Wochen-Zeitung, Werner Haller

«Marathonmann» Sven Lindemann: 905 Spiele und keine müden Beine

905 NLA- und NLB-Spiele in 17 Saisons hat der neue Stürmer der SCL Tigers bestritten. Aber die Beine des 36-jährigen Arosers sind noch immer nicht müde.

Presse •


«Marathonmann» holt «Marathonmann». So hätte vor drei Monaten der Titel einer Meldung der SCL Tigers lauten können. Sportchef Jörg Reber, der am Ende der Abstiegssaison 2012/13 nach 1072 Spielen seine Karriere als Eishockeyprofi beendete, gab Ende Mai den Abschluss eines Einjahresvertrages mit Sven Lindemann bekannt. Der Aroser ist Flügelstürmer und nicht Verteidiger wie der Schlosswiler. Aber die «Markenzeichen» der beiden «Marathonmänner» sind praktisch die gleichen: Erstklassige athletische Verfassung und entsprechend wenig Verletzungen, professionelle Einstellung, Leistungskonstanz, Zuverlässigkeit, Ausdauer, Disziplin, Ehrgeiz und vor allem Spass am Beruf. Sven Lindemann fiel in 17 NLA-Meisterschaften nur gerade 52mal aus. Er bestritt für Kloten und Zug 896 von 948 möglichen Spielen, wasden überdurchschnittlichen Wert von 94,5 Prozent ergibt (Reber 96,2). Nur gerade fünf, noch aktive Profis waren in noch mehr NLA-Spielen dabei als Sven Lindemann: Reto von Arx (Davos, 957), Mathias Seger (ZSC
Lions, 954), Jan von Arx (Davos, 920), Ryan Gardner (SCB, 906) und Sandy Jeannin (Fribourg, 898).

Weshalb, kann man sich fragen, entscheidet sich ein Routinier wie Sven Lindemann nach 17 NLA-Saisons erstmals in seiner Karriere auch noch einen Vertrag mit einem NLB-Klub abzuschliessen? Der Aroser hat es aus Überzeugung getan: «Die SCL Tigers sind ein ambitioniertes Eishockey-Unternehmen mit einer klaren Zielsetzung: Rückkehr in die NLA. Ich will ihnen auf diesem Weg so gut wie möglich helfen.» Mit dem EV Zug verpasste er letzte Saison erst zum dritten Mal in 17 Jahren die Playoffs. Der Klub entschloss sich zu einem Trainerwechsel und einer Kaderverjüngung und bot Sven Lindemann keine Vertragsverlängerung mehr an: «Damit hatte ich kein Problem,» sagt der Aroser. «Andererseits wollte ich nach einer Saison mit mehr Niederlagen als Siegen auch nicht aufhören. Der Zeitpunkt für eine Luftveränderung war gekommen. Ich verspüre noch genügend Freude, Energie und Willen, um etwas Positives bewegen zu können. Zudem habe ich noch nie mit meinem Bruder Kim zusammen gespielt.»



Alles im Dienst der Mannschaft

Bevor Sven Lindemann noch im Juniorenalter ein Angebot von Kloten annahm, bildete er bei Arosa mit Vater Guido ein gefürchtetes Stürmerduo und wurde mit 43 Punkten (27 Tore/16 Assists) in 22 Spielen Topskorer der Ostschweizer 1.-Liga-Gruppe. In der NLA entwickelte er sich Schritt um Schritt zu einem der wertvollsten Mannschaftsspieler und Zweiwegstürmer der obersten Spielklasse. Bedenkenlos konnten ihn die Trainer in allen Spielsituationen (Fünf gegen fünf, Power- und Boxplay) und sämtlichen Angriffslinien einsetzen. In der Saison 2008/09, als Kloten den Playoff-Final gegen den HC Davos mit 3:4 verlor, bildete Sven Lindemann mit den beiden Finnen Kimmo Rintanen und Tommi Santala die Paradelinie. Es macht ihm aber auch nichts aus, beispielsweise mit zwei
Nachwuchsspielern in der vierten Sturmreihe vorwiegend defensive Aufgabe zu erledigen. Der Russe Wladimir Jurschinow war bei Kloten während sieben Jahren sein Headcoach und er wusste, was er am Aroser hatte: «Mit seinem Charakter, seinem Kampfgeist und seinem Willen, in keiner Situation aufzugeben, macht er jeden Block und jedes Team stärker».

 

 

Sven Lindemann

 

Geboren am 23. April 1978.

Grösse: 177 cm.

Gewicht: 81 kg.

Position: Flügelstürmer (Rückennummer 68).

Stammklub: Arosa.

SCL Tigers: Vertrag bis 2015.
Berufe: Gastrofachmann und Eishockeyprofi.

Verheiratet mit Tamara, Vater von zwei Söhnen Kevin und Colin. Übername: Gigi.



Karriere. Seit 1997/98 für Kloten (13 Saisons) und Zug (4): 896 NLA-Spiele, 172 Tore, 238 Assists, 410 Punkte. Für Chur (1996/97) und Bülach (97/98): 9 NLB-Spiele, 6 Tore, 7 Assists, 13 Punkte.

Grösste Erfolge. 4. Platz an der U18-EM 1996 in Ufa (Russ). Bronzemedaille an der U20-WM 1996 in Helsinki (Fi). NLA-Vizemeister 2009 mit Kloten.   

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