Berner Zeitung, Marco Oppliger

«Wir haben genug Kompetenz»

Die SCL Tigers haben zuletzt dreimal in Serie verloren. Trotzdem stärkt Geschäftsführer Wolfgang Schickli Coach Tomas Tamfal den Rücken. Für ihn steht der Trainer nicht zur Diskussion.

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Wolfgang Schickli, was läuft im Moment falsch bei den SCL Tigers?
Wolfgang Schickli: Falsch läuft im Moment nur der Sport. Aber neben dem Eisfeld entwickeln wir uns zu einer sehr guten Unternehmung. Aber klar: Was auf dem Eis abgeht, ist entscheidend. Der Verwaltungsrat hat ja auch eine Strategie definiert, der Klub soll in zwei bis drei Jahren aufsteigen, wir von der operativen Leitung möchten sofort wieder in die NLA. Die Erwartungshaltung ist sehr gross. Man muss aber auch sehen, dass die SCL Tigers fünfzehn Jahre in der NLA spielten und dabei 14-mal in die Playouts mussten.

 

Jetzt gehören die Tigers allerdings zu den Favoriten...
...einzelne Spieler merken nun, dass sie diese Liga vielleicht unterschätzt haben. Dann gibt es Spieler, die mit diesem Team abgestiegen sind; ich behaupte, dass das noch in ihren Köpfen drin ist. Dann hat man Spieler, die letztes Jahr siebter Verteidiger waren und nun eine tragende Rolle übernehmen sollten. Sicher haben wir im Moment eine Baisse. Deshalb müssen wir nun härter spielen. Und wir müssen den Gegner auch ernst nehmen, bescheidener werden.

 

Sie sagen, dass einige Spieler die NLB unterschätzt haben. Das sollte nicht passieren.
Das ist so. Es ist aber menschlich, dass die Spieler, die aus der NLA kommen, das Gefühl haben: Hey, ich bin ein NLA-Spieler. Es braucht nun viel Selbstkritik. Ich bin extrem erfolgsorientiert. Vielleicht ist es mein Fehler, dass ich als Geschäftsführer mit Äusserungen zu hohe Erwartungen geweckt habe. Wir sind in der NLB nicht die Könige, wir sind jetzt an einem Punkt angelangt, an dem wir uns über kleine Erfolgserlebnisse zurück auf den richtigen Weg bringen müssen. Sicher wollte ich drei Punkte gegen Basel, nun ist es halt einer. Jetzt müssen wir den Fans aber etwas zurückgeben. Heute (Anm. der Red.: Das Interview wurde am Donnerstag geführt) stellen wir uns mit dem Projekt «Hautnah» unseren Fans, die uns mit Fragen konfrontieren können.

 

Es dürften keine angenehmen Fragen gestellt werden, oder?
Zu Recht nicht. Im Moment muss man unseren Fans ein grosses Kompliment machen, dass trotz der ungenügenden Darbietungen 4700 gegen Schlusslicht Basel kommen. Sie unterstützen die Mannschaft, auch wenn sie nicht zufrieden sind. Aber als sie natürlich im ersten Drittel geschwiegen haben, war das schon eine Höchststrafe.

 

Das ist ein Alarmzeichen.
Das ist es. Es ist auch ein Alarmzeichen, dass sich nach dem Spiel die Mannschaft nicht bei den Fans verabschieden durfte. Da hatten einige ein Déjà-vu, weil das 3:3 gegen Basel 54 Sekunden vor Schluss fiel, ähnlich wie damals gegen die Lakers in den Playouts. Hätten wir diesen Treffer nicht erhalten, würden wir immer noch in der NLA spielen.

 

Platz sechs nach sieben Runden, das kann für die SCL Tigers, welche das höchste Budget aller NLB-Vereine haben, nicht der Anspruch sein, oder?
Es schleckt keine Geiss weg, dass die Leistungen momentan unter den Erwartungen liegen. Ich glaube aber nicht, dass wir das höchste Budget haben. Von den rund acht Millionen Franken, die genannt werden, gehen knapp dreieinhalb Millionen Franken in die Bereiche Gastronomie und Event. Dann haben wir noch vier Millionen für den Sport, das haben andere Vereine in dieser Liga auch, zum Beispiel Langenthal oder Olten. Diverse Eishockeyexperten haben uns hinter diesen beiden Teams auf Rang drei prognostiziert.

 

Haben Sie schon Gespräche mit Spielern geführt?
Ich führe keine Einzelgespräche mit Spielern. Ich spreche mit dem Spielerrat oder mit dem Leiter der Sportkommission. Entweder er oder der Trainer spricht dann mit den Spielern.

