Kann das sein?

Langnaus Sportchef macht keine Transfers mehr

Zug hat den SCL Tigers den Defensiv-Verteidiger Claudio Cadonau (31) ausgespannt. Aber Sportchef Marco Bayer holt keinen Ersatz.

News • • von Klaus Zaugg

s war die kurioseste Transfermeldung der letzten Monate. Zug hat Langnaus Claudio Cadonau (227 NL-Spiele/7 Tore) auf nächste Saison verpflichtet. Auch acht Tage nach der Verkündung dieses «Deals» gibt es in Langnau noch immer ungläubiges Staunen. Warum nur? Was ist bloss in Zugs Sportchef Reto Kläy gefahren?

Der Schock über den Verlust hält sich allerdings in ganz engen Grenzen. Ja, Sportchef Marco Bayer sagt: «Wir werden Cadonau nicht ersetzen». Was, keinen Transfer? «Nein, wir machen für nächste Saison überhaupt keine Transfers mehr.» Auch für Dario Meyer, aktuell in Davos überzählig, darum bis Weihnachten nach Zug ausgeliehen hat er kein Musikgehör. «Wir holen keine Stürmer.» Also tatsächlich überhaupt keine weiteren Neuzuzüge mehr auf nächste Saison. «Richtig.»

Auch beim ausländischen Personal gibt es keinen Transfer-Stress. Die Verträge von Topskorer Harri Pesonen und Robbie Earl laufen noch bis zum Ende der nächsten Saison. Wenn keine der beiden Parteien den Vertrag bis Ende Jahr aufkündigt, läuft auch das Arbeitsverhältnis mit Chris DiDomenico bis zum Frühjahr 2021 automatisch weiter. Ein auslaufendes Arbeitsverhältnis haben nur Ben Maxwell und Aaron Gagnon.

Da kommt grad ein bisschen Neid auf. Alle Transfers schon gemacht. Keiner hat es in den nächsten Wochen so schön wie Langnaus Sportchef.

Aber ganz so einfach ist die Sache denn doch nicht. Nun sind Marco Bayer und sein Scout Alfred Bohren oft in den Stadien der Swiss League unterwegs. Die Langnauer haben eine ganze Reihe von Talenten in die zweithöchste Liga ausgeliehen, deren Entwicklung nun aufmerksam verfolgt wird.

Bei der Partie Langenthal gegen Olten waren beispielsweise nicht weniger als sieben Spieler der SCL Tigers im Einsatz, die entweder nach einer Verletzungspause ihre Form wiederaufbauen oder an die NL herangeführt werden. Und Verteidiger Tim Grossniklaus haben die Langnauer den Klotener ausgeliehen. So sparen sie die zwei Millionen, die ein Farmteam kosten würde.

Marco Bayer sagt, es gehe darum, jetzt schon das Team für die übernächste Saison im Auge zu behalten. «Eine ganze Reihe von Verträgen laufen am Ende der nächsten Saison aus. Darum müssen wir uns jetzt schon kümmern.» Angestrebt wird eine vorzeitige Verlängerung der 2021 auslaufenden Kontrakte beispielsweise mit Andrea Glauser oder Ivars Punnenovs.

Also tatsächlich keine Transfers mehr? Kann das sein? Wohl doch nicht ganz. Bis der Puck im September 2020 zum ersten Spiel der nächsten Saison eingeworfen wird, kann noch viel passieren. Ein Spieler, der auf einmal irgendwo doch nicht mehr gebraucht wird oder mit dem Trainer nicht mehr glücklich ist oder aus sonst einem Grund eine Luftveränderung braucht oder wünscht und daher für wenig Geld zu haben ist. Eine Rolex vom Transferwühltisch halt, die sich auch die kostenbewussten Langnauer leisten können.

Bleibt aber immer noch die Frage: wer kann nächste Saison ganz konkret Claudio Cadonau ersetzen? Marco Bayer sagt: «Warum nicht Tim Grossniklaus? Er kann das.»

Kein Schelm, wer denkt: wenn die Langnauer davon ausgehen, dass Tim Grossniklaus Claudio Cadonau ersetzen kann – warum traut dann Zugs Sportchef Reto Kläy keinem seiner elf Verteidiger aus seinem Farmteam (EVZ Academy) zu, nächste in der ersten Mannschaft die Rolle von Claudio Cadonau zu spielen?

Manchmal ist die Weisheit der Sportchefs halt unergründlich.

 

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