Nach Sieg im Jubiläumsspiel gegen Ambri:
SCL Tigers mit gutem Gefühl durch die Olympiapause
Langnau bezwingt in der Retro-Partie zum 80-jährigen Bestehen des Klubs den HC Ambri-Piotta mit 6:3. Es ist der achte Sieg in Folge gegen die Leventiner, die zuvor aus den letzten drei Spielen acht Punkte geholt hatten. Für die Tiger war es der erste Sieg nach zuletzt vier Niederlagen.
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Die Choreo der Langanu-Fans war absolut riesig, so gewaltig, dass sie nicht auf ein Bild zu bringen ist. Sie erstreckte sich über drei Seiten des Innenraums der “emmental versicherung arena” (ehemals Ilfishalle). Bild: Susanne Bärtschi
Was für eine Choreo in der emmental versicherung arena. Da haben sich die Fans der SCL Tigers nicht nur Mühe gegeben, sondern voll reussiert und für einen Gänsehaut-Moment gesorgt. Das war wirklich allererste Sahne. Gratulation an all jene, die daran mitgearbeitet haben. Nicht zum ersten Mal ganz grosses Kino. Aber das gestern übertraf alles Bisherige.
Im Januar 1946 wurde der SC Langnau gegründet. Eishockey wurde aber bereits vorher gespielt. Natürlich hatte man damals noch kein Kunsteis, sondern spielte auf Natureis, und bei den Hobbyspielern kamen nicht selten mangels Pucks gefrorene „Rossbole“ zum Einsatz. Die Geschichte des Langnauer-Eishockey könnt ihr hier (Teil 1), hier (Teil 2) und hier (Teil 3) nachlesen.
Die Ausgangslage
In Langnau war man es sich gewöhnt, dass die SCL Tigers solch besondere Spiele (z.B. Jubiläum, oder zu anderen speziellen Anlässen) durchs Band immer verloren haben. Als die Mannschaft gestern zum 80-Jahr-Jubiläum in weissen Leibchen auflief, befürchtete ich deshalb die fünfte Niederlage in Serie.
Eigentlich brauchte man sich um die SCL Tigers trotz der vier Niederlagen in Serie keine Sorgen zu machen. Sie waren in jedem Spiel dran, verloren deren drei erst in der Überzeit. Der Puck lief in diesen Partien nicht unbedingt für sie. Trotzdem war gut zu erkennen: Es hätte jeweils nicht viel gefehlt, und jede dieser Partien hätte auch mit einem Sieg enden können. Wer konstant gut spielt, wird irgendwann auch wieder gewinnen. Ärgerlich war lediglich die Niederlage gegen den Tabellenletzten, gegen den man in vier Begegnungen drei Mal verloren hatte, was mindestens einmal zu viel ist. Aber selbstredend, dass auch dieser Gegner dominiert wurde. Etwas speziell sicher auch, dass sämtliche Derbys gegen den SC Bern verloren gingen. Normalerweise hat man dies in Langnau nicht so gerne. Da aber die Emmentaler attraktives und recht erfolgreiches Eishockey spielen und ihre Anhängerschaft regelmässig beglücken, haben die meisten Anhänger darüber hinweggesehen.
Zum Spiel
Trotz der nun acht Siegen in Serie war auch dieses Spiel gegen Ambri wieder sehr intensiv, wie es die meisten Begegnungen gegen diesen Gegner sind. Eine derartige Serie ist gerade gegen Ambri nicht selbstverständlich. Wie auch bereits bei den Niederlagen gegen den HC Ajoie und den SC Bern gaben das Team von Coach Thierry Parterlini auch gegen die Nordtessiner wieder einen Zweitorevorsprung preis. Diesmal kamen die Zuschauenden aber nicht einmal richtig dazu, sich darüber aufzuregen, denn gute zwei Minuten später erzielte Phil Baltisberger die neuerliche Führung für die Tiger. Fünfeinhalb Minuten später stand es 5:2. Tim Mathys mit einem Shorthander (47.) und Flavio Schmutz in Überzahl (49.) hatten getroffen.
