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Kein Zuckerschlecken gegen Biel und Zug
Harte Prüfsteine für die SCL Tigers in kommender Doppelrunde
Der EHC Biel kämpft verzweifelt um den Einzug in die Playoffs. Für den EVZ geht es um den Sieg in der Qualifikation. Und für die SCL Tigers geht es um das Heimrecht in den Playouts und um den nötigen Rhythmus für die wichtigste Phase der Saison.
Die SCL Tigers haben mit dem Sieg gegen den HC Ambri-Piotta in der Tabelle zu den Leventinern aufgeschlossen. Um sie zu überholen und sich damit das Heimrecht in der bevorstehenden Playout-Serie gegen eben diesen Widersacher zu sichern, benötigen sie in den restlichen Spielen der Qualifikation genau einen Punkt mehr als die Nordtessiner. Wie Tigers-Coach John Fust nach dem Sieg gegen das Team von Kevin Constantine feststellte, ist ihm das Heimrecht gar nicht so wichtig. Er will es in dieser Serie gar nicht erst zu einem 7. Spiel kommen lassen: «Wir brauchen Siege gegen möglichst jeden Gegner, um unsern Rhythmus zu finden und das nötige Selbstvertrauen aufzubauen. Und natürlich wollen wir in der Tabelle so gut wie möglich platziert sein, und der 10. Rang nach 50 spielen ist noch möglich. Das Heimrecht in den Playouts spielt aber eine untergeordnete Rolle.» Im Hinblick auf diese Serie markierten Fusts Boys gegen Ambri auf eindrückliche Weise Präsenz. Ambri erwies sich jedoch auch in diesem Spiel als äusserst zäh, und die Serie ist erst gewonnen, wenn der vierte Sieg im Trockenen ist. Eine Weiterreichung in den Final ist auch für die Langnauer nicht ausgeschlossen. Und da könnte, wenn für die Bieler bis dann alles schief läuft, der Gegner vom kommenden Samstag warten. Es gilt also, auch gegen die Seeländer Präsenz zu markieren. Wenn am Tag darauf auch noch der Tabellenführer bezwungen wird, ist das beste Dopingmittel für gehobenes Selbstvertrauen.
Der EHC Biel am Limit
Dass der EHC Biel zu diesem Zeitpunkt noch um den Einzug in die Playoffs kämpft, und dabei zumindest rechnerisch noch beste Chancen besitzt, verdankt er drei Faktoren: 1.) Torhüter Reto Berra, 2.) Dem unbändigen Kampfgeist, und 3.) dem Schlachtenglück. Alles Faktoren, welche den SCL Tigers in der letzten Saison den sensationellen erstmaligen Einzug in die allerdings kürzest mögliche Ehrenrunde gegen den SC Bern bescherten. Nachdem sich die Bieler zwischenzeitlich sogar 11 Punkte Vorsprung auf den 9. Tabellenplatz erkämpft hatten, zeigt die Kurve mittlerweile stark gegen unten. Mittlerweile liegen die Seeländer auf diesem ungeliebten 9. Rang, und weise 2 Punkte Rückstand auf das auf Rang 8 liegende Servette auf. Aber die Bieler hoffen weiter. Schliesslich hext Reto Berra nachwievor, auch der Kampfgeist ist ungebrochen, und das Schlachtenglück kann immer noch weiter helfen. Zudem kann das Team von Kult-Trainer Kevin Schläpfer noch ein Spiel mehr bestreiten als die Genfer, und haben bei Punktgleichheit dank den Direktbegegnungen die Nase vorn. Trotzdem spielen die Seeländer am Freitag in Fribourg gegen Gottéron und am Samstag gegen die Langnauer darum, ihre ambitionen nicht vorzeitig begraben zu müssen. Zum Vergleich: Die SCL Tigers waren letzte Saison zu diesem Zeitpunkt längst für die Playoffs qualifiziert. Und noch für einen weitere Vergleich dürfen die Tiger her halten. In der Saison 2008/09 wurden die Emmentaler auf der Ziellinie vom EV Zug noch abgefangen und auf den 9. Rang verwiesen. Dies allerdings – im Gegensatz zu Biel in der aktuellen Saison – ohne nachzulassen. Im Gegenteil: Im Vergleich zur ganzen Qualifikation steigerten die Tiger ihren Punkteschnitt pro Spiel in den letzten Partien sogar noch, hatten aber trotzdem keine Chance. Auch dem EHC Biel scheinen die Kräfte noch nicht geschwunden zu sein, denn seit dem Jahreswechsel erspielten sie in 12 Spielen 16 Punkte. Zum Vergleich: Die SCL Tigers kamen in ihren letzten 12 Spielen auf 17 Punkte. Für die Bieler ist jedoch der Vergleich mit Genf viel wichtiger: Das Team von Chris McSorley realisierte seit dem Jahreswechsel in ebenfalls 12 Spielen 22 Zähler.
Für die SCL Tigers kommt das Spiel gegen den EHC Biel zum genau richtigen Zeitpunkt. Für Schläpfers Boys geht es um alles oder nichts. Sie werden fighten, als ginge es gegen den Leibhaftigen persönlich, und Pascal Pelletier & Co. werden mehr noch als gegen Ambri einen Vorgeschmack dessen bekommen, was Überlebenskampf bedeutet und was sie in den Playouts erwarten wird. Die Fust-Truppe wird jedoch nicht nur mitmischen wollen, sondern vehement den Sieg anstreben. Denn es sind gerade die Erfolge in solchen Spielen, welche das Selbstvertrauen bringen, das es für die wichtige Aufgabe danach braucht.
Das Sahnehäubchen gegen den EVZ
Gegen die Innerschweizer gewannen die Langnauer am 28. Januar in der 5. Direktbegegnung in einem tollen und emotional geführten Spiel die ersten beiden Punkte der Saison gegen diesen Gegner. Die aktuellen Tabellenführer pflegen einen intensiven Spielstil, ziemlich genau so, wie ihr Leitwolf Josh Holden zu spielen pflegt. Auch der EVZ ist deshalb ein idealer Gegner, um den Playout-Rhythmus zu finden und sich ideal auf den Überlebenskampf vorzubereiten. Das Umgekehrte gilt natürlich ebenfalls, wobei es sich für die Zuger um die Playoffs handelt, für welche sie den Spielrhythmus finden müssen. Eigentlich schade, dass es die Champions League im Eishockey nicht mehr gibt. Für diese wäre nämlich nebst dem Schweizermeister auch der Qualisieger qualifiziert gewesen. Leicht auszurechnen, was da in den letzten vier Runden auf den ersten drei Rängen los wäre. Zug (91 P), Davos (90) und Fribourg (87) liegen vier Runden vor Schluss lediglich vier Punkte auseinander. Aber so gibt es für den Sieg in der Qualifikation keinen Blumentopf zu gewinnen. Einige Spitzenteams könnten die Natipause dazu genutzt haben, besonders hart zu trainieren, was vorübergehend etwas zu Lasten der Spritzigkeit gehen könnte. Für die SCL Tigers und deren Vorbereitung ist es allerdings besser, wenn dies beim EVZ nicht der Fall ist.
FANTIGER, Bruno Wüthrich