SCL Tigers bodigen auch den Meister:
Mit einer fast perfekten Leistung zum Sieg
Wir kommen derzeit aus dem Staunen nicht heraus. Was den SCL Tigers in der letzten Saison nie gelungen ist, wird in dieser Zeit bereits nach vier Runden Tatsache: Drei Siege in Serie. Nach Ambri (3:2), und dem EV Zug (auswärts 4:3 n.V) ist nun der Meister an der Reihe.
Hier jubeln die SCL Tigers nach dem Treffer von Oskars Lapinskis zum 1:0. Bild: Susanne Bärtschi
Es hat für Diskussionen gesorgt, dass Stéphane Charlin, der statistisch beste Torhüter der letzten Saison, nach Genf gewechselt ist und durch Robin Meyer, einen Torhüter aus der Swiss League ersetzt worden ist. Und es hat sich die Frage gestellt, ob Santtu Kinnunen den ebenfalls nach Genf abgewanderten Verteidigungs-Titanen Vili Saarijärvi vollwertig werde ersetzen können. Denn immerhin wollten ihn die ZSC Lions ja nicht mehr. Auch Brian Zanetti, den jungen Verteidiger aus Lugano, der sich in Langnau prächtig entwickelt hat und danach wieder in die Heimat zurück gewechselt ist, wurde zum Erstaunen vieler nicht ersetzt. Und nun wurde – zu allem Überfluss – nach dem Ausfall von Juuso Riikola, dem aktuell wichtigsten Verteidiger der Langnauer, der für rund sechs Wochen verletzt ausfällt, kein Ersatz geholt. Wie kann so etwas gut kommen?
Nun, im Spiel gegen die ZSC Lions hat es jedenfalls nie den Anschein gemacht, es würden wichtige Spieler fehlen. Die SCL Tigers legten los wie die Feuerwehr und brachten die Löwen aus Zürich mal für mal in Bedrängnis. Der Gast aus Zürich war jedenfalls mit dem Resultat nach dem ersten Drittel (1:0) gut bedient. Nach seinem Treffer in der 5. Minute legte Oskars Lapinskis kurz darauf mit einem Pfostenschuss nach.
Ab dem zweiten Drittel dominierten dann die ZSC Lions. Und ja, es brauchte Langnaus Torhüter Luca Boltshauser. Aber es war jetzt nicht so, als ob der Sieg nur an ihm gehangen hätte. Die Tiger liessen während des ganzen Spiels wenig zu. Die Zürcher hatten zwar mehr Abschlüsse, aber so wirklich gefährlich wurde es nicht oft. Dies lag nicht am fehlenden Willen der Gäste, sondern am äusserst disziplinierten und engagierten Auftritt der Einheimischen. Sie setzten ihr Publikum in Erstaunen.
Die wahren Stars stehen an der Bande
Vielleicht müssen wir in Langnau zur Kenntnis nehmen, dass die wahren Stars an der Bande stehen. Der Coaching Staff um Headcoach Thierry Paterlini und seine beiden Assistenten Jukka Varmanen und Steve Hirschi leisten seit Jahren hervorragende Arbeit. Und zwar unbesehen davon, wer ihnen als Spieler zur Verfügung steht. Und unter Goali Coach William Rahm wird offenbar jeder Torhüter stärker. Denn nicht nur Luca Boltshauser hat in den Spielen gegen Ambri und die ZSC Lions gute Leistungen gezeigt. In Zug haben die Tiger mit Robin Meyer gewonnen. Zudem scheinen die Langnauer durch Athletik Coach Thaddäus Schnider über den Sommer bestens auf die Saison vorbereitet worden zu sein. Jedenfalls reiben wir uns verwundert die Augen und selbst die Experten kommen aus dem Staunen nicht heraus. Langnau ist derzeit eine Macht. Und keinem ihrer bisher drei Siegen haftete das Prädikat der Zufälligkeit an. Sie waren alle drei verdient und aufgrund der Leistungen sogar logisch.
Trotzdem bleibt natürlich die Strategie der Langnauer riskant und war dies von Anfang an. Man stelle sich vor, den Tigern hätte nach dem schwachen Auftaktspiel in Rapperswil gegen Ambri das Pech an den Stöcken geklebt und sie hätten das Spiel trotz starkem Auftritt verloren, und sie hätten anschliessend in Zug den 0:3 – Rückstand nicht mehr aufholen und in einen Sieg umwandeln können. Dann wären sie wahrscheinlich jetzt im Elend und das Selbstvertrauen hätte dann auch nicht gereicht, um die ZSC Lions zu schlagen.
Andererseits gehört es zur Strategie in Langnau, die Coaches auch während einer schwierigen Phase nicht gleich in Frage zu stellen. Will heissen, Paterlini, Varmanen und Hirschi, können in Ruhe arbeiten und Sportchef Pascal Müller kann eben auch mal etwas riskieren. So ist und wäre es halt auch möglich, aus schwierigen Phasen wieder heraus- und zum Siegen zurückzufinden. Doch derzeit schweben die Tiger im Hoch. Nächster Gegner ist der HC Davos. Die Bündner stehen mit einer makellosen Punktebilanz da. So wie der EV Zug und die ZSC Lions, bevor sie gegen die Emmentaler spielten.