Auffällig ist aber schon, dass Langnau bei jeder dieser Zweitoreführungen unmittelbar danach in Passivität verfiel und dem jeweiligen Gegner das Spieldiktat überliess. Was jetzt drei Mal in Folge zum Ausgleich, wovon zwei Mal zum Verlust von zwei Punkten führte. Zu Beginn der Saison waren Spiele mit einer Führung von zwei Treffern jeweils noch eine sichere Beute.
Die Situation danach
Wir wollen uns aber darüber keine übertriebenen Gedanken machen. Immerhin konnten Harri Pesonen & Co diesmal reagieren. Dies war hinsichtlich einer möglichen Qualifikation für das Play In extrem wichtig. Mit Ambri wurde ein zuletzt aufstrebender Gegner entscheiden zurückgebunden. Die Leventiner müssten in den verbleibenden sechs Partien 13 Punkte aufholen, um die Langnauer noch zu überholen. Ein Ding der Unmöglichkeit. Für das Team von Neo Ambri-Coach Jussi Tapola geht es nur noch darum, das Play Out zu vermeiden, und frühzeitig Ferien zu machen. Auch den EHC Kloten (hat heute mit dem EHC Biel einen direkten Konkurrenten der Tiger um das Play In in der Verlängerung bezwungen) hat nur noch geringe Chancen, um über den mittleren Strich zu kommen. Kloten hat immer noch 11 Punkte Abstand auf die Tiger. Aber sie haben diesen einen grossen Gefallen erweisen, weil sich damit der Abstand zwischen den Emmentalern und den Seeländern vergrössert hat.
Es war ein strenger Januar, den die Langnauer zu bestreiten hatten. Insgesamt standen 12 Partien auf dem Programm. Trotz der vier Niederlagen in Serie war die Punkteausbeute jedoch mehr als ordentlich, den immerhin resultierten daraus 20 Punkte, was einem Schnitt pro Partie von 1,66 entspricht. In der letzten Saison waren zur Qualifikation für das Play In 72 Punkte erforderlich. Das ist natürlich keine Garantie, dass diese Punktzahl auch dieses Jahr reichen wird. Mit den bisher realisierten 64 Punkte sind die Langnauer noch acht Punkte davon entfernt. Es wartet nach der Olympiapause ein happiges Restprogramm. Trotzdem wäre es eine leise Enttäuschung, wenn aus sechs Spielen die acht Punkte nicht erspielt, erkämpft oder ermurkst werden könnten.
PS1: Aufgefallen ist, dass Jiri Felcman im Spiel gegen Ambri drei Mal assistiert hat (jeweils 2. Assist). Er zeigte eine auffällige Partie und hatte mehrere gute Szenen. Der 20-jährige Tscheche mit Schweizer Lizenz hat ganz eindeutig den nächsten Schritt gemacht und zählt bereits zu den wichtigen Spielern der Langnauer. Diese Saison steht er in 46 Partien bei 2 Toren, 17 Assists und 19 Punkten, was einem Schnitt von 0,41 Punkte pro Spiel bedeutet (letzte Saison 0,26 PbS). Sein vertrag läuft bis 2027. Er könnte, wenn er den in der nächsten Saison einen weiteren Schritt macht, der nächste Dario Rohrbach (spielt künftig für den SC Bern) sein. Der NHL-Draft von 2023 wird ganz bestimmt Begehrlichkeiten von anderen Klubs wecken. Es wäre jedoch gut, wenn er nochmals um zwei Jahre in Langnau verlängern würde.
PS2: Nach der Partie gegen Ambri wurde bekannt gegeben, dass die SCL Tigers in der Altjahrswoche dieses Jahres definitiv den Spengler Cup bestreiten werden. Sie werden damit mehr als normalerweise im nationalen Fokus stehen und damit ihre Marke weiter stärken können.
