Ein grandioses Erlebnis

Blog • • von Bruno

 

HC Lugano gegen Ambri-Piotta – das letzte echtes Derby

 

Wenn der HC Lugano gegen den HC Ambri Piotta antritt, bebt im Tessin die Erde. Denn das Tessiner Derby ist Emotion und Leidenschaft pur. Sowohl auf dem Eis, wie auf den Rängen.SEPARATOR

 

 

Davon können wir im Emmental derzeit nur träumen: Von einem Derby, das diesen Namen auch wirklich verdient. Das hatten wir auch einmal. In den 1960er und vor allem in der zweiten Hälfte der 1970er-Jahre, als die Eishockey-Schweiz auf den Kanton Bern schaute, und die Ausmarchung um den Schweizermeister-Titel während fünf Jahren eine reine Berner Kantonsangelegenheit war. Das jeweils bevorstehende Berner Derby war bereits Wochen zuvor in aller Munde, und sowohl Hauptthema an den Stamm- und an den Küchentischen. Heute sind die einst meist beachteten Spiele der Normalität gewichen. Normal ist auch die Langnauer Niederlage. Leider!

 

In der Hoffnung, wieder einmal echte Derbystimmung zu erleben, reiste ich ins Tessin. Wegen der Spielverschiebung um einen Tag konnte ich mir diesen Besuch erlauben. Ich wurde nicht enttäuscht. Im Gegenteil! Das Spiel war rassig, intensiv, leidenschaftlich, phasenweise hochklassig. Was Ambri im ersten Drittel bot, hätte den Leventinern niemand zugetraut. Nach zuletzt fünf Niederlagen schien das Team von Kevin Constantine auf dem Boden der Realität angekommen zu sein. Die Playout-Plätze rückten – zu Genugtuung von uns Tigerfans – für die Nordtessiner wieder in greifbare Nähe. Aber oha: Es könnte sein, dass die Tiger, um in die Playoffs zu kommen, ein anderes Team statt Ambri hinter sich lassen müssen. Nebst den üblichen Verdächtigen, versteht sich. Aber vorerst reden wir nicht von den Playoffs, sondern darüber, wie wir aus der Krise finden. Das erste Drittel im Tessin ging nach Toren von Julien Walker (12.), Roman Botta (15.) und Youngstar Inti Pestoni (16.) mit 0:3 an Ambri. Lugano Hüter und Ex-Tiger Benjamin Conz sah dabei nicht immer gut aus.

 

Erst recht phänomenal ist, was auf den Rängen abgeht. Anfeuerungsrufe und Supportergesänge aus der Curva Nord und aus dem Süden. Es war oft beim besten Willen nicht auszumachen, welche Kurve die jeweiligen Gesangsduelle gewann, die sich die Fans beider Lager lieferten. Die Bianconeri waren selbst dann kein bisschen leiser, als ihr Team mit 0:4 im Rückstand lag. Wir Langnauer können uns ob unseren Fans wirklich nicht beklagen. Wir haben eine der besten Fankurven der Schweiz. Aber gegen das, was an einem Tessiner-Derby abläuft, haben wir die reinste Cupli-Kurve. Bern und Biel übrigens auch. Es kam übrigens für Ambri noch besser. Denn Eric Landry legte in der 25. Minute noch einen drauf. Dann war jedoch Schluss mit Lustig. Denn die Luganesi drehten mächtig auf, und kamen bis Drittelsende bis auf 2:4 heran. Julien Vauclair (29.) und Hnat Domenichelli waren die Schützen, letzterer assistiert von Ex-Tiger Daniel Steiner, welcher eine auffällige und gute Partie zeigte. Immer mehr wird klar: Steiner ist in Lugano mehr als nur ein Mitläufer.  

Auch m letzten Drittel ging es hoch her. Zumal die Luganesi nach Daniel Steiners Anschlusstreffer zum 3:4 (43.) so richtig Hoffnung schöpften. Der Ex-Tiger zeigt ein richtig tolles Spiel, und die Südtessiner machten nun gewaltig Druck! Permanent angefeuert von phantstischen Fans. Von den Ambri-Rängen war in diesen Minuten weniger zu hören. Sie wirkten nach Luganos Aufholjagd geschockt. Als dann aber das Ende des Spiels immer näher rückte, erwachten auch die Fans des Underdogs wieder. Als nach 57,05' Mirko Murovic fälschlicherweise auf die Strafbank musste, ahnten die Ambri-Supporter bereits Böses. Lugano nahm Hüter Conz aus dem Tor und agierte 6 gegen 4. Die Strafe war gerade ergebnislos abgelaufen, als es 50 Sekunden vor Spielende hinter Ambri-Hüter Thomas Bäumle doch noch klingelte. Kimmo Rintanen war der Ausgleichs-Schütze. Tollhaus Ressega! Gut, bei diesem Spielverlauf wäre auch die Ilfishalle ein Tollhaus. Aber die Spannung und die Dramatik zum Schluss setzten diesem Spiel die Krone auf. Für mich war spätestens ab diesem Zeitpunkt das Resultat egal. Das war es eigentlich von Beginn weg. Denn ich bin zwar begeisterter, aber neutraler Zuschauer, sympathisiere meiner Wesenssart entsprechend immer eher mit dem Underdog. Aber dieser ist bekanntlich im Kampf um die Playoffs unser Gegner. Also konnte ich mit jedem Resultat leben. 

 

Zum Schluss musste das Penaltyschiessen entscheiden. Wir bekamen also das volle Programm geboten. Der Sieger hiess nach 14 Penaltys Lugano. Topscorer Peteri Nummelin, der mich zuvor nicht immer überzeugte, aber trotzdem zum besten Spieler seines Teams gewählt wurde, versenkte seinen zweiten Penalty. Ambris Inti Pestoni scheiterte danach.

 

Fazit: Ambri spielte zumindest in der ersten Hälfte des Spiels nicht wie ein Playout-Kandidat, konnte dann aber das aufdrehende Lugano nicht halten. Nach zuvor fünf Niederlagen war jedoch die Leistung der Leventiner bemerkenswert. Doch richtige Derbys haben eben ihre eigenen Gesetze. Wenn ich mir die zahmen Berner Derbys anschaue, komme ich zum Schluss, dass wohl dass Tessiner- das letzte richtige Derby ist.

 

Es bleibt die Frage: Was machen die Tessiner besser als wir Emmentaler, damit die ganze Kurve Stimmung macht? Denn was da abgeht, ist wirklich eindrücklich!

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