«Der künftige Geschäftsführer wird neue Ideen und Impulse bringen»

Ruedi Zesiger wird die SCL Tigers AG per Ende Saison verlassen. Spannungen zwischen Verwaltungsrat und dem ­Geschäftsführer werden als Hauptgründe genannt.

Presse • • von Wochen-Zeitung, Bruno Zürcher

Die Entlassung Ruedi Zesigers per Ende Saison hat der Verwaltungsrat der SCL Tigers AG vergangenen Donnerstag angekündigt. Peter Jakob, Verwaltungsratspräsident, nimmt gegenüber der «Wochen-Zeitung» Stellung. Ruedi Zesiger seinerseits hat auf Anfrage erklärt, dass er derzeit keine Stellung nehme. Es gebe aber keine dreckige Wäsche zu waschen, meinte Zesiger kurz und bündig.

 

Peter Jakob, wenns sportlich schlecht läuft, wird meist – wie bereits geschehen – der Trainer entlassen und nicht der Geschäftsführer.


Die sportliche Leistung wirkt sich auch wirtschaftlich aus. Nachdem wir lange Zeit sehr gute Umsatzzahlen hatten, sind diese in den letzten Wochen regelrecht eingebrochen. Wenn die SCL Tigers nach einem schwachen ersten Drittel bereits 0:4 zurückliegen, sinkt auch automatisch die Lust, etwas zu konsumieren.

 

Ruedi Zesiger konnte demnach im wirtschaftlichen Bereich das Ruder nicht mehr herumreissen.


Wenn es in einer Unternehmung schlecht läuft, werden immer Führungspersonen ausgewechselt. Es würde nichts bringen, wenn wir beispielsweise den Materialwart entlassen würden. Der künftige Geschäftsführer wird neue Ideen haben und wird neue Impulse in die Unternehmung bringen.



Um den Geschäftsführer zu entlasten wurde bereits früher ein Sport- und ein Gastrochef engagiert. Hat das nichts gebracht?

 
Jakob Kölliker kümmert sich in erster Linie um die Zusammenstellung der Mannschaft für die kommende Saison. Philippe Schnider wurde angestellt, weil der ganze Gastrobereich mit der neuen Halle nun viel umfangreicher geworden ist. Die beiden konnten Ruedi Zesiger schon ein Stück weit entlasten. Letztlich trägt aber der Geschäftsführer die Gesamtverantwortung.



War die Sanierung und Erweiterung der Ilfishalle zu viel für Zesiger?


Dieses Bauprojekt hat uns alle sehr gefordert. Als Geschäftsführer hat Ruedi Zesiger an hunderten Sitzungen teilgenommen. Nebst dem Bauprojekt musste auch der Betrieb der SCL Tigers weiterlaufen. Das ging sehr an die Substanz.



Offenbar waren einige Mitglieder des Verwaltungsrates mit dem Führungsstil und personellen Entscheiden Zesigers nicht einverstanden.

 
Wenn Personen oder Firmen viel Geld in die SCL Tigers und den Umbau und die Erweiterung der Ilfishalle stecken, entsteht auch eine gewisse Erwartungshaltung. Wenn dann die sportlichen Amibitionen deutlich verfehlt werden, führt dies logischerweise zu Spannungen und Kritik.

 

Die Entlassung muss Sie schmerzen. Schliesslich haben Sie Zesiger einst ins Boot der SCL Tigers AG geholt.

 
Der Entscheid, Ruedi Zesiger per Ende Saison zu entlassen, war kein einfacher.

 

Welche Bilanz ziehen Sie?

 
Sicher ist, dass sich Ruedi mit enormem Engagement für die SCL Tigers eingesetzt hat und dies noch bis Saisonende tun wird. Er war auch am erstmaligen Erreichen der Playoffs beteiligt. Ich arbeite sehr gerne mit Ruedi zusammen, wir haben eine ähnliche Wellenlänge. Es ist tragisch, dass es so weit kommen musste – die wirtschaftliche Realität machte diesen Schritt aber nötig.

