Weshalb finden die Spieler der SCL Tigers die richtige Einstellung nicht?

Was – bitte schön – soll das?

Der Start in die erste NLB-Saison seit 16 Jahren verläuft weiterhin nicht wunschgemäss. Dabei gibt vor allem die Einstellung der Spieler zu denken. Entweder überschätzen sie ihr Talent, oder sie unterschätzen die Liga. Beides ist fatal!

Blog • • von Bruno Wüthrich

 

5'160, 4964 und 4'584 – das sind die Zuschauerzahlen der ersten drei Spiele der SCL Tigers. Dies ergibt einen Schnitt von 4'903. Der zweitplatzierte dieser Statistik, der SC Langenthal kommt auf einen Schnitt von 3'146 und profitiert dabei vom ausverkauften Spiel gegen die SCL Tigers. Die Langenthaler starteten zudem mit einem Heimspiel gegen den Erzrivalen EHC Olten. Demgegenüber hatten die Tiger in ihren drei Heimspielen noch keinen NLB-Topshot als Gegner. Thurgau, letzte Saison als 10. mit lediglich 26 Punkten, La Chaux-de Fonds als 6. im biederen Mittelfeld platziert, und Visp, als Tabellenletzter ins Emmental gereist, können kaum zu den Publikumsmagneten gezählt werden. Damit lägen die Langnauer in der NLA Statistik immerhin vor dem EHC Biel, den Lakers und dem Verbands-Hätschelklub und TV Lieblingsverein HC Davos. Doch in allen drei Heimspielen wurden die Zuschauer in der Ilfishalle nicht verwöhnt. Jedes dieser Spiele war bezüglich Leistung diskutabel.

 

Gut, die Doppelrunde zum Saisonstart wollen wir nicht gross kritisieren. Denn dass nach dem souverän gewonnenen Startspiel in Pruntrut beim Heimspiel gegen den HC Thurgau die defensive Disziplin verloren ging, haken wir unter Lernprozess ab. Wohl wissend, dass die zu offensive Ausrichtung vor allem der Verteidiger bereits in diesem Spiel hätte ins Auge gehen können. Die Thurgauer waren jedoch zu keiner Zeit in der Lage, die ihnen gewährten Freiheiten auszunützen, und die Langnauer grüssten nach zwei Spielen mit nur einem einzigen Gegentreffer als verlustpunktfreier Leader. Doch die vielen Kontermöglichkeiten der Ostschweizer hätten den Langnauern zu denken geben müssen. Bereits da hätte jeder Spieler begreifen müssen, dass die Messlatte in der NLB offenbar deutlich höher liegt, als sie dies angenommen hatten. Denn immerhin hätte bereits das erste Heimspiel der Saison gegen einen harmlosen Gegner mit einem ersten Punkteverlust oder gar in einer Niederlage enden können. Aber wer will es den vielen jungen Spielern verdenken, dass sie nach dem Startspiel ohne Gegentreffer im nächsten Spiel, das sie auf allen Ebenen dominierten, etwas gar sorglos agierten.

 

Auch das Spiel in Langenthal kritisieren wir nicht. Denn da erbrachten die Tiger ihre bisher beste Saisonleistung. Dass diese Leistung in die Niederlage führte, kann immer wieder mal vorkommen. Dass da auch gewisse Unzulänglichkeiten eine Rolle spielten, lassen wir mal aussen vor. Bezüglich Einstellung mussten sich die SCL Tigers in diesem Spiel nichts vorwerfen lassen. Aber jetzt kommts:

 

In den Heimspielen gegen den HC La Chaux-de-Fonds und gegen den EHC Visp fehlte es – wie bereits im Spiel gegen den HC Thurgau – an der richtigen Einstellung. Gegen die Neuenburger fehlte die Bereitschaft zum Tempo- und Körperspiel. Nach diesem Spiel bemängelte Coach Tomas Tamfal diesen Umstand. «Nein, ich bin gar nicht zufrieden. Da muss mehr kommen. Vor allem das erste Drittel war sehr schlecht. Ich erwarte mehr Tempo und mehr körperliche Präsenz, dafür weniger Fehler. Meine Spieler waren zum Teil sehr leichtsinnig.» Auch seine Schlussfolgerung und seine Forderung waren unmissverständlich: «Wir wissen, dass sämtliche Teams gegen uns besonders motiviert sind. Aber ich erwarte einfach von meinen Spielern, dass sie dies annehmen und entsprechend konzentriert spielen.»

 

Schade, dass die Spieler die Lektion gegen La Chaux-de-Fonds nicht begriffen, und gegen den EHC Visp erneut ihrer grossen Verantwortung nicht gerecht wurden. Die Leistung gegen die Oberwalliser war ebenso miserabel wie peinlich. «Das können wir nicht bringen. Das war eine Frechheit, und es tut mir leid für das Publikum», gab ein sichtlich verärgerter Sandro Moggi nach dem Spiel zu Protokoll. Die Langnauer scheiterten dabei nicht an Unvermögen, sondern eindeutig an der völlig mangelhaften Einstellung. Zuerst ging gegen den völlig harmlosen EHC Visp noch alles gut. Trotz einer wenig überzeugenden Darbietung gingen die Langnauer bis zur Spielmitte mit 3:0 in Führung, und es «drohte» der nächste Sieg trotz ungenügender Leistung. Doch danach schossen die Emmentaler den Vogel ab. «Wieso wir derart den Faden verloren, ist mir unerklärlich. Mir fehlen dazu wirklich die Worte. Klar ist, dass derzeit viele von uns nicht das spielen, was sie sollten. Und dies muss sofort ändern», analysierte der Top-Scorer der Tiger.

