Watson, Klaus Zaugg

Wieso der SC Bern nach der Jahrhundertpleite seine Spieler mit Langnau tauschen sollte

Der Meister SC Bern verliert das bisher wichtigste Spiel der Saison gegen Aufsteiger Lausanne 1:3. Eine Jahrhundert-Pleite. Es wird Zeit, strategisch zu denken.

Presse •

 

Um diese schmähliche SCB-Heimniederlage gegen Lausanne einzuordnen, müssen wir weit, weit zurückblicken. Schlimmer war es nur im Frühjahr 1996. Damals verloren die Berner das dritte Finalspiel gegen Kloten auf eigenem Eis 1:5 und mussten dem Gegner den Titel überlassen.

 

Am Freitag hätte sich der SCB mit einem Sieg die Playoffs praktisch (noch nicht theoretisch) sichern können. Zügig, aber ohne Hast hätte Cheftrainer Lars Leuenberger ab sofort die Playoff-Vorbereitungen an die Hand nehmen können.

 

Lausanne mit dem Ersatzgoalie

Die Spieler wussten also um die Wichtigkeit der Partie. Mehr noch: Lausannes Cheftrainer Heinz Ehlers stellte Christophe Bays (22) ins Tor. Also die Nummer 2. Stanley-Cup-Sieger und Aufstiegsheld Cristobal Huet wurde geschont. «Wir haben das schon Anfang Januar so geplant», begründet Sportdirektor Jan Alston die Torhüterstrategie. «Wir haben im Januar so viele Spiele, dass wir beide Goalies einsetzen müssen.» Und Ehlers ergänzt: «Einmal müssen die Jungen gegen die grossen Teams spielen. Warum also nicht gleich in Bern?»

 

Lausanne in Bern mit dem Ersatzgoalie – und der SCB ohne Chance (und ohne eine Sekunde Eiszeit für Ivo Rüthemann). Lausannes vermeintlicher Operetten-Goalie sang dem SCB eine Abwehr-Arie und wehrte 96,15 % der Schüsse ab.

 

«Kleiner Lars, was nun?»

Dieses 1:3 gegen Lausanne zeigte eindrücklich auf, dass es auf Dauer beim SCB ohne richtigen Trainer nicht geht. Gegen die Kloten Flyers sausten und brausten die Berner am letzten Samstag noch zu einem 6:0-Triumph. Aber Kloten ist ein Team, das Eishockey spielt und taktisch keine grossen Schwierigkeiten macht. Da kommt eine Mannschaft mit so viel Substanz wie der SCB an einem guten Abend auch freihändig zu einem schönen, bäumigen Sieg.

 

Aber Lausanne arbeitet Eishockey. Keine anderen Trainer der Liga machen aus so wenig spielerischer Substanz so viel wie Heinz Ehlers und sein Assistent John Fust. Wer dieses gut organisierte Lausanne knacken will, braucht Geduld, taktische Schlauheit, cleveres Coaching, einschüchternde Härte und höchste Disziplin. Alles, was dem SCB fehlte. Und es passt ins Bild, dass das entscheidende 0:3 während eines SCB-Powerplays fiel.

Der SCB hat diese Saison unter Lars Leuenberger achtmal in Serie gewonnen. Aber jetzt ist die Erleichterung über den Abgang von Antti Törmänen verflogen und der Alltag eingekehrt. Kleiner Lars, was nun? Er sagte zwar trotzig: «Champions stehen nach eine Niederlage wieder auf und wir sind Champions.» Aber selbst wenn in Lugano eine heftige Reaktion mit Sieg erfolgen sollte: Die Zustände in der sportlichen Abteilung des SC Bern sind ganz einfach unhaltbar geworden.

 

Stars in die Provinz, junge Langnauer in die NLA

Es wird Zeit, an einen Masterplan zu denken. An die grösste Verschwörung in der Geschichte des Schweizer Sportes. Sollte der SCB in die Abstiegsrunde geraten (was nicht mehr ganz auszuschliessen ist), so sollte wenigstens ein Maximum aus der tristen Situation gemacht werden. Die Stadtberner würden so oder so die Abstiegsrunde mit so viel Reserve auf den zweitletzten Platz (und das Playout-Finale) in Angriff nehmen, dass sie es sich leisten könnten, Marco Bührer, Beat Gerber, Martin Plüss, Ivo Rüthemann, Tristan Scherwey oder Joël Vermin per sofort vorübergehend nach Langnau zu transferieren, um den Emmentalern zum Aufstieg zu verhelfen.

 

Im Gegenzug könnten die Langnauer junge Spieler wie Remo Giovannini (22), Remo Schlapbach (21), Alban Rexha (21), Simon Sterchi (19) und Raphaël Kuonen (21) nach Bern entsenden, damit sie sich dort wieder an die NLA gewöhnen. Schliesslich waren ja die ehemaligen meisterlichen SCB-Titanen Andreas Beutler und Gaetano Orlando bereits 1998 die Leitwölfe beim letzten Langnauer Aufstiegsteam. Kritik oder gar eine Untersuchung der Liga wären nicht zu befürchten – schliesslich ist Raphaël Konen der Bub von Verbands-Vizeboss Pius-David Kuonen.

 

Natürlich wird dieser raffinierte Masterplan nicht umgesetzt. Selbst einem so grossen Strategen wie SCB-General Marc Lüthi wird ein solcher Plan nicht in den Sinn kommen. Aber bereits die Tatsache, dass so etwas von einem objektiven, neutralen Chronisten gedacht wird, zeigt, wie tief der SCB sportlich inzwischen gesunken ist.

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