Eero Elo in Langenthal

Fast ein Hockey-Märchen: der traurige Hockey-Prinz in der Provinz

Der freundliche Riese Eero Elo (30) war traurig, weil es im Schweizer Eishockey keinen Platz mehr für ihn hatte. Nun hat sich doch noch ein Türchen geöffnet. Er trifft am Montag in Langenthal ein. Dabei wäre er bei weitem gut genug für die höchste Liga.

News • • von Klaus Zaugg

Eero Elo im Dress der SCL Tigers. Bild: Susanne Bärtschi

 

Er hat die Postur (193 cm/92 kg), das Talent und die Schusskraft für die NHL. Aber einfach nicht Biss und «Bösartigkeit» für die ganz grosse Karriere. Eero Elo ist ein freundlicher, liebenswerter Riese, ein bisschen melancholisch, fast wie ein grosser Bub, der nicht erwachsen werden will und doch schon Familienvater geworden ist. Hätte Finnlands Kult-Regisseur Aki Kaurismäki je einen Hockey-Film gedreht – Eero Ero hätte die Hauptrolle bekommen.

Der bärenstarke Flügel hat eine bemerkenswerte Karriere in der höchsten finnischen Liga (292 Spiele/114 Punkte) hinter sich, bewährte sich zwei Jahre lang recht gut in der KHL (70 Spiele/31 Punkte), wurde von Minnesota gedraftet, spielte aber nie in Nordamerika. Richtig heimisch ist er eigentlich nur in Langnau geworden. Hier hat er in den letzten vier Jahren immerhin 155 Partien bestritten und 105 Punkte gebucht. Letzte Saison ist er bei den Emmentalern als Nothelfer für die letzten 10 Spiele eingesprungen und hat 6 Tore erzielt.

Das Leben im Emmentaler Dorf hat ihm und seiner Familie so gut gefallen, dass er gerne seinen Vertrag in Langnau verlängert hätte. Kein Wunder: Langnau ist auf der Alpennordseite nach Davos der Ort mit den zweitmeisten Sonnenstunden. Das sonnige Wetter zwischen den sanften Hügeln tut gerade im Winter der Seele eines ein bisschen zur Melancholie neigenden Finnen gut.

Aber Langnaus Bürogeneral Peter Müller bleibt unerbittlich: er ist der einzige Geschäftsführer der Liga, der Transfer-Wasser predigt und Transfer-Wasser trinkt: Virus-Krise, weniger Einnahmen, Sparkurs. Punkt. Schluss. Er erlaubt seinem Sportchef Marc Eichmann zumindest jetzt noch nicht, einen zusätzlichen Ausländer neben Robbie Earl und Ben Maxwell zu verpflichten. Also hat Eero Elo in Langnau keinen neuen Vertrag bekommen und in Finnland auch nicht.

Die Zeiten haben sich halt geändert. Einst konnten ausländische Stürmer mit der Kragenweite von Eero Elo gut und gerne 200 000 Franken Nettolohn plus Wohnung, plus Auto, plus Reisekosten für den Familiennachzug plus Prämien verlangen. Nur die grossen Namen können in diesen unruhigen Zeiten noch auf grosse Saläre hoffen. Aber ein so grosser Name ist Eero Elo halt nicht.

Der freundliche Finne hat viel telefoniert. Er wäre sogar bereit gewesen, im Betrieb eines Investors der SCL Tigers als Hilfsarbeiter tätig zu sein und nebenbei zu spielen. Aber die Langnauer sind konsequent: vorerst kein zusätzliches ausländisches Personal.

Schliesslich hat ein dem Hockey gutgesinnter Beobachter aus dem Emmental eine Idee: frag doch Langenthals Sportchef Kevin Schläpfer. Die Langenthaler haben noch keinen ausländischen Spieler und wer weiss, vielleicht ist da was zu machen. Aber die finanziellen Forderungen müssen bescheiden sein. Der freundliche Beobachter rät, maximal 5000 Franken Salär pro Monat zu verlangen. Das ist ungefähr das, was eine Schreibkraft brutto im SCL-Büro verdient. Wenn er erst einmal in Langenthal sei und bäumig spiele, sei es durchaus möglich, dass er vielleicht im Laufe der Saison doch noch bei Langnau unterkomme. Und vielleicht sogar bei einem anderen Klub im Bernbiet.

Und siehe da: Kevin Schläpfer hat nun beim Verwaltungsrat die provisorische Verpflichtung von Eero Elo durchgebracht. Auf Anfrage und hartnäckiges Nachfragen sagt er leicht unwirsch: «Sorry, aber ich darf nichts sagen. Ich kann die Verpflichtung noch nicht bestätigen. Ich will am Montag zuerst die Leute im Klub und die Mannschaft informieren.» Wenn nicht noch die Langeten wegen Hochwasser durch die Innenstadt umgeleitet werden muss, können wir also am Montag eine Medienmitteilung zur Verpflichtung von Eero Elo erwarten.

Eero Elo kommt nach Angaben von Gewährsleuten für 5000 Franken im Monat zum SCL. Sein Vertrag läuft, so heisst es weiter, von Monat zu Monat. Bleibt er die ganze Saison, kostet er den Klub alles in allem nicht viel mehr als 50 000 Franken. Damit bleibt er weit, weit unter dem von Präsiden Gian Kämpf intern verordneten «Salary Cap» von 100 000 Franken. In Langenthal darf ausser Kult-Captain Stefan Tschannen keiner mehr als 100 000 Franken verdienen.

Nie hat es in der Neuzeit in der zweithöchsten Liga einen Ausländer mit einem besseren Preis-Leistungsverhältnis gegeben als Eero Elo. In der Abmachung mit den Langenthalern hat der ehemalige finnische Junioren-Internationale eine Freigabeklausel für die National League. Wenn er erst den Rost aus den Gelenken trainiert hat, ist er gut genug für ein Tor pro Spiel. Im Powerplay waren sein «One Timer» (Direktschüsse) an einem guten Abend auch in der National League «tödlich». Sie werden es erst recht in der Swiss League sein. Wenn er nicht Leonardo Genoni, Reto Berra oder Melvin Nyffeler bezwingen muss. Sondern bloss Robin Zumbühl, Justin Gianola, Sascha Rochow oder Remo Giovannini.

Der SC Langenthal ist in der Swiss League als Meister von 2019 immer noch Titelverteidiger. Ein Titan also. SP-Stadtpräsident Reto Müller möchte als Erbauer des neuen Stadions in die Geschichte eingehen. SCL-Präsident Gian Kämpf hat ihm für diesen Fall schon eine Statue vor dem Stadion versprochen. Die Planungskredite sind vom Volk bewilligt. Das Stadionprojekt in Langenthal mahnt allerdings nach wie vor an das Ungeheuer von Loch Ness: Alle reden davon, aber niemand rechnet damit, es je einmal zu Gesicht zu bekommen.

Soll der neue Hockey-Tempel entgegen allen Erwartungen Wirklichkeit werden, sollte es beim SCL sportlich schon ein wenig rocken. Eine Saison ohne Ausländer wäre gar mager und der Begeisterung abträglich. Eero Elos Traum von einem Engagement in der Schweiz kann in Langenthal doch noch wahr werden. Als Gegenleistung kann er als Hockey-Prinz in der Provinz mithelfen, dass der Stadiontraum in Langenthal wahr wird. Fast ein Eishockey-Märchen.