Zweites Eisfeld: Die Einsprache ist eingereicht

Und das hat Folgen!

Die angedrohte Einsprache gegen das zweite Eisfeld ist eingereicht und hat gravierende Folgen. Was aus der Sicht des Verbands Markthalle Langnau wie ein doppeltes Sicherheitsnetz aussieht, ist in Tat und Wahrheit ein Schildbürgerstreich.

Blog • • von Bruno Wüthrich

So könnte die zweite Eishalle der SCL Tigers aussehen. Bild: ZVG

 

Im Mittelalter, damals, als man das Schiesspulver noch nicht erfunden hatte, lag mitten in Deutschland eine Stadt, die Schilda hiess, und ihre Einwohner nannte man deshalb die Schildbürger. Das waren merkwürdige Leute. Alles, was sie anpackten, machten sie verkehrt. Natürlich gab es die Stadt nicht wirklich. Aber die erfundenen Geschichten erzählen von Dingen, die schief liefen, weil sich die Bürger von Schilda dämlich anstellten. Davon abgeleitet, nennt man heute vieles, das in der Politik schief läuft, Schildbürgerstreich.

 

So wie beispielsweise der Vorstand des Verbandes Markthalle Oberes Emmental. Ihnen reichte die Sicherheit, dass die Markthalle erst abgerissen werden kann, wenn sie dazu Ja sagen, nicht. Es musste zu dieser 100-prozentigen, durch nichts zu erschütternden Sicherheit noch ein zweites Sicherheitsnetz gespannt werden. Dieses zweite Sicherheitsnetz soll die Einsprache gegen das geplante zweite Eisfeld neben der Ilfishalle sein, die fristgerecht am Montag dieser Woche eingereicht wurde. Es ist die einzige Einsprache gegen das Projekt.

 

Damit legen die Schildbürger (pardon, der Vorstand dieses Verbandes) dem Initiator des zweiten Eisfeldes, Peter Jakob, ein rechtes Ei. Wir unterstellen keinerlei böse Absicht. Schliesslich waren ja auch die Schildbürger keineswegs böse Menschen, sondern einfach irgendwie ein bisschen hohl in der Birne. Ein hohles Oberstübchen wollen wir aber den wackeren, auf doppelte oder dreifache Sicherheit bestehenden Vorständen des Verbandes Markthalle Oberes Emmental nicht unterstellen. Doch viel überlegt haben sie sich mit ihrer Aktion nicht.

 

Peter Jakob stinkhässig

Derzeit weilt Peter Jakob geschäftlich in Asien, wo ich ihn für eine Stellungnahme erreichte. Er war – man kann es nicht anders sagen - „stinkhässig“. «Das Projekt wird dadurch verzögert und eventuell sogar gefährdet», führt der VR-Präsident der SCL Tigers aus. «Ich kann erst Investoren suchen, wenn ich ein genehmigtes Projekt habe. Dies habe ich nicht, so lange eine Einsprache offen ist. Ergo muss ich die Bemühungen um die Finanzierung vorerst auf Eis legen.»

 

Wie der erste, nicht genannt sein wollende Informant (siehe den FANTIGER-Artikel vom 20. Juli) schliesst auch Jakob nicht aus, dass hinter der Taktik der Markthallen-Betreiber die Gier nach Geld steckt. «Natürlich geht es in erster Linie um den idealen Standort einer neuen Markthalle. Doch vermutlich soll jetzt noch ein hübscher Batzen Geld zusätzlich fliessen. Mir kommt das Vorgehen vor, als wolle man mich weich kochen.»

 

Auch mit der Politik sei es derzeit mühsam, moniert Jakob. Wie bereits die Berner Zeitung berichtete, fehlt die Euphorie für dieses Projekt. Auch die Baukommission legt dem Vorhaben Steine in den Weg. In der Antwort auf eine Voranfrage heisst es: 1.) für die Markthalle muss ein neuer Standort gefunden werden und durch die Ablösung des Baurechts dürfen der Gemeinde keine Kosten entstehen. 2.) Falls zudem beim Bau der geplanten unter­irdischen Einstellhalle Altlasten im Erdreich saniert werden müssen, sind die Kosten von der Bauherrschaft zu tragen.

 

Vor allem bei Letzterem (2.) darf man getrost und verwundert fragen: Weshalb denn? Seit wann ist so etwas üblich? Zudem: Weiss die Baukommission etwas von Altlasten, denen man sich auf diese Weise bequem und kostengünstig entledigen könnte? Vorsteher der Baukommission ist Walter Sutter. Der Landwirt kandidiert bei den Wahlen im kommenden Herbst für das Gemeindepräsidium. Als Freund der SCL Tigers tut er sich mit diesem Schreiben nicht gerade hervor. Aber das kann natürlich täuschen.

