So lange Biel auf einem der beiden letzten Ränge liegt:

Weshalb man sich in Langnau (noch) keine Sorgen machen muss

Trotz Rang 12 herrscht Ruhe rund um die SCL Tigers. Coach Benoît Laporte steht kaum in der Kritik. Weil die Langnauer ihr Publikum in der heimischen Ilfishalle gut unterhalten, macht sich niemand Sorgen. Doch ob zu Recht oder zu Unrecht, hängt vom EHC Biel ab.

Blog • • von Bruno Wüthrich

Benoît Laporte bereitet dem Langnauer Publikum mit der Art und Weise, wie er sein Team auftreten lässt, viel Freude. Er steht deshalb trotz Rang 12 nicht in der Kritik. Doch es lohnt sich, genau hinzusehen. Bild: Peter Eggimann

 

Mit 1:2 verloren die SCL Tigers das Auswärtsspiel beim Meisterschaftsfavoriten ZSC Lions. Was normalerweise zu Recht eine Ehrenmeldung sein müsste, gibt Anlass zur Sorge. Denn die knappen Niederlagen nehmen beängstigende Ausmasse an.

 

Sieben Siege aus 23 Spielen, eigentlich eine alles andere als berauschend Bilanz. Dazu lediglich zwei Punktgewinne bei Niederlagen in der Overtime. Dass daraus der letzte Rang resultiert, ist nicht verwunderlich. Doch in Langnau musste man mit einer schwierigen Saison rechnen. Die Art und Weise, wie die SCL Tigers in der heimischen Ilfishalle auftreten, gibt Anlass zur Freude. Nicht einmal das Debakel-Drittel vom 20. November gegen den HC Davos (0:4 nach 16 Minuten) sorgte in Langnau für heisse Köpfe. Weil sich das Team von Benoît Laporte danach nicht hängen liess, ging das Publikum trotz der 3:6 Niederlage einigermassen relaxt und zufrieden nach hause. Der Coach, den vor der Saison noch niemand wollte, wird derzeit kaum angezweifelt.

 

Dabei wird ein Faktum übersehen, welches eigentlich schwer zu denken geben müsste. Doch zuerst zum Erfreulichen. Von den 23 Spielen waren insgesamt deren 13 sehr eng. Eindeutiig waren die Spiele gegen den SCB (away 1:7), Lausanne (home 3:1) den EVZ (away 0:5), den EHC Biel (away 5:2), Gottéron (home 5:2), Servette (away 0:4), die ZSC Lions (away 3:6), den HCD (home 6:0), erneut den EHC Biel (home 7:0) und den HC Davos (home 3:6). Die SCL Tigers, die mit der desaströs anmutenden 1:7 - Niederlage in Bern in die Meisterschaft starteten, gewannen von den zehn Spielen mit eindeutigem Ausgang deren fünf, also genau die Hälfte. Dies ist für einen Aufsteiger eine sehr gute Bilanz!

 

Weitaus schlechter sieht es beim Rest der Spiele aus. 13 Partien mit Langnauer Beteiligung nahmen einen knappen bis sehr knappen Ausgang. Von diesen 13 Parien vermochten die Tiger jedoch nur gerade deren zwei zu gewinnen. Diese Bilanz muss zu denken geben. Denn hier steckt eindeutig der Wurm drin. Denn in Partien mit klarem Ausgang nimmt das Geschehen oft bereits früh einen entsprechenden Verlauf. Der Puck fällt mehrheitlich auf die eine Seite. Der Verlierer hat so eigentlich gar keine echte Chance. Doch bei den knappen Spielen haben jeweils beide Equippen eine echte Siegchance. Wenn man also von den Spielen, in denen eine echte und gute Siegchance vorhanden war, ganze 85 Prozent verliert, muss man sich Gedanken machen. In der entscheidenden Phase der Saison könnten die engen Partien den Ausschlag geben. Es ist sogar zu vermuten, dass es genau so sein wird. Dann wird es wichtig sein, dass in solchen Spielen die Siege erzwungen werden können. Dies ist bei den SCL Tigers derzeit viel zu wenig der Fall.

 

Bei all der guten Unterhaltung, die den Zuschauern in Langnau zuteil wird, dürfen wir uns den klaren Blick nicht vernebeln lassen. Die SCL Tigers befinden sich in einer ungemütlichen Lage. Zwei, drei Siege von Ambri und Biel bei gleichzeitigen Niederlagen der Langnauer, und die Tiger haben den Kontakt zu Rang 11 in der Tabelle verloren. Spätestens dann genügen gute Heimspiele mit vereinzelten Siegen nicht mehr.Spätestens dann wird auch die Mentalität der Mannschaft zu leiden beginnen.

 

Es muss also Benoît Laporte ab sofort besser gelingen, mit seiner Mannschaft auch die engen Spiele zu gewinnen. Andernfalls wird er rasch in die Kritik und auch unter grossen Druck geraten. Die Führung der SCL Tigers darf sich ob der guten Zuschauerzahlen und den unterhaltsamen Heimauftritten den Blick nicht vernebeln lassen.

 

Und doch: So lange der EHC Biel auf einem der beiden letzten Ränge liegt, besteht in Langnau zu Recht grosse Hoffnung auf den Ligaerhalt. Denn bei einer Playout-Finalserie gegen die Seeländer sind ungeachtet der erzielten Punkte die Langnauer Favorit. Denn die Spielweise von Kevin Schläpfers Team liegt den Emmentalern. Zu dieser Erkenntnis verhilft uns nicht der 7:0 Heimsieg der Tiger, denn da war der EHC Biel in der Krise (die, wie wir wissen, noch nicht bewältigt ist). Dieser Sieg war lediglich die Bestätigung des ebenfalls deutlichen 5:2 Sieges in Biel. Damals waren die Bieler noch nicht in der Krise.

 

Doch sollte sich der EHC Biel von den letzten beiden Plätzen verabschieden, und sich gleichzeitig die Bilanz der SCL Tigers bei den engen Spielen nicht verbessern, ist höchste Alarmstufe angesagt.

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