 

Publikumsverarschung

Fast 5'000 Zuschauer kamen in den bisherigen drei NLB Heimspielen der Tigers in die Ilfishalle. Zahlende Zuschauer! Sie sind geil auf Eishockey. Gutes Eishockey! Leidenschaftliches Eishockey! Siegreiches Eishockey! Eishockey, in dem die Mannschaft ihre Grenzen sucht, Entwicklungsprozesse beschreitet und sich ständig verbessert. Eishockey, in dem die Mannschaft wichtiger ist als der einzelne Spieler! Die Unternehmensführung der SCL Tigers hat versprochen, den Wiederaufstieg in die NLA  unverzüglich anzustreben und raschmöglichst zu realisieren. Dies ist ein Versprechen hinsichtlich der Leistungsbereitschaft (wir tun alles dafür, dass dieses Unterfangen gelingt). Diesem Versprechen sind die Spieler, die Mannschaft verpflichtet. Es ist kein Versprechen hinsichtlich des Zeitpunktes, an welchem das Unterfangen gelingt.

 

Das Publikum marschiert so zahlreich auf, weil es teilhaben will an diesem Prozess. Weil es von Anfang an dabei sein will beim «Projekt Aufstieg». Und nun sieht es eine Mannschaft, die weder mit dem Kopf noch mit dem Herzen bei der Sache ist. Das geht nicht! Das kann nicht sein! Wir fragen uns, was das soll? Sehen die Spieler – sieht die Mannschaft ihr Publikum nicht? Fühlen die Spieler – fühlt das Team die Verantwortung gegenüber dem Publikum nicht? Wie kommt es zu derart ungenügenden Leistungen, deren Ursprung nicht im Können, sondern im Wollen liegen?

 

Fast 5'000 Zuschauer pro Spiel. - Sie haben ein Anrecht darauf, dass die Spieler auf dem Eis ihre bestmögliche Leistung abzurufen versuchen. Dass die Mannschaft Spiel für Spiel ihr Bestes gibt. Nicht mehr und nicht weniger. Siege können nicht verlangt werden, aber diese ergeben sich von selbst, wenn die Mannschaft ihre bestmögliche Leistung erbringt. Genau dies ist gefordert. Alles andere ist Publikumsverarschung!

 

Verantwortung in mehrfacher Hinsicht gefordert

Die SCL Tigers müssen nicht jetzt in Form sein. Meisterschaften werden im Frühling entschieden. Aber um in der entscheidenden Phase (im Frühjahr) Topleistungen erbringen zu können, muss die Mannschaft einen Entwicklungsprozess durchlaufen. In der aktuellen Verfassung überstehen die SCL Tigers nicht einmal die Viertelfinals der NLB-Playoffs. Dieser Entwicklungsprozess muss sofort beginnen und mit aller Ernsthaftigkeit beschritten werden. Andernfalls werden die Langnauer in der entscheidenden Phase der Saison keine Chance haben. Mit der Einstellung, die einige Spieler derzeit an den Tag legen, wird dies nichts. Die SCL Tigers sind nicht der SCB, der den grossen Teil einer Saison mit Arroganz und Minimalismus bestreiten kann, dabei ohne Probleme genügend Punkte sammelt für die Playoff-Qualifikation, und der danach in den Playoffs den Hebel umstellen, und die Meisterschaft gewinnen kann. Die SCL Tigers sind gerade erst abgestiegen und somit das Verliererteam der Nation. Davon müssen sie sich erstmal befreien. Dazu braucht es in erster Linie gute Leistungen in Serie. Und die Bereitschaft, aus «heilsamen» Niederlagen oder Punktverlusten, und sogar aus Siegen die Lehren zu ziehen. Spiele, aus denen das Team hätte Lehren ziehen können, waren die Partien gegen Thurgau, Langenthal und La Chaux-de-Fonds. Aber das Spiel gegen den EHC Visp hat gezeigt, dass die Bereitschaft, Lehren zu ziehen, derzeit komplett fehlt. Es wird «geschöggelet» und viele versuchen, sich irgendwie selbst in Szene zu setzen. Es wird für die Galerie gespielt und nicht für das Team. Denn wäre dies anders, wäre es nie und nimmer zu der peinlichen und in ihrer Entstehung nicht anders zu erklärenden Niederlage gegen den EHC Visp gekommen.

 

Wir fordern die unbedingte Bereitschaft des ganzen Teams, immer wieder die Lehren zu ziehen – auch aus siegreichen Spielen! Wir fordern die Bereitschaft aller Spieler, für die Mannschaft leidenschaftlich zu kämpfen, und dabei das Team, und nicht sich selbst in den Vordergrund zu stellen! Eishockey ist ein Mannschaftssport. Und die SCL Tigers sind ein Team der NLB, das in die NLA will!

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