Doch im Eishockey droht der Fall auf Rang 4 im Kanton

Trotz NLB: Der höchste Berner ist ein Langnauer

Zwei Torhüter und 18 Spieler stehen derzeit im Team der nächsten Saison der SCL Tigers. Das Kader der Langnauer ist, - zwei gute Ausländer eingerechnet – stark genug, um in der NLB bestehen zu können. Mehr jedoch noch nicht. Wollen die Tiger ihre Ankündigung wahr machen, und den sofortigen Wiederaufstieg in Angriff nehmen, müssen sie personell nachlegen.

Blog • • von Bruno Wüthrich

 

Nach dem Abstieg der SCL Tigers freuen wir uns, dass im Emmental doch noch einer von sich reden macht. Dabei handelt es sich erst noch um einen Langnauer. Bernhard Antener ist Grossrat, Gemeindepräsident von Langnau, und ein Vorzeige-Sozialdemokrat. Gäbe es mehr von seiner Sorte, müssten sich die Bürgerlichen wohl in Acht nehmen. Denn Antener besticht nicht durch seine Ideologie, sondern durch seine Pragmatik. Wer sich als Vertreter der SP in der Ur SVP-Region Emmental derart lange als Gemeindepräsident halten kann (was heisst denn hier halten? Antener wurde unlängst mit einem Glanzresultat zum höchsten Berner gewählt), muss ein Politiker von besonderem Format sein. Dafür spricht auch das Resultat (151 von 154 Stimmen), mit welchem der bürgerlich dominierte Grosse Rat Antener zu seinem Präsidenten wählte. Trotz der Tatsache, dass seine Amtszeit als Präsident des Grossen Rates auf ein Jahr beschränkt ist, ist Antener derzeit wesentlich «unabsteigbarer» als dies den SCL Tigers in ihrer NLA-Zeit je angedichtet wurde.

 

Bernhard Antener macht also für ein Jahr einen Teil dessen wieder wett, was die SCL Tigers mit dem unnötigsten aller Abstiege vergeigten. Die Rede ist von der Präsenz über die Region hinaus. Zwar agiert Antener «lediglich» auf der kantonalen und regionalen Politbühne, während die Eishockeyaner gerade von der höchsten nationalen Sportbühne abgetreten sind. Aber immerhin: Dank Antener sind wir doch noch wer. Politisch stellen Langnau und das Emmental für ein Jahr die Nr. 1 im Kanton. Im Eishockey sind wir gerade mal noch die Nr. 3, und wir müssen höllisch aufpassen, dass uns der kleine SCL (der SC Langenthal) in dieser Rangliste in der kommenden NLB-Meisterschaft nicht überholt. Nur noch die Nr. 4 im Kanton zu sein, würde uns allen enorm aufs Gemüt schlagen. Ein weiterer Absturz würde den Begriff «Hockey Country» zumindest temprär in Frage stellen. Dies gilt es zu verhindern.

 

Die Führungsetage der SCL Tigers gab sich unmittelbar nach dem Abstieg kämpferisch und versprach, den schnellen Wiederaufstieg unverzüglich an die Hand zu nehmen. Präsident Peter Jakob sprach gegenüber der Berner Zeitung im Zusammenhang mit seinen Tigern sogar vom «SCB der NLB». Unser grosser Kantonsrivale wurde ausgerechnet im Jahr unseres bitteren Abstiegs Schweizer Eishockeymeister. Von Meisterehren sind die SCL Tigers derzeit auch in der NLB noch meilenweit entfernt. Das bisherige Kader reicht selbst mit zwei guten Ausländern nicht für höhere Aufgaben. Mit diesem Kader ist an Aufstieg oder vordere Positionen in der NLB nicht zu denken. «SCB der NLB» sein zu wollen heisst, in der zweithöchsten Spielklasse sofort eine wichtige Rolle zu spielen. Dies ist nur möglich, wenn die NLB nicht unterschätzt wird, und wenn die SCL Tigers personell nachlegen. Ob dies vor der Saison geschieht, oder erst, während die Meisterschaft bereits läuft, ist nicht von entscheidender Bedeutung. Wichtig ist, dass die Langnauer in den Playoffs, die sie erreichen müssen, so stark sind, dass sie Chancen auf den Titel in der NLB haben. Denn auch dann ist der Weg, sich gegen den Letzten der NLA behaupten zu können, noch lang genug.

 

Der HC Lausanne benötigte nach seinem Abstieg acht Jahre, bis er endlich gegen erstaunlich leidenschaftslose SCL Tigers wieder aufstiegen konnte. 2008 schaffte es der EHC Biel nach einer Durststrecke von 13 Jahren, in die höchste Spielklasse zurück zu kehren. Gegner war das im Zerfall begriffene Team des EHC Basel. Und auch der HC Genf Servette schaffte 2002 den Aufstieg in die NLA vor allem deshalb, weil der von finanziellen Problemen gebeutelte EHC Chur vor der Ligaqualifikation zwei seiner besten Spieler nicht mehr bezahlen konnte und diese deshalb freistellen musste.

 

Seit 1998 ist nie mehr ein Team aus der NLB aufgestiegen, wenn in der Ligaqualifikation ein intaktes, leidenschaftlich sich verteidigendes NLA-Team gegenüber stand. Dieses Kunststück gelang zuletzt ausgerechnet den Langnauern um den legendären, viel zu früh verstorbenen Wale Gerber und den heutigen EHC Biel – Coach Kevin Schläpfer. Sie setzten sich im Frühjahr 1998 gegen die beiden hoch favorisierten A-Ligisten La Chaux-de-Fonds und Herisau durch, verbannten diese beiden Organisationen in die NLB, und stiegen selbst triumphal wieder in die höchste Spielklasse auf.

 

Dieser Erfolg wird in jeder kommenden NLB-Meisterschaft die Messlatte für die Langnauer Eishockeyaner sein. Es darf nicht sein, dass wir uns in Langnau mit Siegen und einer Klassierung im vorderen Mittelfeld der zweithöchsten Spielklasse zufrieden geben. Unser Anspruch ist bereits in der bevorstehenden Saison ein ganz anderer. Wir wollen in der NLB die Rolle zu spielen, die der SCB in der NLA einnimmt. Wir wollen ein Spitzenteam mit Meister-Ambitionen und Aufstiegs-Chancen stellen. Wir wollen in jedem NLB-Jahr (also auch in der Saison 2013/14) am Aufstieg schnuppern. Nur so kann es klappen, dass die SCL Tigers innert nützlicher Frist wieder aufsteigen.

 

Bernhard Antener wird Anfang Juni 2014 sein Amt als höchster Berner seinem Nachfolger oder seiner Nachfolgerin übergeben. Bis zu diesem Zeitpunkt stellt Langnau wenigstens auf dem Polit-Parkett die Nr. 1 im Kanton, mit Ausstrahlung über die Region hinaus. Es ist an den in Langnau enorm gehätschelten SCL Tigers, alles daran zu setzen, dass sie die Region und den Ort danach möglichst rasch wieder würdig und höchstklassig vertreten.

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