Urs Willen: «Ende März legen wir los» 

Die Planung für die Sanierung und Erweiterung der Ilfishalle läuft auf Hochtouren. Beim Gesamtprojektleiter Urs Willen laufen die Fäden zusammen.

Presse • • von Wochen-Zeitung, Bruno Zürcher


Die Wände des Baubüros in der Ilfishalle sind mit Plänen tapeziert. Wöchentlich finden hier Bausitzungen statt. Geleitet werden diese meist durch Urs Willen (65). Der Gesamtprojektleiter ist ausgebildeter Bauführer und zudem Sozialarbeiter.

Herr Willen, ist dieses Bauprojekt auch für Sie ein aussergewöhnliches?
Ich habe schon an etlichen anspruchsvollen Projekten mitgewirkt, aber das Eisstadion ist wohl in verschiedenster Hinsicht die grösste Herausforderung.

Eine der Herausforderungen ist sicher die knapp bemessene Zeit.
Das Bauprogramm ist sehr, sehr gedrängt. Vor dem eigentlichen Bau­start, Ende März, können wird nur wenige bauliche Vorarbeiten ausführen. Beispielsweise werden entlang der Ilfis die Fundamente für die neuen Dachstützen betoniert werden.

Sie wollen Ende März mit den Arbeiten beginnen. Was passiert, wenn die SCL Tigers ihre Saison dann noch nicht beendet haben?
Wir brauchen ein verbindliches Start-Datum, damit wir im Herbst rechtzeitung den Eisbetrieb aufnehmen können. Für den Fall, dass es zu einer Terminkollision mit den SCL Tigers kommt, müssen diese eine Lösung finden. Sicher ist, dass die Spiele nicht in Langnau ausgetragen würden.

Was wird dann im Frühling und Sommer alles gebaut?
Als erstes wird die Curlinghalle abgerissen, damit zügig mit dem Aushub und dem Bau für die Einstellhalle begonnen werden kann. Dann wird die Tragkonstruktion für das Hallendach hochgezogen, anschliessend der Eventbau. Alleine der Baumeister wird mit rund 60 Arbeitern anrücken. Gleichzeitig wird mit dem Bau der Haustechnik-Anlage begonnen. Dann wird auch am neuen Dach gearbeitet. Für die grosse Dachfläche sind nur drei Wochen eingeplant. Am 13. Oktober 2012 muss die Anlage betriebsbereit sein; dann findet im Ilfisstadion-«Edelrohbau» das erste Spiel der Saison statt. Die Bauarbeiten werden dann weitgehend eingestellt.

Ein durchdachter Ablauf ist das eine. Wie lassen sich die Arbeiten noch beschleunigen?
Indem wir viele vorfabrizierte Elemente verbauen: Holzträger für das Dach, vorfabrizierte Betontreppen, Dachelemente… Weiter werden wir auch an Samstagen bauen sowie morgens zeitig beginnen und abends etwas länger arbeiten.

Welche Probleme haben sich besonders als Knacknuss erwiesen?
Die Logistik ist so eine Knacknuss. Wir haben sehr wenig Platz weil die Halle zwischen der Ilfis und den umliegenden Gebäuden ziemlich eingeklemmt ist. Damit die Lastwagen die Waren auf die Baustelle bringen können, aber auch Viehtransporter zur Metzgerei Reber und zur Markthalle gelangen können, wurde nun für die Bauzeit ein Einbahnregime vereinbart. Glücklicherweise haben sich alle Nachbarn damit einverstanden erklärt. Damit die Lastwagen um die Ilfishalle fahren können, werden die drei Krane extra auf Portale gestellt, unter denen die Fahrzeuge verkehren können.

Sie haben sehr umfangreiche Abklärungen getroffen, um möglichst alle Unsicherheiten zu eliminieren.
Wir haben beispielsweise Probebohrungen gemacht, um Höhe und Nachfluss des Grundwassers bestimmen zu können. So nahe an der Ilfis ist Grundwasser ein grosses Thema. Aufgrund der Ergebnisse entschieden wir, die Einstellhalle weniger tief zu bauen. Weiter haben wir den ganzen Bau auf Asbest untersuchen lassen. Solche Sanierungen können ein Bauprogramm erheblich verzögern. Glücklicherweise hat sich das Problem als vernachlässigbar erwiesen.

Sie scheinen mit den Planungs­arbeiten zufrieden zu sein.
Wir sind soweit, wie dies das Programm vorsieht. Es war vom ganzen Planungsteam bereits eine Riesen­leistung, dass innert zehn Wochen alle Unterlagen für das Baugesuch erarbeitet werden konnten.

Sie amten als Gesamtprojektleiter, was ist genau ihre Aufgabe.
Gemeinsam mit Lilian Schönauer vertrete ich die Bauherrschaft in sämtlichen Belangen und bin zugleich Gesamtprojektleiter. Diese Aufgabe umfasst das Überprüfen des Masterplans, der Kosten, Koordinationen, Kommunikation nach Innen und nach Aussen sowie die Leitung der Steuerungsremien. Im Planungsgremium arbeiten zwei Architekturbüros, Vertreter von Behörden und Fachstellen sowie diverse Fachplaner mit – vom Statiker über den Sicherheits-Ingenieur bis zum Akustiker. Ich stelle in dieser Gruppe eine grosse Begeisterung und ein noch grösserer Einsatzwille fest.

Die Planung läuft auf Hochtouren, dabei ist die Baubewilligung noch gar nicht erteilt.
Wir haben schlicht nicht die Zeit, um abzuwarten, bis die Baubewilligung vorliegt. Den Entscheid, ob wir durchstarten oder das Vorhaben abbrechen, werden wir Mitte Dezember fällen.

Welche Fragen müssen Sie zum ­Projekt oft beantworten?
Nachbarn wollten etwa wissen, wie viele Anlässe im neu gebauten Event­raum stattfinden werden. Auch das Parkieren wurde öfter angesprochen.

Was haben Sie geantwortet?
Für den Saal haben wir ein Bewirtschaftungskonzept erarbeitet. Was das Parkieren anbelangt, haben wir im Umkreis von 900 Metern 2500 Parkplätze. Dies und andere Sicherheitsfragen werden in einem entsprechenden Konzept aufgezeigt. Es ist absolut zumutbar auf der Kniematte zu parkieren und dann zum Stadion zu marschieren. Bei anderen Stadien sind die Parkplätze weiter entfernt.

Besuchen Sie Spiele der SCL Tigers?
Ich schaue mir seit Jahren SCL-Spiele an. Ich bin auf dem Weg, ein eingefleischter Fan zu werden.

Warum engagieren Sie sich für das Bauprojekt – Geld war wohl nicht die einzige Motivation.
Nein, das Geld war nicht der Hauptgrund. Alle in der Planungsgruppe haben bisher für wenig Geld viel geleistet.Ich wurde von Peter Jakob angefragt, ob ich den Job übernehmen möchte. Ich finde seine Vision, etwas Nachhaltiges für das Emmental zu schaffen, sehr beeindruckend. Ausserdem finde ich solche Klimmzüge – wie dieses Projekt einer ist – ganz einfach spannend. Es geht mir nicht um die 1. Mannschaft. Die jungen «Giele» sollen sich auf dem Eis austoben können.

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