Nach vorzeitigem Saisonende:

Es bleibt viel zu tun in Langnau

Letztendlich spielte es keine Rolle, was vorher war. Der frühzeitige Abbruch der Saison verhinderte eine eventuell aufkommende Spannung im Kampf um den Ligaerhalt. Doch die SCL Tigers müssen sich grundsätzliche Gedanken machen.

Blog • • von Bruno Wüthrich

Seien wir ehrlich und analysieren nüchtern, was geschehen ist. Wie es hätte herauskommen können, wissen wir nicht. Wir wissen nur, dass es auch sehr eng hätte werden können mit dem Ligaerhalt für die SCL Tigers. Für die Langnauer sprach, dass sie Erfahrung haben im Umgang mit derartigen Situationen. Dies haben jedoch die Lakers und der HC Ambri-Piotta ebenfalls. Hier hätte der grosse SC Bern einen nicht zu unterschätzenden Nachteil gehabt. Als einzig Mannschaft hatten sie keinerlei Ahnung, wie es ist, um die Existenz zu spielen. Immerhin hatten aber die Berner fünf Punkte Vorsprung auf Rang 11, der den ungeliebten Playout-Final bedeutet hätte.

Erst mit dem letzten Spiel der Qualifikation (Sieg gegen den EHC Biel) konnten die SCL Tigers die Negativserie stoppen, die sie auf von einem Playoff-Rang auf Platz 11 in der Tabelle gespült hatte. Doch auch die Lakers und Ambri gewannen ihre letzten Partien. Lediglich der SC Bern verlor seine eminent wichtige Partie in Lausanne, die bei einem Sieg sogar noch die Playoff gebracht hätte. Doch aus Langnauer Sicht gilt: Genauso wie eine einzige Schwalbe noch keinen Sommer macht, bedeutet ein einziger Sieg noch keine Trendwende.

Coach, Ausländer, Torhüter und viele Fragen

Fazit: Das Corona-Virus hat uns um den spannendsten Abstiegskampf gebracht, den der aktuelle Modus je hervorgebracht hat. Mit völlig offenem Ausgang. Für die SCL Tigers besonders heikel: Wenn sich der Abwärtstrend fortgesetzt hätte, wissen wir nicht, in welchem Zustand die Mannschaft einen Playout-Final und eine allfällige Ligaqualifikation in Angriff genommen und überstanden hätte. Schauen wir der Situation nüchtern ins Auge, so konstatieren wir, dass mit dieser Mannschaft in dieser Konstellation ein Abstieg durchaus möglich gewesen wäre. Es besteht also immenser Handlungsbedarf.

Die SCL Tigers brauchen einen neuen Coach, weil Taktikfuchs Heinz Ehlers, der Baumeister der erfolgreichen Playoff-Saison 2018/19, das Unternehmen verlässt. Derzeit haben die Langnauer mit dem Finnen Harri Pesonen und dem US-Amerikaner Robbie Earl lediglich zwei Ausländer unter Vertrag. Viel zu klären gibt es nach dem Abgang von Damiano Ciaccio (nach Ambri) auch auf der Torhüterposition, vor allem auch, weil nicht sicher scheint, wie lange Ivars Punnenovs den Emmentalern noch erhalten bleibt. Der Lette mit Schweizer Lizenz hat noch einen Vertrag bis zum Ende der nächsten Saison. Er ist heiss begehrt, könnte beispielsweise ein Kandidat beim SC Bern sein, wo er ab der Saison 2021/22 Tomi Karhunen ersetzen könnte. Ob der 20-jährige Torhüter Gianluca Zetta, der von der EVZ Academy zu den SCL Tigers stösst, den erfahrenen Ciaccio tatsächlich ersetzen kann? Was, wenn Punnenovs einmal längere Zeit ausfällt?

Und der Sportchef?

