Das sind die Klubs der National League

HC Davos: Immer noch gut genug für die Playoffs?

Der HC Davos, der Rekordmeister nicht in den Playoffs? Ist dies denkbar? Die Engadiner müssten so viele Abgänge kompensieren, wie noch nie. Haben sie aber nicht. Wirkt die Magie von Arno Del Curto noch?

Blog • • von Bruno Wüthrich

Wir haben Glück. Der HC Davos verpflichtet Anders Lindbäck (30), den schwedischen Torhüter mit NHL-Vergangenheit, noch bevor wir mit unserer Beurteilung heraus kommen. Dieses Glück hatte beispielsweise der Hockeyguide von Slapshot nicht. Der Autor Klaus Zaugg rechnete noch mit dem Torhüter-Duo Gilles Senn und Joren van Pottelberghe. Lindbäck ist demnach Ausländer Nr. 5 in Davos. Mit seinen beweglichen 198 cm Grösse, 98 kg Gewicht und über 100 Einsätzen in der besten Liga der Welt ist Lindbäck auf der bisher wackeligen Torhüter-Position beim HCD zweifellos eine Verstärkung. Doch der Einsatz des Schweden kostet den Einsatz eines ausländischen Feldspielers. Trotzdem ist in Davos auch die Verpflichtung eines 6. Ausländers angedacht. Ein Center soll es sein.

Um zu beurteilen, wie stark der HCD in diesem Jahr sein könnte, gehen wir immer gleich vor. Wir nehmen die Leistung aus der vergangenen Saison und beurteilen die Abgänge und Zuzüge. Diesmal machen wir uns aber bei den Engadinern zusätzlich noch Gedanken um den Trainer! Den Trainer? Arno Del Curto? Gehts eigentlich noch? 1996 übernahm Arno Del Curto den HC Davos, den er seither immer führte, und mit dem er beispiellose Erfolge feierte. Keiner ist im Scheizer Spitzeneishockey unbestrittener als Arno Del Curto.

Zugegeben: wir sind keine HCD-Insider. Wir können wirklich nur von aussen betrachten. Was wir beurteilen, ist deswegen weniger den Trainer selbst, als unser Bauchgefühl. Dieses sagt uns aber, - und wir sind nicht die Einzigen, die diesen Eindruck haben, - dass Del Curto mittlwerweile einiges an Strahlkraft verloren hat. Wir messen dies nicht an den Abgängen, die der HCD auf diese Saison hin zu verkraften hat. Denn diese haben zweifellos auch damit zu tun, dass in Davos gespart werden muss. Wir machen unser Bauchgefühl fest an den Neuzuzügen, die der HCD vermelden durfte und stellen fest, dass die Bündner offenbar den Ruf, besondere Förderer besonderer Talente zu sein, inzwischen eingebüsst zu haben scheinen. Ein Beleg hierfür ist ausgerechnet die Verpflichtung von Anders Lindbäck. Im Gegensatz zu letzter Saison vertraut Del Curto nicht mehr uneingeschränkt auf seine jungen Torhüter. Ihnen droht die Ersatzbank. Einer von ihnen könnte sogar weg transferiert werden. Zudem: In früheren Jahren hätten die Davoser auf einen derartigen Aderlass mit dem Zuzug von deutlich mehr jungen Talenten reagieren können.

Stärken

Zweifellos verfügt der HC Davos immer noch über einige starke Individualsten. Zwar wird Andres Ambühl weder jünger noch besser, doch er ist immer noch so gut, um in jeder Mannschaft der Schweiz eine tragende Rolle spielen zu können. Auch Namen wie Enzo Corvi und der Gebrüder Wieser klingen gut. Zudem verfügt der HCD über starke ausländische Feldspieler. Wie immer wird Arno Del Curto bei seinen Jungs für schnelle und ausdauernde Beine gesorgt haben. Spannend wird sein, wie sich Inti Pestoni, der bei den ZSC Lions nicht glücklich wurde, dessen Stärke wir aber von Ambri kennen, ins Davoser Ensemble einfügen wird. Wer also Gründe sucht, weshalb der HCD die Playoffs erreichen kann, wird problemlos fündig.

Fragezeichen

Vielleicht läuft ja die Saison für die Davoser wie geschmiert. Vielleicht rocken vor der schwedischen Festung Lindbäck Spieler wie Andres Ambühl, Enzo Corvi, Inti Peston, Marc und Dino Wieser zusammen mit den Ausländern Shane Prince und Perttu Lindgren die Liga. Vielleicht sind aber diesmal doch zu viele Mitläufer in der Mannschaft. Und was ist, wenn es nicht läuft, wie es laufen sollte. In der letzten Saison war der HCD „nur“ auf dem 6. Rang klassiert. „Nur“ deswegen, weil damals die Mannschaft noch über einige namhafte Spieler verfügte, die eigentlich eine Garantie für eine bessere Klassierung und für mehr als ein Ausscheiden im Viertelfinal hätten garantieren sollen. Immerhin schafften aber die Davoser damals die Playoffs einigermassen problemlos. Was aber passiert, wenn der HCD für längere Zeit unter dem Strich platziert sein sollte?

HC Davos (6. Quali, Out im Viertelfinal)

Coach: Arno Del Curto (62, Head), Remo Gross (58, Assistent)

Ausländer: Anders Lindbäck (SWE, Torhüter, 30, neu), Magnus Nygren (SWE, Verteidiger, 28), Perttu Lindgren (FIN, Stürmer, 30), Shane Prince (USA, Stürmer, 25, neu), Sami Sandell (FIN, Stürmer, 31, neu)

Zuzüge: Anders Lindbäck (SWE, Torhüter, 30, Nashville Predators / NHL), Shane Prince (USA, Stürmer, 25, New York Islanders / NHL), Sami Sandell (FIN, Stürmer, 31, Ilves Tampere / FIN), Luca Hischier (Stürmer, 23, SC Bern), Dario Meyer (Stürmer, 21, SC Bern), Lukas Stoop (Verteidiger, 28, EHC Kloten), Thierry Bader (Stürmer, 20, EHC Kloten), Inti Pestoni (Stürmer, 26, ZSC Lions)

Abgänge: Samuel Walser (Stürmer, 25, Fribourg-Gottéron), Gregory Sciaroni (Stürmer, 29, SC Bern), Noah Schneeberger (Verteidiger, 29, Fribourg-Gottéron), Pascal Blaser (Verteidiger, 20, Winterthur), Simon Kindschi (Verteidiger, 21, SCL Tigers), Marco Forrer (Verteidiger, 21, Fribourg-Gottéron), Broc Little (USA, Stürmer, 30, Linköping), Dario Simion (Stürmer, 24, EV Zug), Mauro Jörg (Stürmer, 28, HC Lugano), Anton Rödin (SWE, Stürmer, 27, Anaheim / NHL), Robert Kousal (CZE, Stürmer, 27, Brynäs IF / SWE), Nando Eggenberger (Stürmer, 18, Oshawa Generals / OHL)

FANTIGER-Prognose: Rang 9