Spiel unter Coach Alex Reinhard bezwangen sie Ambri-Piotta 4:0. Es war der erste Erfolg seit einem Monat.

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Als Assistent John Fusts hatte sich Alex Reinhard rar gemacht. Er ist ohnehin nicht der Typ, der sich bei den Journalisten aufdrängt; er sagt, er müsse nicht täglich etwas über sich in der Zeitung lesen, um zufrieden zu sein. Als Chefcoach der SCL Tigers kann sich Reinhard nicht mehr verstecken. Gestern dürfte es ihm indes leicht gefallen sein, den Medienschaffenden Auskunft zu geben. Die SCL Tigers bezwangen Ambri-Piotta in der Ilfishalle 4:0 – es war der erste Sieg nach acht Niederlagen in Serie.

 

Reinhard, kein Mann der grossen und lauten Töne, meinte, die Spieler hätten es nach solch einer Leistung mehr verdient als der Trainer, erwähnt zu werden. Dass es bei seinem Einstand keinen Grund gab, herumzuschreien, dürfte ihm gelegen gekommen sein.

 

Nach dem Erfolg im Kellerduell war Reinhard der gefeierte Mann. Zur Verwunderung der 5130 Zuschauer war auf dem Videowürfel während den Spielunterbrüchen indes nicht sein Porträtbild, sondern das Konterfei John Fusts eingeblendet worden. Auf dem Eis hingegen war die Langnauer Fehlerquote verhältnismässig tief. Die SCL Tigers verrichteten solides Handwerk, nicht mehr, aber eben auch nicht weniger.

 

Reinhard hatte die Linien neu formiert, Lukas Haas etwa fand sich im 4. Block wieder. Die Leventiner hatten zu Beginn Vorteile, verhielten sich aber in der Offensivzone äusserst ungeschickt – nicht umsonst ist Ambri Tabellenvorletzter. Mit vereinten Kräften, Glück bei zwei Pfostenschüssen und dank des überzeugenden Torhüters Thomas Bäumle überstand das Heimteam die Startphase unbeschadet. Das 1:0, welches Captain Simon Moser nach einer Einzelleistung mit einem Backhandschuss erzielte, war schmeichelhaft. Fortan jedoch hatten die SCL Tigers Vorteile und zeigten sich erstaunlich effizient. Topskorer Kurtis McLean schoss in Unterzahl endlich sein drittes Saisontor (28.); 34 Sekunden vor Ende des Mittelabschnitts war es erneut Moser, der traf.

 

Die Langnauer spielten aggressiver als zuletzt, «mit viel Energie», wie Reinhard konstatierte. Dies musste Matt Duchene erfahren; der NHL-Star, welcher in der NLA debütierte, wurde bei erster Gelegenheit von Kim Lindemann traktiert. Reinhard hat offenbar die Trainingsintensität erhöht. Mehrere Spieler sagten jedenfalls, sie hätten vergangene Woche härter trainiert als zuvor.

 

Alex Reinhard kann vorderhand in Ruhe arbeiten. Der Verwaltungsrat erwartet zwar regelmässigen Punktezuwachs, bei den abgeschlagenen Langnauern dürfte sich der Druck vorerst aber in Grenzen halten.

 

Viel Betrieb

Der 38-Jährige will die Chance nutzen und beweisen, dass er keine Übergangslösung ist. Entgegen kommen dürfte ihm, dass die Verantwortlichen gewillt sind, das Team so gut geht zu verstärken. Sollte der Lockout anhalten, dürften Tyler Ennis und Jared Spurgeon im Januar nach Langnau zurückkehren – Sportchef Köbi Kölliker jedenfalls geht davon aus. Ungeachtet dessen laufen die Verhandlungen mit Jaroslav Bednar weiter. Der Tscheche lehnte das erste Angebot ab: er verlangte doppelt so viel Geld, wie ihm die SCL Tigers offerierten. Kölliker sieht sich auch in der NLB um, eine neuerliche Ausleihe Thomas Nüsslis könnte zum Thema werden. Reinhard muss sich nicht um derlei Dinge kümmern. Am Freitag in Bern erwartet er die Bestätigung des gestrigen Auftritts. Im Derby dürfte die Gefahr eher bestehen, dass er laut werden muss.

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