Vor der neuen Meisterschaft:

Machen es die SCL Tigers noch einmal?

Platz 8 in der Qualifikation, Überstehen des Play In und dem späteren Finalisten und Meisterschafts-Mitfavoriten Lausanne in sieben Playoff-Viertelfinalspielen alles abverlangt – so erfreuten uns die SCL Tigers letzte Saison. Es sind leichte Zweifel angebracht, ob dies in der Saison 2025/26 erneut gelingen kann.

Zur Einstimmung ein Bild aus einem letztjährigen Derby (Bild: Peter Eggimann)

 

Wenn wir einschätzen wollen, wo eine Mannschaft vor einer neuen Meisterschaft ungefähr stehen können, müssen wir sowohl bei ihr selbst, als auch bei den direkten Gegnern hinschauen. Wir müssen uns also, wenn wir die ungefähre Position der SCL Tigers ausloten wollen, nicht an Teams wie den ZSC Lions, dem HC Lausanne, dem EV Zug oder dem HC Davos orientieren, sondern am EHC Kloten, dem HC Lugano, den Rapperswil-Jona Lakers, dem HC Ambri-Piotta, dem EHC Biel und Genf-Servette.

Zu den Mannschaften, welche bei den Transfers eher verloren als gewonnen haben, zähle ich Kloten, die Lakers, Ambri, Bern und leider auch die SCL Tigers. Letztere haben vor allem in der Defensive sowohl in der Breite als auch in der Qualität zumindest auf dem Papier etwas verloren. Jetzt, wo Stéphane Charlin weg ist, werden die Tiger wohl nicht mehr den statistisch besten Torhüter in ihren Reihen haben. Ob Santtu Kinnunen den zu Genf abgewanderten Vili Saarijärvi vollwertig ersetzen kann, wird sich weisen müssen. Doch das wird schwierig. Nicht ersetzt wurde Brian Zanetti, der neu für Lugano verteidigen wird. Der von der Berner Zeitung angekündigte erfahrene Verteidiger ist leider nie in Langnau eingetroffen. Die SCL Tigers waren letzte Saison das defenisiv zweitbeste Team. Das war der Schlüssel zum Erfolg. Die Defensive wird auch diesmal wieder den Ausschlag geben. Doch in welche Richtung? Der Grat ist schmal. Einige Gegentore mehr können schon ein Abrutschen hinter Rang 10 bedeuten. Der Coaching-Staff steht diesbezüglich vor einer grossen Herausforderung, hat aber in den letzten Jahren bewiesen, dass er aus vergleichsweise wenig Potenzial viel herausholen kann.

Zu vermuten ist, dass der HC Lugano und der HC Genf-Servette keine weitere derart desaströse Saison abliefern werden, wie sie dies in der letzten Spielzeit getan haben. Beide haben massiv aufgerüstet und Lugano hat seinen Trainer-Irrtum inzwischen korrigiert. Die beiden Klubs sind somit stärker einzuschätzen als die Langnauer und werden am Ende der Qualifikation vor diesen klassiert sein.

Ambri hat, wie der SC Bern, seinen Topscorer verloren, starten aber mit acht Ausländern in die Meisterschaft. Die Leventiner, die immer wieder mit ihrer Leidenschaftlichkeit punkten, sind damit wohl eine Spur berechenbarer geworden. Sie waren letzte Saison der direkte Tabellennachbar der Emmentaler. Das könnte auch diesmal wieder so sein. Ob dahinter oder davor, wird sich weisen müssen.

Kloten wird, so ist es zu vermuten, die grandiose letzte Saison nicht ganz bestätigen können. Zu viele Wechsel ohne Qualitätsgewinn bringen nicht den gewünschten Erfolg. Zumal auf der Position der Torhüter der eine Teil des verlässlichen Duos in Richtung Bern abgewandert ist.

Wenn die SCL Tigers auch diesmal die Qualifikation für das Play In schaffen wollen, müssen sie auch die Lakers aus Rapperswil hinter sich lassen. Bei den «Seebuben» war es an der Transferfront recht ruhig. Man kann also weitgehend auf das gleiche Team zählen, welches letzte Saison die Quali für das Play In auf dem letzten Zacken gerade noch so geschafft hat.

Auch den EHC Biel gilt es im Auge zu behalten. Denn immerhin lagen die Seeländer letzte Saison ebenfalls hinter den Emmentalern und verpassten sogar die Qualifikation für das Play In. Selbst für die im Umbruch befindliche Mannschaft eine ziemliche Enttäuschung, denn immerhin bestritten die Bieler zwei Jahre zuvor noch den Playoff-Final. Sportchef Martin Steinegger hat vor allem bei den Ausländern nachgerüstet. Ein Schritt vorwärts ist deshalb zu erwarten.

Es wäre eine Überraschung, wenn der HC Ajoie und der EHC Kloten ernsthaft um Rang 10 und damit die Qualifikation für das Play In mitreden könnten, wobei man bei den Zürcher Unterländern nie wissen kann, wie wir letzte Saison gesehen haben.

Um die Play In – Plätze werden folgende Mannschaften kämpfen: Biel, Ambri, Lakers und die SCL Tigers. Auch der HC Lugano wird wohl das Play-In bestreiten müssen, sollte dieses wie der HC Genf-Servette zumindest sicher erreichen.

Für die SCL Tigers ist von Rang 9 bis Rang 12 alles möglich. Wir sind gespannt.