Langnau kann doch noch gewinnen

Später Ausgleich und Sieg nach Penaltys in Genf

Die SCL Tigers holen sich im vierten Duell gegen den HC Genf-Servette den ersten Sieg. Dabei gleicht Eero Elo die Partie erst 15 Sekunden vor Spielende zum 2:2 aus. Damit verbleiben den SCL Tigers ein paar Hoffnungsschimmer im Rennen um die Playoffs.

Spielbericht • • von Bruno Wüthrich

Grosse Torchance von Chris DiDomenico zum 2:2 - Ausgleich in Unterzahl (31.). Bild: Bruno Wüthrich

 

Ich gebe zu: In meinem Kopf schwirrten schon die Formulierungen herum, mit denen ich die Niederlage der SCL Tigers erklären würde. Mir schwebte vor, darüber zu fabulieren, dass man, wäre die Saison noch jung, sagen würde, die Langnauer seien auf dem richtigen Weg. Es hätte halt einfach diesmal noch nicht ganz gereicht. Mit grosser Berechtigung hätte ich von einer ungerechten Niederlage erzählt, von der ungenügenden Verwertung der zahlreichen Möglichkeiten und von exakt zwei Fehlern zu viel, die im Startdrittel zu den zwei Gegentoren geführt hätten, danach nicht mehr hätten aufgeholt werden können. Und ich hätte mich als Küchentisch-Psychologe betätigt, der erklärt hätte, dass man zwar durchaus eine markante Verbesserung der Mannschaft habe erwarten können, aber dass halt nach einer so schlechten Serie wie zuletzt der Kopf eine Rolle spiele, zumal man ja gegen die Genfer in dieser Saison noch nie gewonnen habe. Und ich hätte darauf hingewiesen, dass der Zug für die Playoffs wohl nun definitiv abgefahren wäre.

Doch es muss immer erst gespielt werden. Oder noch präziser: es muss immer erst bis zum Schluss gespielt werden. Es lief die 59. Minute. Die SCL Tigers hatten längst ihren Torhüter zugunsten eines sechsten Feldspielers aus dem Tor genommen. Die Scheibe lief gut im Genfer Drittel. Eine schöne Kombination über Andrea Glauser und Chris DiDomenico, der für Eero Elo auflegte. Dieser schloss direkt ab, und da war er, der späte Ausgleich 15 Sekunden vor Spielende. Völlig verdient zudem. Und weil Elo neben Yannick Blaser auch im Penaltyschiessen traf, reichte es schlisslich sogar für zwei Punkte.

«Wir haben heute eine geschlossene Mannschaftsleistung gezeigt. Wären wir effizienter gewesen, wären sogar drei Punkte drinn gelegen», fasste Sebastian Schilt das Geschehen zusammen. Gemeinsam mit Yannick Blaser kehrte Schilt nach längerer Verletzungspause in die Mannschaft zurück, und prompt verliehen die beiden erfahrenen Verteidiger der Mannschaft defensive Stabilität. Beide traten gelegentlich auch offensiv in Erscheinung. Es hat halt defensiv schon einiges gefehlt, als gleich beide ausgefallen waren.

Bereits zu Beginn der Partie wurde offenbar, dass die Tiger gewillt waren, alles daran zu setzen, endlich wieder Fuss zu fassen. Bereits in der 1. Minute prüfte Jules Sturny mit einem Schuss in die entfernte tiefe Torecke Genfs Torhüter Gauthier Descoux. In der 2. Minute traf Pascal Berger nur den Pfosten, und lediglich eine Minute später verpasste Blaser ganz knapp. Doch auch die Genfer waren stets gefährlich. Dabei waren es nicht unbedingt zwingende Torchancen, die sie sich erarbeiteten, aber mit ihren oft direkt abgegebenen Schüssen brachten sie Ivars Punnenovs im Langnauer Tor des Öftern ins Schwitzen. Trotzdem fiel der Führungstreffer der Genfer eher überraschend. Nach einem Scheibenverlust der Langnauer in der Offensivzone schaltet Servette schnell um. Elioth Berthon wird auf der linken Seite nicht angegriffen und setzt seinen Schuss präzise in die entfernte Torecke. Doch in der 13. Minute gelingt der Ausgleich. Federico Lardi schiesst, und Toms Andersons staubt ab. Die Langnauer sind wieder im Spiel. Doch in der 19. Minute der Schock. Aus dem Nichts heraus und völlig unbedrängt befürdert Loic In-Albon die Scheibe ins Niemandsland. Dort behändigt sich ihrer Noah Rod und lässt danach Ivars Punnenovs keine Chance. Es war der letzte Treffer bis Erro Elos Ausgleich 15 Sekunden vor Spielende.

Auf dem Weg dorthin versiebten die Langnauer eine ganze Reihe von guten Möglichkeiten. Nolan Diem (23.) Toms Andersons (25.), Chris DiDomenico in Unterzahl (31.) oder Ben Maxwell mit seinem Abschluss aus bester Positio im Slot (52.) sind nur einige Beispiele von vergebenen Torchancen. Tanner Richard hatte allerding in der 54. Minute ebenfalls eine hervorragende Möglichkeit, als er mit viel Platz und Zeit auf Ivars Punnenovs zusteuerte, aber allein vor diesem die definitive Entscheidung nicht realisiern konnte.

Dieser Sieg ist wichtig für das Gemüt der Langnauer. Und er bedeutet, dass im Kampf um die Playoffs noch nicht alles verloren ist. Aber es braucht jetzt ausnahmslos Leistungen wie diejenige in Genf, am besten mit noch etwas besseerer Effizienz im Abschluss. Dann machen es die Tiger aus ihrer Sicht zumindest noch einmal spannend. Es gilt auch in der Meisterschaft genau das, was auch in dieser Partie in Genf galt: Es muss immer erst gespielt werden.

 

 

HC Genf-Servette - SCL Tigers 2:3 n.P. (2:1, 0:0, 0:1)

Les Vernets, Genf, 5'707 Zuschauer. SR: Stricker/Tscherrig, Progin/Cattaneo. Tore: 7. Berthon 1:0. 13. Andersons (Lardi) 1:1. 19. Rod 2:1. 60. (59.45) Elo (DiDomenico) 2:2. Strafen: je 4-mal zwei Minuten.

HC Genf-Servette: Descloux; Tömmernes, Jacquemet; Maurer, Karrer; Le Coultre, Völlmin; Mercier; Winnik, Smirnovs, Miranda; Rod, Tanner, Wingels; Bozon, Kast, Maillard; Douay, Berthon, Wick; Patry.

SCL Tigers: Punnenovs; Leeger, Glauser; Lardi, Erni; Huguenin, Casonau; Blaser, Schilt; Sturny, Maxwell, Elo; Pesonen, Berger, Schmutz; Neukom, Diem, DiDomenico; Kuonen, In-Albon, Andersons.

Bemerkungen: Servette ohne Fehr, Mayer, Riat, Fritsche (alle verletzt). SCL Tigers ohne Earl, Dostoinov (beide verletzt), Gagnon, Grossniklaus (überzählig), Melnalksnis, Rüegsegger, Bircher (Partnerteams). 2. Pfostenschuss Berger. 59.30: Timeout SCL Tigers. SCL Tigers von 58.47 bis 59.45 ohne Torhüter.