HC Genf Servette - SCL Tigers 4:0 (2:0, 2:0, 0:0)

Wer die Chancen nicht nutzt, geht unter!

Wer nichts zu jubeln hat, nimmt ein Bild aus besseren Tagen: Genf Servette tat, was Langnau hätte tun müssen. Es verwertete die Torchancen, die sich ihm boten besser. So wurde trotz Chancenpluss im ersten Drittel für die SCL Tigers am Ende ein deutlicher Sieg für die Gastgeber. Doch bei den Emmentalern stimmte nicht nur die Offesnive nicht.

Spielbericht • • von Bruno Wüthrich

 

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Die SCL Tigers hatten heute nichts zu jubeln. Das Bild ist von einem andern Spiel. Bild: Susanne Bärtschi (Archiv)

 

Die Leistungen der SCL Tigers gegen den HC Ambri-Piotta (4:2), den EHC Biel (5:2) und im ersten Spiel gegen Gottéron (5:2) waren formidabel, diejenige gegen Gottéron im zweiten Spiel trotz Niederlage ganz passabel, - aber was die Langnauer heute Donnerstag Abend in Genf boten, war schlicht und ergreifend schlecht. Scheinbar ambitionslos ergaben sie sich in die Niederlage gegen einen keineswegs übermächtigen Gegner. Der Berichterstatter wagt sich zu behaupten, dass die Langnauer die Genfer mit einer Leistung wie gegen Ambri, Biel oder Gottéron mehr oder weniger problemlos bezwungen hätten. Doch irgendwie waren sie nicht zum Siegen aufgelegt. Dies trotz des Umstandes, dass ihnen die Genfer zu Spielbeginn extrem entgegen kamen. Bereits nach sieben Minuten wurde die zweite kleine Strafe gegen die einheimischen ausgesprochen. Situationen, in denen die Langnauer durchaus hätten in Führung gehen können. Aber schön der Reihe nach.

 

Betrachtet man die Torchancen, welche sich den SCL Tigers im ersten Drittel offenbarten, bzw. die sich natürlich heraus spielten, könnte man zu der Erkenntnis gelangen, die Langnauer seien in diesem Abschnitt permanent im Vorwärtsgang und pausenlos am Drücker gewesen. Bereits in der 4. Minute vergab Chris DiDomenico, die Tigers spielten in Überzahl, eine Grosschance. Sogar zwei Möglichkeiten hatte der Tigers-Topscorer, den Puck über die Linie zu buxieren. Gleiches Powerplay, eine Minute später: Auch Sandro Moggi vergibt in guter Position. In der 15. Minute, unmittelbar nach dem Führungstreffer der Genfer, liess wiederum Sandro Moggi eine tolle Chance ungenutzt. Gut eine Minute später tankte sich Dan Weisskopf vor das gegnerische Tor, scheiterte jedoch. Und auch in der 17. Minute vergab ein Tiger trotz bester Möglichkeit. Diesmal war es Yannick Lennart Albrecht, der Sekunden nach dem 2:0 der Genfer auf Zuspiel von Nils Berger allein vor Servette-Hüter Robert Mayer auftauchte. Somit hatten wir eine seltsame Konstellation nach dem Startdrittel. Das Team, welches wesentlich mehr fürs Spiel tat, führte zwar mit 2:0 Toren. Bis hierher noch alles richtig. Aber die Mannschaft, welche mehr Torchancen für sich verbuchen konnte, nutzte keine einzige davon und lag folgerichtig im Rückstand. Apropos Gegentore. Den Schuss in der 15. Minute von Matt D'Agostini aus spitzem Winkel liess Damiano Ciaccio beim nähern Pfosten passieren. Solche Schüsse hat er in den letzten Spielen fast blind gehalten. Gegen das 2:0 kaum zwei Minuten später von Jeremy Wick wäre wohl jeder Torhüter machtlos gewesen. Die Kombination über Ex-Tiger Arnaud Jacquemet und Jim Slater ging der Langnauer Hintermannschaft schlicht zu schnell. Der Torschütze kam im Slot völlig frei zum Schuss und drückte direkt ab. «Nach sieben Minuten waren wir nicht mehr auf dem Platz», analysierte der enttäuschte Tigers Coach Benoît Laporte.