Gedanken machen müssen sich die Langnauer aber auch über ihren Sportchef. Marco Bayers Ruf in Langnau ist angeschlagen, seit der Verwaltungsrat auf ein Interview, das Bayer im Dezember 2019 der Berner Zeitung gegeben hatte, nicht eben souverän reagierte. Der Tigers-Sportchef gab damals zu Protokoll, dass sich der Kanadier Chris DiDomenico mit Leistungen aufdrängen müsse, wenn er eine Vertragsverlängerung wolle. Zu viel für «DiDo», der daraufhin beleidigt bei Gottéron unterschrieb, obwohl an die Öffentlichkeit gedrungen war, dass der Verwaltungsrat seinen Sportchef angewiesen hatte, sofort das Nötige zu veranlassen, um die Vertragsverlängerung zu besiegeln. Zu spät! DiDomenico hatte bereits Nägel mit Köpfen gemacht, und Bayers Ruf, der in Interview nur sagte, was ein Sportchef sagen dürfen muss, war zerstört. Zu retten ist da eigentlich nichts mehr, zumal auch das Verhältnis zu Coach Heinz Ehlers nicht das Beste gewesen sein soll.

Wichtig ist aber, dass der Sportchef mit dem Trainer kann. Deshalb sollte die Causa Sportchef in Langnau definitiv geklärt sein, bevor ein neuer Trainer eingestellt wird. Marco Bayer soll eine Offerte vom Verband haben. Gleichzeitig haben sich Pascal Müller und der Verband im gegenseitigen Einvernehmen getrennt. Müller, ein Ex Tiger, war in Kloten bereits erfolgreich als Sportchef tätig, und wäre nun also frei. Auch Langenthals Sportchef Kevin Schläpfer ist ein Ex Tiger. Er gehörte zu der Mannschaft, die 1998 in die höchste Spielklasse aufstieg und hat aus dieser Zeit immer noch viele Freunde in Langnau. Schläpfer hat als Sportchef (und später als Coach) den EHC Biel jahrelang erfolgreich geführt. Er hat in Langenthal eine Ausstiegsklausel, die es ihm erlaubt, ein Angebot aus der National League anzunehmen.

Und die Nachwuchsförderung?

Wir wollen es einfach der Vollständigkeit halber nochmals erwähnt haben. Mit einem «Brockenstubenteam» ist es auf mittlere und längere Sicht nicht möglich, gleichzeitig die Klasse zu halten, und sich erfolgreich als Nachwuchsförderer zu präsentieren. Will man mehr als gelegentlich mal einen Nachwuchsspieler nicht nur an die National League heranführen, sondern ihn auch in der höchsten Spielklasse integrieren, muss das Potential der Mannschaft so gut sein, dass ein Coach sich dies erlauben kann. Falls das Potential der Mannschaft gerade eben reicht, um die Klasse zu halten, kann und will es sich ein Coach nicht leisten, Experimente einzugehen. Er kann es nicht, wegen seines Rufes und weil er den Job verliert, wenn er erfolglos ist, und er will es nicht, weil auch er ein Sportsmann ist, in der Regel ein ehemaliger Spieler, der es in sich hat, gewinnen zu wollen. Wenn er nur ausbilden will, muss er in eine Nachwuchsorganisation oder sich vom Verband anstellen lassen. Aber als Headcoach eines Teams aus der National League wäre er am falschen Platz.

Auch hier als Fazit: Wollen die SCL Tigers dereinst mit ihrer Nachwuchsorganisation gutes Geld verdienen, braucht es zuerst halt Investitionen. Und zwar nicht nur in den Nachwuchs allein, sondern auch in die erste Mannschaft. Das heisst, dass die Ausländerpositionen exzellent besetzt sein müssen und es zudem einen kleinen Stamm an Spielern mit Schweizer Lizenz braucht, die ebenfalls auf dem Niveau wie die Ausländer agieren können. Nur so können im dritten und vierten Block immer wieder auch Nachwuchsleute eingesetzt werden.

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