Telefon mit Oskar

Wie mir Oskar die Freude verdarb

Die SCL Tigers überraschten gestern gegen Abend mit der Mitteilung, dass die Verträge mit Bengt-Ake Gustafsson und Peter Andersson verlängert wurden. Mit Genugtuung wurde die Kunde von den Fans aufgenommen. Doch mein Bekannter Oskar trübte mit kritischen Fragen meine Freude.

Blog • • von Bruno Wüthrich

 

Oskar V2Freudig vernahm ich die Kunde von der Vertragsverlängerung von Bengt-Ake Gustafsson und Peter Andersson. Denn immerhin haben beide ein enormes Fachwissen und verfügen über grosse Ausstrahlung. Bengt-Ake war als Headcoach von Schwedens Nationalmannschaft 2006 Olympiasieger und Weltmeister. Und zusammen mit seinem Assistenten Peter war er als Spieler sowohl 1987 wie auch 1991 ebenfalls Weltmeister. Dass Bengt-Ake auch Clubs zum Erfolg führen kann, bewies er in Färjestad, wo er 2002 den Schwedischen Meistertitel feierte. Wer ein derartiges Palmares hat, kann in Langnau nicht fehl am Platze sein. Fast hätte ich ein Gratulations-Mail an die Verantwortlichen gesandt. Aber gerade, als ich es tun wollte, klingelte mein Handy, denn Oskar rief mich an und fragte: «Du, weisst du, weshalb die SCL Tigers jetzt schon mit Gustafsson verlängert haben?» - «Na, das liegt doch wohl auf der Hand...», entgegne ich – von der Frage etwas überrascht – stockend. - «Erkläre es mir», forderte Oskar. «Nun ja.» antwortete ich, «ein Mann mit derartigen Referenzen und mit so viel Ausstrahlung...» - «Ja, aber wieso bereits jetzt?, insistierte Oskar. «Dafür gibt es doch keinen Grund. Er hat ja mit Langnau noch nichts erreicht.» - «Ja gut, das hat mich auch überrascht», entgegne ich, wohlweislich verschweigend, dass ich eigentlich ein Gratulations-Mail habe schreiben wollen. Schliesslich will ich mich, der ja auf FANTIGER-online ständig seine Artikel und Einschätzungen schreibt, auch nicht da stehen wie der letzte Trottel. Inzwischen war ich nämlich ins Grübeln gekommen. Denn das, was Oskar mit seinen Fragen sagen will, ist nicht ganz von der Hand zu weisen.

 

Der neue Coaching-Staf mit Bengt-Ake Gustafsson und Peter Andersson hat zwar durchaus Fortschritte in die Mannschaft gebracht. Das Team ist heute an guten Tagen defensiv stabil und nach vorne produktiv. Auch wenn dies noch nicht bewiesen ist, so scheint es, dass jeder Gegner geschlagen werden kann. Aber den Bandengenerälen gelingt es bisher nicht, die immer wieder auftretenden «Nicht-Leistungen» dieser Mannschaft abzustellen. Es sollte doch eine Selbstverständlichkeit sein, dass jeder Spieler dieses Teams zwei Mal in der Woche eine Leistung abruft, die den Langnauer Anhang zufrieden stellt. Das Publikum ist längst so fachkundig, dass es weiss, dass nicht jedes Spiel gewonnen werden kann. Es akzeptiert auch Niederlagen, wenn sich das Team mit aller Kraft dagegen gestemmt hat. Fünf Niederlagen vor heimischem Publikum kassierten die Langnauer bisher. Jedes Mal vor einer für NLB-Verhältnisse beeindruckenden Kulisse. Mit Ausnahme der Niederlage vor Wochenfrist gegen den EHC Olten waren die Leistungen bei den verlorenen Heimspielen jeweils unterirdisch. Völlig klar: Für solche «Nicht-Leistungen» muss sich jeder Spieler an der eigenen Nase nehmen. In der Verantwortung steht jedoch auch der Coach. Und so lange derart leidenschaftslose Auftritte wie derjenige von gestern Abend gegen Visp, oder derartige Undiszipliniertheiten wie im bereits erwähnten Spiel gegen Olten nicht abgestellt werden, heisst es für das ganze Team inkl. Coaching-Staff: Nicht erfüllt!

 

Wieso werden da nicht disziplinarische Massnahmen ergriffen, frage ich mich. Jetzt wäre doch noch Zeit dafür. Die Playoffs werden wir deswegen nicht verpassen. Es kann doch nicht sein, dass bereits zwei Mal in dieser Saison fast der ganze erste Block gegen Ende eines Spiels (in Basel, gegen Olten) auf der Strafbank oder bereits in der Kabine sitzt. Es kann doch nicht sein, dass ein Team mit für NLB-Verhältnisse viel Talent – schliesslich will man ja aufsteigen – mit Abstand am meisten Strafminuten aufweist. Dies notabene ohne besonders hart zu spielen. Und wie kann es sein, dass das Publikum mit derartigen Leistungen wie diejenigen gegen Basel, Visp oder Olten einfach so ungestraft beschissen werden darf?

 

Solche Gedanken wirbeln mir durch den Kopf und machen mich ganz meschugge. Aber längst ist mir klar, dass ich das mit dem Gratulations-Mail wohl vorerst sein lasse. Derweil wettert Oskar: «Die haben wieder einmal keine Ahnung in Langnau. In der Schweiz hätte denen doch jetzt niemand den Gustafsson weg geschnappt. Denn der hatte doch bei seinen letzten drei Stationen auch nicht unbedingt den durchschlagenden Erfolg.» - «Das stimmt», sage ich, und mir gehen die Stationen ZSC Lions, Atlant Mitishchi und Nürnberg Ice Tigers durch den Kopf, die nicht so recht in das sonst edle Palmares eines Olympiasiegers und Weltmeisters passen wollen.

 

Doch es gibt doch diesen bekannten Spruch: «Ein Coach, der noch niemals entlassen wurde, war auch nie Coach.» Es gehört zum Geschäft, dass es nicht überall passt, und dass es zu Trennungen kommt. Dass Bengt-Ake Gustafsson nach Langnau passt, beweist sein erstes Engagement in der Ilfishalle von 1999 – 2001. Doch obwohl ich weiterhin ein gutes Gefühl habe, begreife ich, dass Oskar zumindest mit der Frage recht hat. Denn die SCL Tigers haben doch in den letzten Jahren das eine oder andere Mal unliebsame Überraschungen erlebt mit Coaches, die sie vorzeitig entlassen mussten. «Zum Glück haben wir in Allmendingen oben einen, der die Entlassung bezahlt, sollte sie denn einmal nötig werden», meint Oskar, inzwischen wieder etwas besänftigt.

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