Tigers: Der Assistent beerbt den Chef

von Philipp Rindlisbacher - Aufgrund der sportlichen Krise ist John Fust nach zweieinhalbjähriger Amtszeit freigestellt worden. Es übernimmt Alex Reinhard, unterstützt wird er von Konstantin Kuraschew.

Presse • • von Berner Zeitung, Philipp Rindlisbacher

Am Freitag das 2:5 gegen Freiburg, tags darauf das 2:8 in Lugano – Langnaus Trainer John Fust konnte am Wochenende seinen Kopf nicht aus der Schlinge ziehen. Der 40-Jährige wird die SCL Tigers künftig nicht mehr coachen. Fust wurde gestern Nachmittag die Trennung mitgeteilt; der Umstand, dass seine Mannschaft in den letzten zwei Partien wieder weit von einem Punktgewinn entfernt war, brachte das Fass zum Überlaufen. Bereits am Mittwoch hatten Langnaus sportliche Entscheidungsträger die Köpfe zusammengesteckt und intern quasi ein Ultimatum formuliert.

 

Zum Headcoach befördert wurde Alex Reinhard, der bisher als Assistent tätig war. Mit 38 Jahren ist auch er ein Jungtrainer, welcher nun erstmals die Verantwortung für ein Profiteam erhält. Reinhard war einst Ersatztorhüter von Renato Tosio beim SC Bern; er betreut seit neun Jahren Schweizer Nachwuchsauswahlen und assistierte schon A-Nationaltrainer Sean Simpson. Bei den Tigers wiederum wird ihm künftig Langnaus Ausbildungschef Konstantin Kuraschew zur Seite stehen. Nach einem trainingsfreien Tag treffen sich Mannschaft und Betreuerstab morgen ab neun Uhr zu einer ersten Sitzung.

 

Peter Jakob hatte Fust die Nachricht überbracht. Der joviale Verwaltungsratspräsident wirkte am späten Abend mitgenommen. Der Schritt sei ihm sehr schwer gefallen, «es ist eine menschliche Tragödie, erst recht so kurz vor Weihnachten». Der Kanada-Schweizer habe den Entscheid gefasst aufgenommen. «Natürlich ist es für ihn eine persönliche Niederlage, aber nicht nur für ihn, auch für uns», konstatierte Jakob.

 

Keine Kopie

Fust jedoch wird nicht entlassen, nach ein paar Wochen Pause soll für ihn ein neuer Aufgabenbereich – der laut Vertrag «zumutbar» sein muss – innerhalb der Organisation definiert werden. Es erstaunte aber, würde Fust jemals wieder für die Emmentaler tätig sein. Er hat sich als Trainer einen Namen gemacht, dürfte in absehbarer Zeit einen Job finden. Womöglich werden sich die Parteien daher finanziell einigen. Fusts Kontrakt läuft noch bis 2015, pro Saison verdient er geschätzte 250'000 Franken.

 

Mit 16 Punkten aus 28 Spielen und 13 Zählern Rückstand auf den vorletzten Rang ist die sportliche Lage miserabel. «Wir brauchen eine Veränderung», sagte Jakob. Auf den ersten Blick mag daher die interne Lösung überraschen. Doch Reinhard hat seinen eigenen Stil. Er ist ein ruhiger Zeitgenosse und alles andere als ein Polterer, gilt als akribischer Arbeiter und Analytiker. Weil Fust relativ dominant agierte, fanden Reinhards Einwände nicht immer Gehör.

 

Der Zeitpunkt des Trainerwechsels ist klug. In dieser Woche ruht der Meisterschaftsbetrieb, 2012 stehen nur noch drei Partien auf dem Programm. Das Duo Reinhard/Kuraschew erhält also Zeit, Ideen auszuarbeiten. «Alex Reinhard verdient diese Chance», meinte Jakob, der zugab, dass die Wahl auch in finanzieller Hinsicht sinnvoll sei. Weil keine Mehrkosten entstehen, wollen die Langnauer ins Team investieren. Anzunehmen ist, dass die Emmentaler demnächst einen neuen Ausländer verpflichten werden.

 

Kuraschew war als Interimslösung gehandelt worden, wollte die Junioren aber nicht im Stich lassen. Mit externen Kandidaten befassten sich die SCL Tigers kaum. Es gab lose Gespräche mit Bengt-Ake Gustafsson, der künftig Nürnberg betreuen wird.

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