 

Zu Beginn des Mitteldrittels waren es aber die Tiger, die mächtig aufs Tempo drückten und ihren Gegner in dessen Drittel einschnürten. Zu nennenswerten Gelegenheiten kamen sie indes nicht. In der 26. Minute kassierte Damiano Ciaccio eine kleine Strafe wegen Spielverzögerung. Die Langnauer konnten scheinbar die Situation bereinigen, blieben jedoch im Vorwärtsgang wegen eines ungenauen Zuspiels hängen und wurden prompt erwischt. Wenn im Boxplay plötzlich zwei Gegner allein vor dem Torhüter auftauchen, wurde definitiv etwas völlig falsch gemacht. Das 3:0, geschossen von Tom Pyatt auf Zuspiel von Kevin Romy, war bereits die frühe Entscheidung in dieser Partie. Wie wenn es für dieses Urteil noch eine Bestätigung gebraucht hätte, erzielten die Genfer aus einer unübersichtlichen Situation heraus in der 32. Minute das 4:0. Torschütze war Floran Douay. Hierzu eine Bemerkung:

 

Der Verband benachteiligt die Zuschauer im Stadion

Strittige Szenen dürfen auf dem Grossbildschirm (Würfel) in den Stadien nicht gezeigt werden. Dies ist extrem ärgerlich und in keiner Weise kundengerecht. Im Gegenteil: Im Vorteil ist, wer die Spiele zuhause am Bildschirm betrachtet. Dies kann es nun wirklich nicht sein. Die Zuschauer in den Eishallen sind mindestens gleichwertig zu behandeln. Das vierte Tor der Genfer durch Floran Douay fiel aus einen aus Sicht vieler Zuschauer (und auch der Berichterstatter) unübersichtlichen Situation. Das Tor wurde auch nach seiner Anerkennung nicht mehr gezeigt.

 

Fazit: «Wir hielten uns nicht an das vorgegebene System, und arbeiteten zu wenig hart», erklärte Verteidiger Yves Müller die enttäuschende Leistung seiner Mannschaft. Bei den Langnauern stimmte am heutigen Abend zu vieles nicht. Die Genfer wären zu schlagen gewesen. Bis zur Sicherung des Sieges machten diese nämlich alles andere als einen überzeugenden Eindruck. Wie denn auch. Vor diesem Spiel lagen die Platzherren lediglich drei Punkte vor den Gästen. Hüter Robert Mayer machte zudem im Startdrittel keinen stilsicheren Eindruck. Doch danach wurde er kaum mehr geprüft, weil die Tiger das Feuer einstellten. Es schien, als wäre Waffenstillstand, an welchen sich Servette nicht immer hielt. Fatal war natürlich der erste Gegentreffer, der klar zu Lasten von Damiano Ciaccio ging. Er erwischte nach vier starken Leistungen in Folge einer seiner schwächeren Abende (verschuldete auch die Strafe, die zum 3:0 führte). Doch eben: Die Niederlage lediglich an den verpassten Torchancen oder am Torhüter festmachen zu wollen, wäre zu kurz gedacht. Das Powerplay ist seit langem (meistens) ungenügend. Entweder man spielt zu langsam oder zu unpräzise. An schlechten Abenden wie heute ist sogar beides der Fall. Unterirdisch ist das doppelte Überzahlspiel. Was normalerweise in ein Tor (oder zumindest in ständige Torgefahr) münden sollte, ist bei den SCL Tigers ein richtiges Trauerspiel. Die Pässe kommen auch in diesen Situationen nicht an. Servette überstand jedenfalls seine 77 Sekunden dauernde doppelte Überzah, ohne ein einziges mal in Hektik zu verfallen oder sich auch nur ein Bisschen beeilen zu müssen.

 

 

HC Genf Servette - SCL Tigers 4:0 (2:0, 2:0, 0:0)

 

Les Vernets, Genf, 5'981 Zuschauer. SR: Massy/Fonselius, Fluri/Kovacs. Tore: 15. D'Agostini (Romy) 1:0. 17. Wick (Slater, Jacquemet) 2:0. 27. Piatt (Romy, Ausschluss Ciaccio) 3:0. 32. Douay 4:0. Strafen: 5-mal zwei Minuten gegen Genf-Servette, 7-mal zwei Minuten gegen die SCL Tigers.

 

HC Genf-Servette: Mayer; Fransson, Vukovic; Mercier, Loeffel; Bezina, Iglesias; Antonietti; Pedretti, Romi, D'Agostini; Rod, Pyatt, Riat; Jacquemet, Slater, Wick; R. Gerber, Kast, Douay; Rubin.

 

SCL Tigers: Ciaccio (ab 31.52 Punnenovs); K. Lindemann, Hecquefeuille; Koistinen, Currit; A. Gerber, Weisskopf; Ronchetti, Müller; Nüssli, DiDomenico, Murray; Haas, Gustafsson, S. Moggi; Bucher, Albrecht, Berger; T. Gerber, Chiriaev, Wyss.

 

Bemerkungen: Servette ohne Bays, Picard, Almond, Lombardi, Traber (alle verletzt)Chuard, Heinimann (überzählig). SCL tigers ohne Clark, Stettler, Bärtschi, C. Moggi, Zryd (alle verletzt), Gossweiler, S. Lindemann (überzählig). Ab 32. Minute Ivars Punnenovs für Damiano Ciaccio. 43. Pfostenschuss Slater (bei Powerplay SCL Tigers).

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