 
Hat sich das modernisierte Stadion noch nicht positiv ausgewirkt?


Wir konnten dank des neuen Stadions im Gastrobereich Fortschritte erzielen. Es gibt Bereiche, wie etwa der Kühni-Treff, welche die Erwartungen übertroffen haben. Dank der verbesserten Infrastruktur konnten auch viele Gäste und potenzielle Sponsoren eingeladen werden. Es braucht aber enorm viel Zeit und Anstrengungen, bis sich dies finanziell positiv zu Buche schlägt.



Die Ausgangslage mit dem neuen ­Stadion wäre eigentlich gut.


Wir haben erst seit vier Monaten ein fast fertiges Stadion. Die verbesserte Infrastruktur wird der SCL Tigers AG viel Positives bringen. Auch Führungspersonen anderer Klubs zeigen sich echt beeindruckt. Es ist schade, dass uns das sportliche Abschneiden der ersten Mannschaft einen Strich durch die Rechnung macht.



Sie rechnen mit einem Defizit?


Derzeit sieht es zumindest nach einem negativen Abschluss aus. Die Rechnung wird aber von den verbleibenden Spielen und vor allem von der Länge der Playouts noch massgeblich beeinflusst.



Wer würde ein allfälliges Defizit übernehmen?


Wir haben im Verwaltungsrat verschiedene Szenarien besprochen. Es ist auch möglich, dass wir ein Defizit ausweisen.



Trotz der finanziell angespannten Lage fordert die Mannschaft einen ausländischen Verteidiger.


Wir haben im Verwaltungsrat geprüft, ob noch ein zusätzlicher, ausländischer Verteidiger engagiert werden kann. Die Zeit drängt, heute Donnerstag läuft die Transferfrist ab.

 

Wie ist der Entscheid ausgefallen?


In Absprache mit Sportchef Jakob Kölliker wird ein amerikanischer Spieler engagiert. Mit dem Engagement dieses Spielers soll die Verteidigung personell verstärkt werden. Wir vom Verwaltungsrat hoffen zudem, dass er die Attraktivität der Spiele zu steigern vermag und so die Fans für ihre Treue belohnt werden.

 

Konnten Sie externe Geldgeber finden, wie zuletzt beim Engagement von Mark Bomersback, oder wird er über die laufende Rechnung entlöhnt?


Der Spieler wird über die laufende Rechnung bezahlt. Er will sich unbedingt noch in dieser Saison in Europa präsentieren, und war daher bereit für verhältnismässig wenig Geld in die Schweiz zu kommen. Daher belastet er die Rechnung nur wenig, kommt hinzu dass wir wegen des Ausfalls von Mark Popovic Geld von der Versicherung erhalten.

 

Etwas mehr Zeit haben Sie bei der Suche eines neuen Geschäftsführers.

 
Wir werden nun mit der Suche eines Nachfolgers von Ruedi Zesiger beginnen. Ich bin überzeugt, dass wir einige Bewerbungen erhalten werden. Der Posten des Geschäftsführers bei der SCL Tigers AG ist interessant.



Legen Sie wieder Wert darauf, dass eine Person mit engem Bezug zum Emmental den Posten übernimmt?


Es muss nicht zwingend ein Emmentaler sein.



Aus dem Emmental stammen viele Fans, die den SCL Tigers auch in sportlich miesen Zeiten die Treue halten.


Die Fans sind wunderbar. Klar sind die Zuschauerzahlen gesunken. Aber im Vergleich zu anderen Clubs haben wir eigentlich noch gute Werte. Wenn einem ein so grosser Fan-Stamm auch in schlechten Zeiten die Treue hält, ist das schon eine grosse Befriedigung. Dies stimmt mich optimistisch für die Zukunft.

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