Playout-Final, 6. Spiel: SCL Tigers - EHC Biel 4:3 n.V. (2:0, 1:1, 0:2. 1:0)

In der Verlängerung: SCL Tigers schaffen den Ligaerhalt

Langnau verbleibt in der NLA! Tobias Bucher schiesst die SCL Tigers in der nach genau 71.19' zum Ligaerhalt. Doch zuvor mussten die Tiger, die lange Zeit souverän wirkten, durch die Hölle.

Spielbericht • • von Bruno Wüthrich

Was für eine Dramatik! Was für ein Spiel! Im letzten Augenblick, als alles für die SCL Tigers spricht, lassen sich diese die Butter noch vom Brot nehmen, und werden schliesslich trotzdem satt. Die Langnauer schaffen den Ligaerhalt aus eigener Kraft im sechsten Spiel des Playout-Finals gegen den EHC Biel. Es kann ihnen egal sein, ob morgen Abend der HC Ajoie die NLB gewinnt oder nicht. Sie sind auf keine Schützenhilfe mehr angewiesen. Sie schaffen diesen Coup, den ihnen viele neutrale Experten nicht zutrauen wollten, weil sie seit einigen Spielen in der Lage sind, Tiefschläge zu verdauen und danach wieder aufzustehen. Die SCL Tigers waren im ersten, und über weite Strecken auch im zweiten Drittel das bessere Team, spielten aber im Schlussabschnitt zu passiv. «Es ist nicht einfach, einen Vorsprung über die Zeit zu bringen gegen einen Gegner, der alles versucht - versuchen muss», analysierte Thomas Nüssli die Aufholjagd des EHC Biel im Schlussabschnitt. «Klar, das mit dem Shorthander kurz vor Schluss hätte uns nicht pssieren dürfen. Aber so ist Eishockey.»

 

Es wurden Erinnerungen wach

Das hatten wir doch schon. Das kennen wir doch. Da geht es nicht nur um viel. Da geht es um alles. Als zwei Minuten vor Schluss Raphael Herburger beim Stande von 3:2 für die Langnauer auf die Strafbank muss, da fängt man im emmental an zu spinnen. Das Publikum feiert bereits den Ligaerhalt. Dabei geht es eben noch zwei Minuten. Und es ist völlig klar : Diese zwei Minuten sind auch in Unterzahl die letzte Chance der Bieler. Sie werden alles daran setzen, sie wenn irgendwie möglich zu nutzen. aber das Langnauer Publikum feiert, und die Mannschaft verliert irgendwie den Faden. Sie kann mit der offensiven Art des Gegners, in Unterzahl zu agieren, nicht umgehen. Stapelt irgendwie tief. Zwei Verteidiger stehen auf der roten Linie, während die drei Stürmer versuchen, die Scheibe im gegnerischen Drittel zu halten. Das Publikum feiert immer noch. Die beiden Verteidiger stehen weder offensiv noch defensiv gut genug. Da gelangt Anthony Huguenin an den Puck. bedient Robie Earl, der den beiden nicht gut genug stehenden Verteidigern entwischt. Zu allem Überfluss verlässt Damiano Ciaccio seinen Kasten zu spät. Dem Publikum stockt kollektiv der Atem. Doch Robbie Earl lässt sich die Chance nicht entgehen und realisiert das 3:3. Die Feierlaune der Emmentaler findet ein jähes Ende. Und als Beobachter fragt man sich: Hat man denn in Langnau nichts gelernt. Wegen so einem Mist haben die Tiger 2013 das sechste Spiel gegen die Rapperswil-Jona Lakers verloren, ebenfalls als man bereits glaubte, man sei gerettet. Und heute wiederholt sich die Geschichte. Zumindest fast.

 

Mentale Stärke

«Scott Beattie ist ein guter Psychologe», windet Nüssli seinem Coach ein Kränchen. Beattie übernahm die SCL Tigers nach der debakulösen 4:9 - Niederlage in Ambri und - verlor die ersten drei Spiele, bei denen er an der Bande stand. Doch er stabilisierte das verunsicherte Team Schritt für Schritt, liess seine spieler offensiver agieren und liess ihnen mehr Freiheiten. «Das hat den Spass, den Glauben an uns selbst und die Spielfreude zurück gebracht», kommentierte der Schütze zum 2:0 die Veränderung im Team.

