Nach Debakel-Medienauftritten:

Wird Hans Grunder alles zu viel?

Die Medienauftritte in den letzten Wochen und die Aussage, von ihm werde kein Geld mehr kommen, geben deutliche Hinweise und werfen trotzdem Fragen auf. Hat Hans Grunder die Nase voll? Hat er den Laden «SCL Tigers» noch im Griff? Zudem: In heiklen Zeiten schiessen Spekulationen ins Kraut. Auf dem Pinboard der SCL Tigers wird Geschäftsführer Heinz Schlatter in Frage gestellt. Und gemäss einer Zeitung sollen einige Spieler auf Schlatter wütend sein. Die gleiche Zeitung stellt sogar die Frage, ob Schlatter eventuell geopfert werde.

Blog • • von Bruno Wüthrich

Zur Erinnerung:

Die SCL Tigers haben eine Unterdeckung in der Bilanz. Deshalb die Kapitalerhöhung.

Die SCL Tigers kürzen ihr Budget um 1,5 bis 1,7 Millionen. Dies aufgrund rückläufiger Sponsoring-Einnahmen, sowie einem (budgetierten) Zuschauereinbruch ins Bodenlose.

 

Die Unterdeckung besteht – gemäss Kommunikation – seit langem. Damit hat CEO Heinz Schlatter nichts zu tun. Die Frage ist erlaubt, weshalb die Kapitalerhöhung erst jetzt vorgenommen wird. Dieser Entscheid liegt alleine bei Hans Grunder. Seine Aussage, dass er die benötigten 700'000 Franken nicht selbst einbringen wird, und die Drohung, dass die Tiger allenfalls in der 1. Liga antreten werden, hat bei den Sponsoren mächtig für Unruhe gesorgt und wird die Tigers möglicherweise viel Geld kosten. Wir haben Weltwirtschaftskrise. Unter diesen Umständen Sponsoren zu finden, ist schwierig genug. Sponsoren mit solchen Aussagen zusätzlich zu verunsichern, ist eine marketingstrategische Todsünde.

 

Seit Heinz Schlatters Antritt bei den SCL Tigers hat Hans Grunder diesem drei von aussen gut sichtbare «Eier» gelegt:

 

1.) Die Gründung der BDP:

Diese könnte die Sponsorensuche massiv erschwert haben. Weshalb ich dies vermute? Ich bin in Sachen Inserate für FANTIGER unterwegs. Ich hatte Absagen mit konkreten, diesbezüglichen Begründungen, welche teilweise sogar mit Beleidigungen «garniert» waren. Dies obwohl es sich beim Herausgeber des FANTIGER um den «Fanclub SCL Tigers», und nicht um die SCL Tigers selbst handelt. Ich selbst gehöre keiner Partei an. Ein prägnanter Satz aus einer mir immer noch vorliegenden E-Mail: «Für einen Klub, welchem der «Verräter» Hans Grunder vorsteht, gibt unsere Firma kein Geld.» Ich füge hier ausdrücklich an, dass ich die BDP-Gründung immer gutgeheissen habe und dies immer noch tue! Aus meiner Sicht gebührt Grunder für die BDP-Gründung höchster Respekt. Aber den SCL Tigers hat diese geschadet!

 

2.) Der Fall Genazzi:

Gemäss nicht dementierten Medienberichten verweigerte Hans Grunder seine Unterschrift auf dem Vertrag. Begründet wurde dies nie. Dementiert ebenfalls nicht. Die Art und Weise der Berichterstattung durch die Medien lässt darauf schliessen, dass Grunder Schlatter ins Offside laufen liess. Ob dabei die erst viel später publizierte Budgetkürzung bereits eine Rolle spielte, ist nicht weiter von Belang. Abstützend auf die Medienberichte: Schlatter wollte, Grunder nicht!

 

3.) Die Kommunikation im Fall «AK-Erhöhung – Budgetkürzung»:

Weshalb hat Hans Grunder auf diese Weise kommuniziert, und dabei derart den Teufel an die Wand gemalt? Welcher Sponsor soll unter derartigen Voraussetzungen einen Vertrag unterzeichnen? Diese Vorgehensweise hat die Sponsorensuche massiv erschwert, und dies in einer Zeit, in welcher das Umfeld schon schwierig genug ist. Und weshalb wird ein derart niedriger Zuschauerschnitt budgetiert? Auch wegen dieser tiefen Annahme ist das Budget so tief angesetzt! Und weshalb weiss Hans Grunder die korrekte Zahl des letztjährigen Zuschauerschnitts nicht? Dieser lag bei 5'800, und nicht bei 5'500! Die Frage muss deshalb erlaubt sein, ob bei einer realistisch budgetierten Zuschauerzahl von 5'200, und dem Verzicht auf den vierten Ausländer überhaupt Lohnkürzungen in diesem Ausmass hätten vorgenommen werden müssen. Auch die Akquisition von Sponsoren wäre unter diesen Umständen leichter gefallen.

 

In einer Zeitung wurde die Frage gestellt, ob Hans Grunder seinen CEO opfern werde, weil einige Spieler wütend auf diesen seien: Die Antwort ist einfach: Grunder muss an Schlatter fest halten, denn wenn er in dieser heiklen Lage auch noch den Geschäftsführer auswechselt, kann er die Tiger gleich beerdigen. Denn bis ein neuer CEO eingearbeitet ist, vergehen Monate. Zeit, welche vor allem an der Sponsorenfront fehlt! Oder steigt Hans Grunder gleich selbst in die Hosen? Er dürfte es aber wegen seiner BDP noch schwerer haben als Heinz Schlatter, Sponsoren zu überzeugen. Es bliebe also Grunder in diesem Fall wohl nur der Ischiasgriff. Die bisher verweigerten 700'000 Franken wären ein lächerlich geringer Betrag im Vergleich zu dem, welcher dann zu bezahlen wäre.

 

Für mich stellt sich viel mehr die Frage, ob Hans Grunder nach der Gründung seiner Partei die nötige Zeit noch erübrigen kann, um das VR-Präsidium bei den SCL Tigers auszufüllen. Dass er die Fähigkeit dazu hat, ist unbestritten. Klar ist: Das VR-Präsidium der Tiger ist kein Selbstläufer. Vor allem, wenn der Verwaltungsrat dezimiert ist. Hans Grunder muss nicht nur die Unternehmung und damit auch seinen CEO kontrollieren, er muss auch strategische Entscheide fällen, welche er zuvor mit seinem Geschäftsführer erarbeiten muss, und repräsentative Aufgaben übernehmen. Grunder wird sich deshalb überlegen müssen, das VR-Präsidium abzutreten. Als Mehrheitsaktionär hätte er auch ausserhalb des VR genügend Einfluss auf das Unternehmen, um im Notfall «Stop» zu sagen oder eine Richtungsänderung vorzugeben.

 

Die SCL Tigers, die Fans und die ganze Region haben Hans Grunder viel zu verdanken. Aber nur, wenn er jetzt keine groben Fehler mehr macht, und das Sport-Unternehmen nicht in den Sand setzt.

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