Weiterkämpfen, weiterspielen, weiterbilden

Gegen seinen Ex-Klub Bern will Philipp Rytz mit den SCL Tigers einen weiteren Schritt aus der Krise machen. Der 28-jährige Langnau-Spieler ist auch abseits des Eises ambitioniert.

Presse • • von Berner Zeitung, Philipp Rindlisbacher

Als langjähriger NLA-Spieler ist sich Philipp Rytz gewohnt, ab und zu in Zeitungen oder im Fernsehen zu erscheinen. In den letzten Wochen war sein Konterfei indes auch in Berner Bussen, Trams und auf Plakatwänden zu sehen. Flankiert von zwei Frauen, lächelt er elegant gekleidet von einem Werbebanner der Bildungsinstitution Akad (Akademikergemeinschaft für Erwachsenenbildung). In der Organisation erlangte der 28-Jährige im Sommer die Berufsmaturität.

 

Ideen für die zweite Karriere

Er habe sich an den Plakaten amüsiert, erzählt der Langnauer Verteidiger, «ich wurde oft darauf angesprochen, auch von Teamkollegen». Aufgedrängt hat sich der Profi freilich nicht, den ungewohnten Ruhm mit einer Endnote von über 5 jedoch durchaus verdient. Anderthalb Jahre dauerte die Ausbildung, einmal pro Woche musste er nach Bern zur Schule. «Es war ein Fernstudium, basierte auf Eigenverantwortung», erzählt Rytz. Zum Lernen zwingen musste er sich aber nicht, er war vielmehr dankbar für die geistige Herausforderung. «Über all die Jahre hat sich bei mir ein Wissensdrang aufgestaut.»

 

Rytz hatte schon seit geraumer Zeit geplant, sich weiterzubilden. «Ich habe eine Frau und zwei Kinder – ich stehe also in der Verantwortung.» Als Eishockeyspieler könne er finanziell nicht aussorgen, deshalb brauche er Ideen für die Zeit nach der Karriere. «Vor allem junge Spieler denken zu wenig an ihre Zukunft, bei mir war das auch der Fall.» Im Wissen, dass es gute Jobs «nicht wie Sand am Meer» gibt, liebäugelt der gelernte Polymechaniker mit dem Beginn eines Studiums.

 

Erinnerungen an den SCB

Nun gut, Priorität hat bei Philipp Rytz nach wie vor das Eishockey – mittelfristig wird das auch so bleiben. Unlängst hat er einen neuen Kontrakt bis Ende der Saison 2014/2015 unterschrieben; es war die erste Vertragsverlängerung, welche die SCL Tigers bekannt gaben. Das habe ihm geschmeichelt, erzählt der Seeländer, welcher in Langnau wohnt und sich wohl fühlt. «Meinem Selbstvertrauen hat das gut getan.» Es gebe keinen Spieler, der in den letzten, sportlich sehr unbefriedigenden Wochen nicht an sich gezweifelt habe, versichert Rytz. Der dreifache Nationalspieler seinerseits überzeugte selten; ihm mangelt es heuer an Konstanz, mit –17 weist er teamintern die drittschwächste Plus-/Minus-Bilanz auf.

 

Der Weg aus der Krise führe über den Kampf, den beherzten Auftritt beim 4:0-Sieg vom Dienstag gegen Ambri bezeichnet der Verteidiger den auch als «ersten wichtigen Schritt». Unter dem neuen Cheftrainer Alex Reinhard habe sich die Trainingsintensität erhöht, «wir müssen mehr laufen». Heute (19.45 Uhr) duellieren sich die Emmentaler in der Postfinance-Arena mit dem überaus formstarken SCB. Rytz spielte drei Jahre für die Stadtberner, stemmte 2010 den Meisterpokal in die Höhe. Mit den ehemaligen Teamkollegen Philippe Furrer und Travis Roche steht er nach wie vor in Kontakt. Ein Langnauer Erfolg wäre gewiss eine riesige Überraschung – Philipp Rytz hätte aber bestimmt nichts dagegen, wieder vermehrt als Eishockeyprofi auf sich aufmerksam zu machen.

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