 

Doch wie ist es möglich, nach so einem Teifschlag wieder zurück zu kommen? «Wir wuusten von Anfang an: Das ist unser Spiel. Solche Spiele hast du nicht oft. Das müssen wir jetzt einfach gewinnen. Daran änderte sich auch nach dem 3:3 - Ausgleich nichts.»

 

Die SCL Tigers gingen bereits in der zweiten Minute beim ersten Powerplay durch Chris DiDomenico in Führung. Er schloss die ausgezeichnete und sehenswerte Vorarbeit von Kevin Clark auf ebenso sehenswerte Weise ab. In der 8. Minute spielte Yannick-Lennart Albrecht seinem Teamkollegen Thomas Nüssli den Puck in den Lauf, und dieser liess sich nicht zwei Mal bitten. Mit der 2:0 - Führung ging es in die erste Drittelspause. In der 27. Minute verkürzte Joel Fröhlicher per Blueliner zum 2:1. Die Tiger hatten nun eineige bange Minuten zu überstehen, fingen sich jedoch wieder. In der 32. Minute realierte Kevin Hecquefeuille, ebenfalls in Überzahl, nach einer schönen Kombination mit Chris DiDomenico und Thomas Nüssli das 3:1. Mehr noch: Danach überstanden die Langnauer eine vierminütige Unterzahl ohne grössere Probleme,

 

Doch das Schlussdrittel gehörte dann eindeutig dem EHC Biel. Die Seeländer warfen nun alles, was sie haben in die Waagschale und die Tiger spielten zu passiv. Dies rächte sich bereits in der 43. Minute ein erstes Mal. Denn da verkürzte Raphael Herburger auf 3:2, und die Tiger wurden noch passiver. Doch sie schienen den Sieg trotzdem über die Zeit zu bringen. Bis sie sich durch den Shorthander von Robbie Earl in der 59. Minute ihre ausgezeichnete Bilanz in den Spezialsituationen noch versauen liessen.

 

Doch zum Schluss feierten trotzdem die Langnaeuer. Es war insgesamt ein grosser Sieg in einem ebenso wichtigen wie dramatischen Spiel. Ein würdiger Saisonabschluss, der von den Fans gebührend gewürdigt wurde. Ein ehemaliger Bundesrat aus dem Berner Oberland würde dazu sagen: Freude herrscht!

 

 

Playout-Final, 6. Spiel: SCL Tigers - EHC Biel 4:3 n.V. (2:0, 1:1, 0:2, 1:0)

 

Ilfishalle, 6'000 Zuschauer (ausverkauft). SR: Eichmann/Stricker, Bürgi/Wüst. Tore: 2. DiDomenico (Clark, Ausschluss N. Steiner) 1:0. 8. Nüssli (Albrecht, A. Gerber) 2:0. 27. Fröhlicher 2:1. 32. Hecquefeuille (DiDomenico, Nüssli, Ausschluss Maurer). 43. Herburger (Rossi) 3:2. 59. Earl (Huguenin, Ausschluss Herburger!) 3:3. 72. Bucher (Hecquefeuille, DiDomenico) 4:3. Strafen: 4-mal zwei Minuten geegen die SCL Tigers, 5-mal zwei Minuten gegen den EHC Biel.

 

SCL Tigers: Ciaccio; Koistinen, Stettler; Hecquefeuille, Ronchetti; A. gerber, Zryd; Müller, Weisskopf; Nüssli, DiDomenico, Clark; Bucher, C. Moggi, s. Moggi; L. Haas, Chiriaev, S. Lindemann; Berger, Albrecht, Wyss.

 

EHC Biel: Meili; D.-Sutter, Huguenin; Fröhlicher, N. Steiner; Wellinger, Jecker; Jelovac, Maurer; Moss, g. Haas, Tschanteé; Rossi, Olausson, Lüthi; Dostoinov, Joggi, D. Steiner; Schmutz, Earl, Herburger.

 

Bemerkungen: SCL Tigers ohne K. Lindemann, Wilson, Bärtschi, Gustafsson, Murray (alle verletzt, T. Gerber, Gossweiler (überzählig). Biel ohne Dünner, Ehrensperger, Spylo, Macenauer, Fey, Rytz, Dufner, Rouiller, F. sutter, Berthon, Horansky, Wetzel. 31. Pfostenschuss S. Lindemann. 59.24: Timeout EHC Biel.

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