Gelingt dieser grosse Coup?

Übernehmen die SCL Tigers das Sportcenter Huttwil?

Noch ist vieles offen. Doch erste gute Gespräche haben stattgefunden. dies bestätigen beide Seiten. Markus Bösiger hat, was die SCL Tigers dringend brauchen: Eine erstklassige Infrastruktur. Tiger-Verwaltungsrat Karl Brügger und Geschäftsführer Peter Müller zeigten sich an einer Besichtigung beeindruckt.

Blog • • von Bruno Wüthrich

 

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Das Sportcenter in Huttwil. Links unten die Dreifachturnhalle, links oben ein Fussballfeld und die Leichtathletikanlage, links die Eishalle. Beide Hallen komplett mit Sonnenkollektoren bedeckt. Auf dem Bild nicht zu sehen sind die Unterkünfte für die Sportler.

 

von Bruno Wüthrich - Am Montag, dem 22. Juni trafen sich Karl Brügger, Verwaltungsrat der SCL Tigers und VR-Präsident der SCL Young Tigers, Peter Müller interimistischer und designierter Geschäftsführer der SCL Tigers mit Markus Bösiger, Eigentümer des Sportcenters in Huttwil zu einem ausgedehnten Rundgang durch dessen Anlagen. Mit dabei war auch Martin Meyer, bei Bösiger zuständig für die Immobilien. Nach der Besichtigung der Sportanlagen liessen die Vier den Tag bei einem gemütlichen Nachtessen im Bären Dürrenroth ausklingen. Es war nicht das erste Zusammentreffen dieser Parteien. Bereits Ende April kam es auf Initiative von FANTIGER, der diesen Kontakt vermittelte, zu einem ersten Meeting. Fazit: Man war sich sympathisch und verstand sich auf allen Ebenen auf Anhieb. Es geht um nichts weniger als darum, ob die SCL Tigers künftig das Sportcenter in Huttwil betreiben.

 

Das Geschäft ist kein Pappenstiel. Markus Bösiger will das Sportcenter nicht verkaufen, sondern langfristig als Ganzes vermieten. Dazu gehört nicht nur die Eishalle, sondern auch ein Ausseneisfeld, eine Dreifachturnhalle mit Kraftraum, drei Fussballfelder, eine Leichtathletikanlage ein Restaurant, Seminarräume, Unterkünfte und vieles mehr. Zudem hat Bösiger die Baubewilligung, auch das zweite Eisfeld zu überdecken. Wer die Anlage mietet, kann darin ganzjährig fast jede Sportart trainieren und betreiben, die ihm beliebt. Und er kann Teile der Anlage auch untervermieten, sich damit quasi Partner ins Boot holen. Und nicht ganz unwesentlich: Für die Anlage sind 24 Anlässe pro Jahr genehmigt, die nichts mit Sport zu tun haben (Konzerte, Open Airs, Festivals etc.)

 

Die SCL Tigers drohen im Nachwuchs den Anschluss zu verlieren Der SC Langnau war einst eine der führenden Organisationen im Nachwuchs-Eishockey. Kaum eine Altersstufe, in welchen die Tiger nicht zwei oder drei Nachwuchs-Nationalspieler stellten. Diese Zeiten sind vorerst vorbei. Aktuell stellen die Tiger keinen einzigen Nationalspieler. Die Elite-Junioren verpassten nin den letzten beiden Jahren sogar die Qualifikation für die Playoffs. Den Langnauern fehlt Eis auf jeder Stufe. Ein zweites Eisfeld scheint Lichtjahre entfernt. Zwar besteht ein Projekt mit einem Hotel auf dem Areal der Markthalle. Doch bauen kann man nur auf Boden, der einem auch gehört. Es ist auch in den nächsten Jahren praktisch unmöglich, dem Nachwuchs zu attraktiven Zeiten Eis zur Verfügung zu stellen. Andere Organisationen, wie die ZSC/GCK Lions, der SC Bern oder auch der EV Zug sind diesbezüglich um Längen voraus. Dies hat Auswirkungen. Derzeit sind die GCK Lions die Talentschmiede Nr. 1 der Schweiz. Aber auch der SC Bern lässt sich im Nachwuchsbereich nicht lumpen. Und der EVZ macht mit seiner Nachwuchs-Akkademie derzeit Riesenschritte und wird in den nächsten Jahren in diesem Bereich von sich reden machen. Derzeit verlieren die Young Tigers trotz vorbildlicher Bemühungen weiter an Boden. Es soll sogar Bestrebungen von Eltern geben, die ihre Kids von Langnau abziehen und nach Zug oder Bern wechseln möchten. Dies ist aus regeltechnischen Gründen schwierig, doch juristisch wäre es wohl ein Leichtes, diese Wünsche durchzusetzen. So oder so laufen aber die Langnauer derzeit Gefahr, im Bereich Nachwuchs den Anschluss komplett zu verlieren. Dies darf jedoch nicht geschehen, wollen die SCL Tigers auch in einigen Jahren noch NLA-Eishockey spielen.

 

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Die Eishalle mit Restaurant, links davon das zweite Eisfeld, Welches im sommer anders genutzt werden kann. Rechts zwei weitere Fussballfelder. Dahinter der zugehörige Parkplatz.

