Berner Zeitung, Philipp Rindlisbacher

«Die NLB ist keine Gurkenliga»

Im Frühling schien der 30-jährige Cluadio Moggi bei den SCL Tigers keine Zukunft mehr zu haben. Nach dem Abstieg veränderte sich die Situation – nun ist er Captain. Der frühere Nationalspieler spricht über seine neue Rolle.

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Ist der Niveauunterschied zwischen der NLA und der NLB wirklich so gross, wie viele meinen?
Claudio Moggi: Auch in der NLB spielen fünf gegen fünf Feldspieler. (Überlegt) Von einigen Ausländern habe ich gehört, dass in anderen Ländern das Niveau in der zweiten Liga deutlich schwächer sei als bei uns. Punkto Tempo und Intensität ist der Unterschied aber schon gross. Was die Technik betrifft, ist die Differenz von einem NLA-Topspieler zu einem NLB-Durchschnittsprofi riesig. Und ja, auch die Schiedsrichter sind in der NLA besser.

 

Sie und Ihr Bruder Sandro haben bisher überzeugt, zusammen sechs Skorerpunkte gebucht – also haben Sie etwa diese Bilanz erwartet?
Das Team muss gewinnen; es ist nicht förderlich, egoistisch zu sein und sich auf persönliche Statistiken zu versteifen. Aber klar, wollen die Tigers erfolgreich sein, müssen die Moggi-Brüder schon skoren.

 

Mit zwei Siegen und einer Niederlage steht Langnau auf dem dritten Rang. Sie äusserten bisher vermehrt Ihre Unzufriedenheit. Weshalb?
Ich regte mich auf über die Art und Weise, wie wir in gewissen Situationen spielten, darüber, wie naiv wir uns verhielten. Das nervt mich. Aber es sind erst drei Runden gespielt, viele von uns sind noch nicht annähernd bei 100 Prozent ihres Könnens angelangt. Auch ich bin ein Spätzünder, ich erwarte noch mehr.

 

Die Tigers wirtschaften mit einem Budget von rund acht Millionen Franken, dem Klub steht doppelt oder dreimal so viel Geld zur Verfügung wie der Konkurrenz. Müsste das Team aufgrund der zur Verfügung stehenden Mittel nicht besser besetzt sein?
Ich kann mir nicht vorstellen, dass diese Zahl stimmt. Ich wüsste jedenfalls nicht, wo das ganze Geld hingeht. Erfreulich ist, dass in Langnau junge Spieler eine Chance erhalten. Diese haben nicht die Klasse eines Leistungsträgers, aber viel Potenzial. Anzunehmen ist, dass sich der Klub während der Saison verstärken wird.

 

Von Trainer Tomas Tamfal wurden Sie zum Captain bestimmt, dabei hatte der Klub im letzten Winter gar nicht mehr mit Ihnen geplant...
...glücklicherweise sind jetzt andere Leute am Werk. Ich habe Vertrauen in die Verantwortlichen. Dass ich Captain dieser coolen Truppe bin, macht mich stolz – man sollte dieses Amt aber nicht überbewerten.

 

Was hätten Sie gemacht, wären die Langnauer in der NLA verblieben?
Schwierig zu sagen; hätte sich nichts Gutes ergeben, wäre ich vielleicht sogar zurückgetreten. Mit Ex-Sportchef Köbi Kölliker konnte ich mich nicht einigen, wobei es nicht um Geld ging.

 

Kölliker soll Ihrem Bruder Sandro per SMS mitgeteilt haben, dass er nicht mehr erwünscht sei...
...ich glaube, Sandro hat diesen Entscheid via Artikel der Berner Zeitung erfahren. Aber eben, was passiert ist, ist passiert.

 

Mussten Sie lange überlegen, mit Langnau in der NLB zu spielen?
Nein. Ich bin schon sieben Jahre hier, der Klub bedeutet mir viel. Ehrlich gesagt hatte ich auch nicht viele Optionen. Ich bin mir aber sicher nicht zu schade, in der NLB zu spielen, und verkrafte es, nicht mehr im Fernsehen zu erscheinen. In Langenthal hatte es am Dienstag 4500 Zuschauer, 1000 davon waren Langnauer. Das ist doch auch etwas. Die NLB ist keine Gurkenliga.

 

Haben Sie mit einigen Monaten Abstand eine Erklärung dafür, wie es in der vergangenen Saison zum sportlichen Super-GAU kommen konnte?
Es wurden sehr viele Fehler gemacht. Aber ich habe den Mund schon zu oft aufgemacht. Für mich war der Abstieg doppelt bitter, weil ich wegen meiner Verletzung in der Ligaqualifikation zuschauen musste.

 

Zu Ihrem Freundeskreis zählt Schwingerkönig Matthias Sempach. Dieser gilt als Tigers-Fan – hat er in dieser Saison bereits ein Meisterschaftsspiel gesehen?
Im Moment hat er ziemlich viel zu tun (lacht). Mätthu ist ein leidenschaftlicher Langnau-Fan, nach den Spielen schreibt er mir oft eine SMS. Mit ihm habe ich einst sogar geschwungen; er hat mich aber nur ausgelacht. Ich bin 90 Kilo und kräftig, gegen ihn ist das aber nichts. Mätthu versuchte sich auch mal bei uns auf dem Eis. Das sah weniger filigran aus – der Lachende war ich.

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