Das Interview mit Wolfgang Schickli in der Berner Zeitung wirft Fragen auf

Wollen die SCL Tigers überhaupt noch in die NLA?

Es gebe keine Kriegskasse. Die SCL Tigers würden trotz 1'000 Zuschauern mehr pro Spiel als budgetiert einen Verlust schreiben. Richtig zu denken gibt jedoch der Satz von Wolfgang Schickli: «Kaum waren wir an der Spitze mit dabei, wurde ich aber bereits gebeten, Tempo rauszunehmen». Sind die NLA-Pläne Makulatur?

Blog • • von Bruno Wüthrich

Was läuft da im Hause SCL Tigers? Was sollen wir glauben? Gibt es nun eine Kriegskasse? Oder gibt es sie nicht. Dass es eine gegeben haben soll, ist verbürgt. Doch wohin ist sie entschwunden? Und weshalb? Es ist dies nicht die einzige Kommunikationspanne des Langnauer Eishockey-Unternehmens. Zwar bemüht man sich seit Monaten mit «Erfolg», möglichst nur noch mit einer Stimme zu sprechen. Doch dies schützt offenbar nicht vor Widersprüchlichkeiten. Wolfgang Schicklis Aussage, wonach er gebeten worden ist, Tempo raus zu nehmen, kann nicht anders interpretiert werden, als dass er als Geschäftsführer der SCL Tigers zurück gepfiffen wurde. Was bitte schön, soll denn das? Sind dies klare Bekenntnisse zur NLA? Ist da eine klare Aufstiegs-Strategie zu erkennen? Und wovon soll diese abhängig sein? Davon, dass das Bistro 46 nicht so läuft, wie gewünscht? Oder davon, dass das Konzept zur Vermarktung des Tiger-Saales und der Jakob Galerie – so weit vorhanden – noch nicht greift, wie erwartet. Das kann es doch wirklich nicht sein.

 

5'162 Zuschauer pilgerten durchschnittlich zu den bisher 17 Heimspielen der SCL Tigers. Dies sind nicht einmal ganz 200 weniger als in der letzten NLA-Saison, und übrigens nur gerade 215 weniger als in der bisher ersten und einzigen NLA-Playoff-Saison 2010/11. Dieser Zuschauerboom auch in der NLB mag verschiedenen Ursachen haben. Es mag sein, dass viele Fans der SCL Tigers in den letzten Saisons etwas zu wenig verwöhnt wurden mit Siegen, und da ein gewisser Nachholbedarf herrscht. Zwar wurden wir auch in dieser Saison schon einige Male auch in der eigenen Halle bös enttäuscht. Doch anders als in der letzten Saison dürfen die Fans in diesem Jahr vor jedem Spiel mit einem Sieg ihres Teams liebäugeln. Doch dies ist nicht die ganze Wahrheit. Es wurde unmittelbar nach dem Abstieg in Aussicht gestellt, dass alles unternommen werde, damit die SCL Tigers so rasch wie möglich wieder aufsteigen werden. Von einem Zeitraum von drei Jahren war die Rede, in welcher der Aufstieg spätestens realisiert sei soll. Doch die aktuelle Kommunikation zeigt in eine andere Richtung.

 

Tigers-Präsident Peter Jakob sagte in der letzten Printausgabe des FANTIGER, wirtschaftlich sei die NLB für die SCL Tigers keine Option. Und Wolfgang Schickli sagt in der Berner Zeitung: «Früher oder später könnten wir uns in der NLB diesen Apparat nicht mehr leisten.» Diese Aussagen sind nicht anders zu interpretieren, als dass die NLB sich für die Langnauer Eishockeyaner bereits zum heutigen Zeitpunkt nicht rechnet. Wenn Sparkurs angesagt ist, obwohl das Unternhemen pro Spiel 1'000 Zuschauer mehr aufweist als budgetiert, kann doch etwas nicht stimmen. Was, wenn bereits in der nächsten Saison weniger kommen?

 

Selbstverständlich müssen die SCL Tigers ihren Betrieb, und da vor allem ihren Gastro-Bereich optimieren. Und selbstverständlich macht ihnen niemand einen Vorwurf, wenn gerade in diesem Bereich zuerst auch «Lehrplätze» gemacht werden müssen. Aber die Hero AG kann auch nicht einfach 200 Gramm weniger Ravioli in ihre Büchsen füllen, nur weil sie bei den weissen Bohnen ein Defizit macht. Das würden die Kunden nicht goutieren. Ob es die Zuschauer der SCL Tigers goutieren, wenn der Aufstieg nicht wie versprochen so rasch wie möglich angestrebt wird, bleibt abzuwarten.

 

Doch eines ist sicher: Leichter wird der Aufstieg in den kommenden Jahren nicht. Wahrscheinlich ist dies die letzte Saison, in welcher die SCL Tigers mit ernstahften Bemühungen um die Rückkehr in die NLA alleine da stehen. Bereits in der Saison 2014/15 wird der EHC Olten ebenfalls kräftig an der Tür zur obersten Spielklasse rütteln. Und dann ist da auch noch der EHC Visp, welcher einen Stadionneubau auf die Saison 2016/17 plant (Volksabstimmung in diesem Frühjahr), und dessen Geschäftführer Sebastien Pico die NLA-Träume auf diesen Zeitpunkt hin nicht verheimlicht.

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