 

Zweites Eisfeld dringend nötig

Wer die Entwicklung im Schweizer Eishockey verfolgt, und seinen Blick nicht nur auf Langnau richtet, stellt fest, dass die Konkurrenz bezüglich Infrastruktur zügig aufrüstet. Vor allem im Nachwuchsbereich ist mehr Eiszeit dringend gefordert. Dass mit den ZSC/GCK Lions, dem EVZ mit seiner Accademy und dem SC Bern drei Organisationen im Nachwuchsbereich führend sind, die über mehr als ein Eisfeld verfügen und sich deshalb über Eiszeit nicht beklagen können, ist kein Zufall. Die SCL Tigers, die sich gerne als Ausbildungsklub präsentieren würden, geraten gerade im Bereich «eigener Nachwuchs» immer mehr ins Hintertreffen. Und dies, obwohl im Rahmen des Möglichen hervorragende Arbeit geleistet wird. Holt Langnau nicht auf, ist die Existenz der SCL Tigers in der obersten Spielklasse auf lange Sicht gefährdet.

 

Auf lange Sicht ist eben nicht das Gleiche wie im Sommer 2012, als die alte Ilfishalle dringend saniert werden musste. Wie nötig diese Sanierung war, sieht man allein schon aus den Geschäftsabschlüssen der SCL Tigers, die zum vierten Mal hintereinander einen Gewinn ausweisen werden. In der alten Halle war dies unmöglich, und es wäre auch heute noch völlig ausgeschlossen. Weil die SCL Tigers wegen Mängeln an ihrer Spielstätte unter Druck standen, und weil 2011 völlig überraschend die bisher einzige Qialifikation für die NLA-Playoffs realisiert werden konnte, entstand in Langnau, oder besser gesagt rund um die SCL Tigers und ihr Vorhaben Sanierung der Ilfishalle eine richtige Euphorie.

 

Die Sanierung der Ilfishalle war ein Projekt, das in kürzester Zeit realisiert werden konnte, weil es unmittelbar, also sofort nötig war. Der Zeithorizont «auf lange Sicht» für die möglichen Folgen bei Nichtrealisierung des zweiten Eisfeldes will mir nicht so recht gefallen. Weil es nämlich trügerisch ist. Trügerisch deshalb, weil es suggeriert, dass das Projekt ja nicht gar so dringend sein kann. Aber dies ist völlig falsch gedacht. Weil es nämlich nach dessen Vollendung mehrere Jahre dauern wird, bis ein Rückstand im Nachwuchsbereich wieder aufgeholt ist. Für junge Spieler ist der Weg nach Zug zur EVZ-Academy (die von EVZ-Sportchef Reto Kläy, einem Langnauer initiiert wurde) nicht weit. Dort werden die jungen Spieler auch betreut und kommen eventuell zu Gasteltern. Eis steht genügend zur Verfügung, und der Schritt in die NLA erfolgt über das eigene Farmteam. Die SCL Tigers haben nicht nur kein Farmteam, sondern eben auch kein zweites Eisfeld. Also gleich ein doppeltes Handicap. Jedes Jahr, das zusätzlich gewartet werden muss, bis ein zweites Eisfeld zur Verfügung steht, ist ein Jahr, in dem der Rückstand grösser wird (werden kann), und das Aufholen in nützlicher Frist schwieriger wird. Für die Nachwuchsabteilung ist es also ein (fast) verlorenes Jahr.

 

Wenn Langnau seine SCL Tigers auch in zehn Jahren noch in der NLA spielen sehen will, muss jetzt, - so rasch als möglich, - für die nötige Infrastruktur im sportlichen Bereich gesorgt werden. So, wie dies Peter Jakob und seine Freunde im Verwaltungsrat tun möchten. Die Zeit drängt.

 

Deshalb ist die Einsprache der Markthalle-Betreiber ein Schildbürgerstreich. Ein Schuss in den Rücken von Peter Jakob. Und ein Schuss ins eigene Bein für den Markthallen-Verband! Man stelle sich vor, die SCL Tigers kämen wegen dieser fragwürdigen, weil völlig unnötigen Aktion in Schwierigkeiten.

 

Es gilt jetzt, zusammen zu halten. Der jetzige Standort der Markthalle ist – das hört man auch aus bäuerlichen Kreisen – nicht ideal. Findet sich ein idealer, neuer Standort, ergibt sich eine klassische Win-Win – Situation. Da muss nicht noch zusätzliches Geld fliessen. Wir sitzen alle im gleichen Boot.

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