 

Doch das Gute ist nah! Knappe dreissig Minuten von Langnau entfernt ist eine Infrastruktur, die besser nicht sein könnte. Und das Beste daran: Sie muss nicht erst gebaut werden, sondern ist bereits vorhanden. Quasi bezugsbereit. Ganz so einfach ist es zwar nicht. Derzeit wird in Huttwil ja kein Eis gemacht. Das dazu nötige Personal fehlt und müsste zuerst rekrutiert werden. Die Zambonis sind derzeit vermietet. Für die Vermarktung der gesamten Anlage, die ja dann Sache der SCL Tigers wäre, müssten diese Personal einstellen. Von heute auf morgen läuft da also nichts. Doch wenn alle vorwärts machen, könnte ein Start im Sommer 2016 realistisch sein.

 

Wie die Langnauer den schweren Brocken stemmen könnten Eine solche Anlage zu mieten, kostet Geld. Viel Geld. Schätzungen von FANTIGER zufolge läuft da unter einer Million im Jahr nichts. Und dann ist noch kein Eis gemacht. Aus dem Ärmel schütteln werden die Langnauer also das Geld nicht. Doch das Sportcenter bietet viele Möglichkeiten, auch Geld zu verdienen:

 

- Der SC Langenthal steckt im gleichen Dilemma wie die SCL Tigers. Die Oberaargauer wissen nicht mehr, wann und wo sie ihre grosse Nachwuchsorganisation trainieren lassen wollen. Wenn in Huttwil ganzjährig Eis gemacht werden sollte, würde wohl auch die erste Mannschaft des «kleinen» SCL ihre Saisonvorbereitung in Huttwil bestreiten.

- Der Eishockeyverband nutzte die Infrastruktur in Huttwil eifrig, bis zu dem Zeitpunkt, an welchem die Verbandsbosse die sportlich einwandfrei aufgestiegenen Huttwil Falcons nicht zur NLB-Meisterschaft zulassen wollten. Die Gründe hierfür liessen an Fadenscheinigkeit nichts zu wünschen übrig. Inzwischen wäre man jedoch sogar bereit, unterklassige Vereine hoch zu winken, wenn diese das Risiko eingehen wollen und einen Partner in der NLA finden. Seit dem verweigerten Aufstieg ist das Band zwischen Bösiger und dem Verband wohl unreparierbar zerschnitten. Doch Vertragspartner wären ja dann die SCL Tigers. Und zwischen den Verbandsbossen und den Langnauern bestehen diesbezüglich keine Probleme. Es ist deshalb anzunehmen, dass die Tiger keine Mühe haben würden, den Verband als Untermieter ins Boot zu holen.

- Die Dreifachturnhalle ist derzeit gut vermietet. Daran würde sich auch mit dem Wechsel zu den SCL Tigers nichts ändern, ausser die Langnauer brauchen die Halle selbst. Die Einnahmen aus der Vermietung würden die SCL Tigers zufliessen.

- Die ZCS Lions und die Rapperswil-Jona Lakers hielten seinerzeit regelmässig Trainingslager in Huttwil ab. Sie mussten danach auf weniger gute, oder weiter entferntere Anlagen umsteigen. Die Chancen stehen gut, alte Kunden wieder zurück zu holen.

- Die Stadt Langenthal zahlt an den Betrieb des Schoren jährlich 600'000 Franken. Die Gemeinde Huttwil zahlte an den Betrieb des Sportcenters nie etwas. Die Frage ist, ob man versuchen sollte, auch den Huttwilern einen Betrag abzuluchsen. Der Grösse von Huttwil angemessen wären jährlich 150'000 Franken. Doch dabei müssten sich die SCL Tigers überlegen, ob denn dies ein guter Deal wäre. Sie müssten nämlich dann im Gegenzug den defizitären öffentlichen Eislauf zulassen und wären zudem gezwungen, den regionalen Vereinen das Eis zu Preisen zur Verfügung zu stellen, die nicht kostendeckend sind.

- Nicht zu vergessen: Die 24 Events, die jährlich auf dem Areal stattfinden dürfen, und die, je nachdem, wie gut diese organisiert sind und wie sehr sie den Geschmack des Publikums treffen, wahre Goldesel sein können.

 

Ganz wichtig dabei: Die SCL Tigers und die SCL Young Tigers könnten die Anlage selbst für ihre Trainings benutzen. Sie könnten auch einen Teil der Nachwuchs-Heimspiele in Huttwil austragen. Sie könnten Trainingslager organisieren, und auch in Huttwil eine Hockeyschule gründen, und separate Nachwuchsteams laufen lassen. Im Umkreis von Huttwil, damit ist auch das Luzerner Hinterland gemeint, ist viel Potential an Knaben und Mädchen vorhanden, die Eishockey spielen würden, wenn nur eine Eishalle in der Nähe wäre. Der Name SCL Tigers würde dann das Seinige dazu tun.

 

Die SCL Young Tigers würden als Nachwuchs-Organisation sofort deutlich an Attraktivität gewinnen. Innerhalb von wenigen Jahren würde wieder eine Annäherung an die führenden Nachwuchs-Organisationen der Schweiz stattfinden. Langnau wäre im Nachwuchs-Eishockey wieder eine erstklassige Adresse.

 

Nicht zuletzt könnten die SCL Tigers entweder die Zusammenarbeit mit dem SC Langenthal auf allen Ebenen intensivieren, oder aber die Huttwil Falcons wieder aufleben lassen. Es dürfte kein grosses Problem darstellen, diese recht zügig, vermutlich sogar per Verbandsbeschluss als Farmteam in der NLB zu integrieren.

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