 

Sie kennen Tomas Tamfal noch aus Kloten. Sie haben ihm viel Verantwortung gegeben, so hat er auch keinen Sportchef. Damit konnte er selbst bestimmen, welche Ausländer er wollte.
Das stimmt nicht. Wir haben eine Sportkommission, bestehend aus Tamfal, Teamchef Nick Hess und Elitejuniorencoach Konstantin Kuraschew, die verstehen etwas vom Sport. Dann sind da noch Karl Brügger vom Verwaltungsrat und ich. Die Sportkommission entscheidet, welche Spieler man möchte, dann schaue ich, ob diese finanzierbar sind oder nicht. Und es gab viele, die wir nicht bezahlen konnten. Wir führen intern sehr harte Gespräche.

 

Für Sie hat der Verein also genügend sportliche Kompetenz?
Ja, wir brauchen keinen Sportchef. Wenn wir einen wollen, dann muss er aus den eigenen Reihen kommen. In der Sportkommission hilft uns beispielsweise auch Alfred Bohren aus. Wir haben bei den SCL Tigers genug Kompetenz. Wenn wir jetzt auf den ersten drei Plätzen liegen würden, würde auch niemand nach einem Sportchef schreien, ebenso wenig nach einem Assistenzcoach. Jetzt wird daraus halt eine grosse Geschichte gemacht.

 

Es ist schon nicht alltäglich, dass Assistenzcoach Urs Bärtschi erst nach sieben Runden zum Team stösst.
Aber wir hatten Tamfal bereits im Mai bei uns, als wir noch keine Spieler unter Vertrag hatten. Mit ihm war auch Fitnesscoach Hess da. Die Mannschaft war also nicht führungslos, Tamfal und Hess haben das Sommertraining geleitet, bei anderen macht das normalerweise der Assistenzcoach. Ich wollte einen Assistenten, damit der Coach jemanden hat, um mit ihm über Eishockey zu reden. Deshalb mache ich mir heute auch den Vorwurf, dass ich Tamfal als sein Chef diesbezüglich nicht genügend unter Druck gesetzt habe. Er wollte Kuraschew, weil dieser sich für ihn starkgemacht hatte. Aber wir wollten Kuraschew bei den SCL Young Tigers lassen.

 

Ein anderes Politikum in Langnau sind die Ausländer. Tomas Kurkas Vertrag wurde wegen mangelnder Leistung nicht verlängert, auch Josef Straka spielt nicht gut.
Wir lassen uns deswegen nicht unter Druck setzen, schon gar nicht von aussen. Wir haben unabhängig von den Ausländern genügend Substanz, um unter den ersten drei zu spielen. Wir sind mit Straka auch nicht zufrieden, aber das regeln wir intern. In den ersten Spielen lief es ihm gut, er harmonierte mit Anton Gustafsson. Kurka war dagegen eine schnelle Verlegenheitslösung. Ich hatte einen gewissen Betrag von Juraj Kolniks Versicherung zur Verfügung, um einen Ausländer zu engagieren, nicht mehr.

 

Werden Sie jetzt auf dem Markt noch einmal aktiv?
Wir haben ja jetzt Rob Schremp vom EVZ auf Zusage, es ist noch offen, ob er am Samstag in Olten spielt. Vielleicht spielen wir auch nur mit Schweizern, das entscheidet der Trainer.

 

Will der Trainer denn keinen zusätzlichen Ausländer?
Sein grosses Problem ist die Verteidigung, da sind wir dünn besetzt. Er hätte gerne noch ein, zwei Topverteidiger und einen Ausländer. Doch dafür haben wir kein Geld. Wir gehen davon aus, dass Kolnik im November wieder da ist; was bis dann passiert, ist offen.

 

Tamfal steht nach zuletzt drei Niederlagen unter Druck. Haben Sie ihm ein Ultimatum gesetzt?
Nein. Eine Unternehmung, die einem Trainer in einer solchen Situation ein Ultimatum stellt, setzt ein falsches Zeichen. Das ist einfach unfair, denn er ist ein Teil der Mannschaft.

 

Dann ist Tamfal noch der richtige Coach für die SCL Tigers?
Ja davon sind wir überzeugt. Wenn wir das nicht mehr sind, würden wir mit ihm darüber sprechen. Aber im Moment ist Tomas Tamfal kein Thema.

 

Was erwarten Sie nun am Samstag in Olten von der Mannschaft?
Wenn man die Konstellation beider Teams anschaut, erwarte ich einen kampfbetonten Match. Es treffen zwei Favoriten aufeinander, die nicht gut gestartet sind, und es ist ja eigentlich fast ein Derby. Ich bin überzeugt, dass das Team eine Reaktion zeigt.